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Ulli

Ritter vom goldenen Spott

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Beiträge: 11 944

Wohnort: Großher­zog­lich-badische Haupt- und Residenz­stadt Carlsruhe (davor: bonna castrata)

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1

Sonntag, 21. Januar 2018, 20:04

Flut und Ebbe bei Künstlern ...

Ursprünglich sollte der Thread „Vom Niedergang so mancher Künstler" heißen, das fand ich aber dann doch zu grobschlächtig und abwertend. Aber mir fiel in letzter Zeit verstärkt auf, daß von mir favourisierte Künstler plötzlich nicht mehr so attraktiv sind mit dem, was sie von Board werfen: bei der Kermes ist seit langem Funkstille, zu meinem Erschrecken ein „Brigitte - Klassik zum genießen"-Album ... wie albern, das kommt einem Niedergang schon extrem nahe, nicht?

:umfall:

Arthur Schoonderwoerds Mozart-Requiem war nicht überzeugend bis ungenießbar, die neue Poulenc-Platte mit Liedern bei Amazon und jpc nicht erhältlich, man findet sie dann im Netz (sogar mit Teasern), aber auch das überzeugt mich nicht (wohl, da ich kein Freund der frz. gesungenen Sprache bin; Poulenc hingegen finde ich schon toll). Immerhin, meine erste Begegnung war 2008, das ist 10 Jahre (!) her, da war gerade die erste Beethovenplatte am Markt mit 4&5 ...

Zumindest, was CD-Produktionen betrifft, machen sich Concerto Köln, Solamente naturali (hummel), von Steinaecker (Bruckner) und L'Arte del Mondo auch rar ... dabei gäbe es noch genügend zu tun.

Erwarte ich zuviel oder spinnen die plötzlich alle? Ich bin gewohnt, daß alles so bleibt wie es ist und so weitergeht wie bisher ...

*wait* *hä*
Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.
W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

2

Montag, 22. Januar 2018, 10:03

Mir ist auch vor einigen Jahren aufgefallen, dass von denen, die ich zuvor bevorzugt gesammelt habe, nichts mehr kam (Concerto Köln allen voran). Da ich aber das Repertoire der mich interessierenden Musik stark erweitert habe und Unmengen an Aufnahmen in Summe finde, kratzt mich das wenig. Neue Aufnahmen sind aber wohl selten dabei, da die Breite natürlich ermöglicht, bei Sonderangeboten abzuräumen ...
*hide*
Andererseits fällt auf, dass cpo in immer obskurere Komponisten "investiert", was cpo ja auch als Aufgabe sieht. Wenn Concerto Köln früher "Nischenrepertoire" wiederbelebt hat, und diese "Nischen" eigentlich Großmeister waren (z.B. Locatelli), so funktioniert in Anbetracht der Riesenmenge an verfügbarem Nischenmaterial das Konzept nicht mehr, sich als "Entdecker" zu verkaufen. Wahrscheinlich wissen sie jetzt nicht mehr, was sie verkaufen sollen?
*hä*

3

Montag, 22. Januar 2018, 11:01

Ich bin gewohnt, daß alles so bleibt wie es ist und so weitergeht wie bisher ...
Abgewöhnen - das hat auf Dauer nie funktioniert, und es entspricht nicht (mehr) der Realität.

Das fängt schon mit den Labels selber an. In den 1990er Jahren war ein anderer Markt für solche "Raritäten" wie Locatelli, heute müssen es wirklich kaum bekannte Komponisten sein, die diesen Anspruch erfüllen sollen (sowas wie Rathgeber, würde ich sagen). Außerdem sind die Projekte heutzutage viel individueller in der Finanzierung als früher: damals bezahlten die großen Labels alles, weil sie im Schnitt immer noch ihre Umsätze schafften; heute wälzen selbst die kleineren Labels alles auf die Künstler ab (hast du selber gesagt, Ulli - Schoonderwoerds Mozart-Konzerte). Ich weiß z.B. von Friedhelm Flamme, daß er für sein Buxtehude-Projekt für cpo die Orgelmieten selber zahlen muß - eigentlich ein Unding. Und Labels wie Accent, Naive u.ä., die nie wirklich groß waren, müssen schauen, daß sie sich nicht durch jede neue Veröffentlichung gleich irreparabel verausgaben. Es ist doch kein Zufall, daß viele der alten opi-Heroen eigene Labels gegründet haben, wenn sie noch etwas veröffentlichen wollen.

Die künstlerische Seite ist eine andere: ich halte das Mozart-Requiem nicht für typisch Schoonderwoerd, und als ich die Schnipsel hörte, wundert mich bei den eigentlichen Mozart-Tracks, wieso das nicht euren Geschmack trifft; doch das sind individuelle Angelegenheiten - beim nächsten Mozart-Konzert geht (vermutlich) wieder die Sonne bei euch auf. An solchen Einzelleistungen sollte man sich nicht stören.

Es ist aber auch so, daß ein Künstler nicht immer das Gleiche machen will - und niemand behauptet, daß es den Hörern gleich gefallen wird. Außerdem kann sich auch der Hörer selber ändern - in seinen Ansprüchen, in seinen Neigungen. Wie sollte man dann hoffen, über Jahr(zehnt)e hinweg immer gleich zufrieden zu sein mit den Sachen, die ein Künstler macht?
Wenn Concerto Köln früher "Nischenrepertoire" wiederbelebt hat, und diese "Nischen" eigentlich Großmeister waren (z.B. Locatelli), so funktioniert in Anbetracht der Riesenmenge an verfügbarem Nischenmaterial das Konzept nicht mehr, sich als "Entdecker" zu verkaufen. Wahrscheinlich wissen sie jetzt nicht mehr, was sie verkaufen sollen?
Auch ein wichtiger Punkt: der Zeitpunkt, wann etwas als "neu" bewerbbar ist - da hat sich definitiv etwas verschoben.
Unser *opi* nahm *opi*-um - Bumms! fiel unser *opi* um.

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