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Sonntag, 15. April 2018, 14:58

Fantasticus (opi)

Das Ensemble Fantasticus wurde 2010 in Amsterdam gegündet. Gündungsmitglieder des Ensembles bzw. Trios sind Rie Kimura, Barockvioline, Robert Smith, Viola da Gamba und Barockcello sowie Guillermo Brachetta, Cembalo. Sie waren aus Japan, Großbritannien und Argentinien nach Amsterdam gekommen, um dort Alte Musik zu studieren

Das Ensemble hat sich - wie der Name schon anklingen lässt - dem Stylus Phantasticus verschrieben; auf seiner Homepage heißt es programmatisch:

Zitat

Fantasticus stands for intense expression and an affinity with bold, extravagant music. Its core inspiration is drawn from the stylus fantasticus of the late 17th century. This was “a free and unrestrained method of composing” that lent itself to uncharted virtuosity in instrumental music. A unique inspiration and an ensemble ‘in thrilling harmony with itself’ is the secret of Fantasticus’ rare communicative power.

Das Ensemble ist in Amsterdam angesiedelt. Nach Angaben in den Booklets ihrer CDs gaben sie dort im Mai 2010 im Bethanienkloster ihr erstes Konzert gegeben, danach begann die Zusammenarbeit mit dem Label Resonus.

Dessen Vorstellung des Ensembles gerät schon etwas poetisch:

Zitat

From the florid excesses of Biber, through the unrestrained harmonic richness of Rameau and the ravishing melodic imagination of Pandolfi Mealli, to the vividness and passion of the forerunners of romanticism as depicted by the generation after Bach, Fantasticus makes no compromises with regard to authentic performance, fearlessly trespassing on the borders of correctness.

Für ihre Konzerte haben sie ein - ihrem Namen entsprechendes - Programm zusammengestellt:

Telemanns Paris
- Quartette von Telemann und Guillemain

Moravian Mystery an Englisch Fantasy
- Purcell, Jenkins, Finger, Schmelzer, Biber

Battles, Beasts and Bells: Baroque Tales of the unexpected
- Marais, Vivaldi, Biber etc.

Il Barocco incantevole
- "Betoverend, vurig en liefelijk Italiaans concert voor sopraan en baroksensemble"

Fantastic England
- Jenkins, Matteis, W. Lawes


Auf dem CD-Markt sind sie nicht so gut vertreten. Die meisten Aufnahmen gibt es nur als download, und wenn sie mal als CD herausgegeben wurden, waren sie auch schnell wieder weg. Einen Mangel haben aber beide Ausgaben: es gibt keine detaillierten Angaben zu den benutzten Instrumenten (ich habe jedenfalls keine gefunden), das ist sehr schade bei einem so ambitionierten Ensemble, das hervorhebt, auf historischem Instrumentarium zu spielen.


lg vom eifelplatz, Chris.
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Rie Kimura
Robert Smith
Guillermo Brachetta
Resonus Artist Page

Discographie
Videos usw.
[bitte rauf- und runterscrollen]

Fortsetzung folgt.

2

Sonntag, 15. April 2018, 16:33

Guillermo Brachetta - Cembalo

es gibt keine detaillierten Angaben zu den benutzten Instrumenten
Das ist aus den von Dir genannten Gründen wirklich sehr schade. In dem Beiheft zu der Aufnahme des Ensembles Bound To Nothing lässt sich ein Bild finden, wonach Guillermo Brachetta einen Cembalonachbau von Titus Craijnen, Bussum bespielt. Bereits für seine Solo-Einspielung Ciaconna hat Brachetta Nachbauten von Titus Craijnen nach G.B. Giusti (1681)* und H. Ruckers (1624)**, erw. 1680, verwendet. Vermutlich wird er auch im Ensemble diese Instrumente bespielen.

* 1 Manual, 8' & 4'
** 2 Manuale, 2 x 8' & 4'

3

Sonntag, 15. April 2018, 17:05

Danke, Max, das denke ich auch.

Ich habe fünf Aufnahmen von Fantasticus hier, z.T. als CD, z.T. als download. Bei Resonus kann man alle Booklets einsehen, da habe ich nichts gefunden. Zum Schluss meiner Beschäftigung mit diesem Ensemble wollte ich auch einmal die Einzelaufnahmen der Beteiligten durchgehen; irgendwo habe ich schon mal was zu Kimura gelesen.

lg vom eifelplatz, Chris.

4

Mittwoch, 18. April 2018, 16:00



Baroque chamber works

Fantasticus

Rie Kimura, baroque violin
Robert Smith, viola da gamba & baroque cello
Guillermo Brachetta, harpsichord


Tracks
1 Stradella: Sinfonia No. 22 in D minor
2 Buxtehude: Sonata a 2 in A minor, BuxWV 272
3 Pandolfi Mealli: Sonata 'La Castella'
4 Schmelzer: Sonata a 2 in A minor
5 attr. Kertzinger: Sonatina in D minor
6 Bertali: Sonata a 2 in D minor
7 Muffat: Passacaglia in G minor
8 Buxtehude: Sonata and Suite in B flat, BuxWV 273: Sonata
9 Buxtehude: Sonata and Suite in B flat, BuxWV 273: Allemanda
10 Buxtehude: Sonata and Suite in B flat, BuxWV 273: Courant
11 Buxtehude: Sonata and Suite in B flat, BuxWV 273: Sarraband
12 Buxtehude: Sonata and Suite in B flat, BuxWV 273: Gigue
13 Jenkins: Fantasia in D minor


rec.: Oude Dorpskerk Bunnik NL, 04/2012
Booklet: E
Cover: Guiseppe Arcimboldo (1527-1593), Spring



Stephen Rose beschreibt im einem sehr informativen Beitrag im Booklet die Entwicklung der Instrumentalmusik im 17. Jahrhundert, die nach seiner Ansicht einen dramatischen Aufschwung genommen habe. Seien Instrumente früher nur für improvisierte Tänze oder zur Verdopplung von Stimmen eingesetzt worden, sei ab 1600 ein unabhängiges neues Repertoire mit idiomatischen Techniken entstanden.

Bevor er dann auf die einzelnen, hier gespielten Werke eingeht, fährt er fort:

Zitat

In 1650 an answer to this dilemma was provided by the Jesuit polymath Athanasius Kircher (1601-1680). In his Musurgia universale he formulated the notion of the stylus fantasticus (also known as stylus phantasticus): ‘The fantastic style is suitable for instruments. It is the most free and unrestrained method of composing; it is bound to nothing, neither to words nor to a melodic subject; it was instituted to display genius and to teach the hidden design of harmony...’ Kircher conceived the stylus fantasticus as primarily contrapuntal, but using freely invented themes rather than the cantus firmus (pre-existing melodies) often used in vocal counterpoint.
[...]
By the eighteenth century, concepts of the stylus fantasticus had broadened. Writing in 1739, the Hamburg theorist Johann Mattheson (1681-1764) defined it as an improvised or improvisatory style: ‘a singing
or playing that comes of free genius or, as is said, ex tempore. [...]
This style is the most free and unrestrained manner of composing, singing and playing that one can imagine, for one hits first upon this idea and then upon that one, since one is bound neither to words nor to melody, only to harmony, so that the singer or player can display his skill.’


Die vorliegende Aufnahme war die erste Veröffentlichung des Ensembles Fantasticus im Rahmen ihrer Zusammenarbeit mit dem Label Resonus. Leider gibt/gab es sie nicht als CD. Erfreulicherweise hat Resonus das Booklet als Datei zur Verfügung gestellt.

Der Gramophon-Rezensent beschließt seine Kritik: "A striking and enjoyable debut."

Fantasticus hat sich hier ein meiner Meinung nach feines Repertoire vorgenommen und mit dem Focus auf den Stylus Fantasticus auch ein schönes Thema für sich entdeckt. Darüber hinaus brauchen sie sich mit ihrer Interpretation, Technik und Entdeckerfreude unter der Vielzahl der Formationen, die das 17. Jahrundert bearbeiten, nicht zu verstecken, im Gegenteil, sie haben sich gleich bei den besten eingereiht.


lg vom eifelplatz, Chris.

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Resonus

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