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Yorick

gewesener reuß.-plaw. Rath und Landgeist(l)icher

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1

Sonntag, 18. September 2016, 09:24

Live is live: Konzert, Oper, Kammermusik, Liederabend - Von der Einmaligkeit des Erlebens vor Ort

"Live is live" sangen Opus 1985 und ich liebte das Lied seinerzeit sehr, auch wenn jene sicher nicht an Lohengrin oder Beethovens Neunte dachten. Seit Beginn meiner Leidenschaft für klassische Musik pilgere ich natürlich auch in Konzert- und Opernsäle und versuche die einmalige Aura des Unmittelbaren wiederholt zu erleben. Ich frequentiere ja regional gesehen vor allem folgende Spielstätten:

- eine halbe bis dreiviertel Autostunde nach Hof (Saale) und Plauen
- eine knappe Stunde nach Gera und Jena
- eine reichliche Stunde nach Weimar, Leipzig und Bayreuth
- anderthalb Stunden nach Erfurt

Das Live-Erlebnis ist - und man kann das gar nicht oft genug betonen - immer wieder etwas ganz Besonderes, Eigenes, Unwiderbringliches; dass auch enorme Auswirkungen auf unser Hörverhalten auf CD hat. Zumindest glaube ich das; da wird viel Psychologie im Spiel sein. Vielleicht ist der Live-Act sogar DIE Form musikalischen Erlebens, womöglich sogar die einzige: Man mag in seiner Sammlung hunderte Referenzscheiben mit Gänsehautgarantie haben; über die Erlebnisse auf unserer inneren Festplatte, die länger hält als jede digitale und wahrscheinlich sogar über unseren Tod hinaus, geht nichts, aber auch gar nichts.

Dennoch habe ich es ebenfalls von Beginn an eher mit den Tonkonserven (MC, Platte, CD, SACD, DVD, Blue-ray) gehabt als den Konzertbesuchen. Zu viele Aspekte stehen für mich dem Reisen zur klassischen Musik und dem Genuss vor Ort entgegen. Das beginnt eben mit der Anfahrt, ich hasse Verreisen und Unterwegssein; die Umstände, den Stress. Ich mag keine Menschenansammlungen und schon gar keine Menschenmassen und ich kann ganz schlecht lange auf einer Stelle sitzen und wundere mich immer wieder über die uralten Leute, die sich einen Parsifal lang nicht einen Zentimeter bewegen. Ich stoße immer mit den Knien an der Lehne vor mir an, kann kaum ruhig halten und muss ständig die Beine versetzen.

Dazu muss wie ich wie stets nach wenigstens 40 Minuten pullern wie eine Bergziege. Des Weiteren das Tragen von Anzug und Fliege oder Schlips bei meist schlechter stickiger Luft und großer Hitze und schon wird mir jeder Kunstgenuss verleidet. Überdies hadere ich oft mit der Klangqualität in den diversen Häusern, die Ticketpreise rechne ich in CDs um, die ich dafür meist in Fülle erhielte und auch mein Freiheitsbedürfnis, jederzeit selbst entscheiden zu können, wann ich was höre, regt sich ständig. Regietheater und ähnliche Possen runden das Thema für mich ab, das ich nunmehr als ein für mich geschlossenes betrachte.

Fazit: Live ist endgeil, aber zu anstrengend!
"Alas, poor Yorick! I knew him, Horatio; a fellow of infinite jest, of most excellent fancy; he hath borne me on his back a thousand times; and now, how abhorred in my imagination it is! My gorge rises at it. Here hung those lips that I have kissed I know not how oft. Where be your gibes now? Your gambols? Your songs? Your flashes of merriment, that were wont to set the table on a roar?"

Ulli

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2

Sonntag, 18. September 2016, 09:47

Meine „Probleme“ mit Livekonzerten ähneln sicher jenen, die Du beschrieben hast; hinzu kommt vielleicht noch die spezielle Garderobe: kaum hast Du die Lösung gefunden, was Du anziehen wirst, ändert das Leben die Frage ... aber das betrifft auch generell den Alltag, nur ist es bei Veranstaltungen besonders nervig, weil die Zeit davonrennt und ich kein Mensch von schnellen Entscheidungen bin.

Konzerte besuche ich am liebsten mit Begleitperson, damit man sich zusammen aufregen oder hypen kann. Allein besuche ich Konzerte nur in unmittelbarer Nähe und nur in Sonderfällen fahre ich extra weiter als 100 km. Die Preise ziehen ja auch stark an, wobei mir das inzwischen für die von mir ausgesuchten Konzerte/Opern völlig egal ist (eine Schmerzgrenze habe ich dennoch und die liegt bei 80 bis 90 Flocken pro Veranstaltung; wenn man dann die Fahrtkosten und den Verpflegungsmehraufwand hinzuaddiert, ist man schnell bei weit über 100 €).

Wie dem auch sei; Liveveranstaltungen sind einfach nicht zu toppen: das Flair allein schon, die Musiker bei der Arbeit zu sehen, das Knistern im Publikum (nein, nicht das Bonbonpapier).

Gegen den obligatorischen Psycho-Husten habe ich inzwischen immer eine Packung Ambroxol und einen mit Wasser (!) gefüllten Flachmann dabei - eine halbe Stunde vor Beginn eingeworfen: und es ist für die nächsten zwei Stunden ist RUHE; jedenfalls bei mir. Natürlich treibt das das Bergziegensyndrom auf die Spitze. Außerdem wirkt das optisch auch noch aufsehenerregend, wenn man im Foyer den Flachmann aktiviert und sich was runterbeamt.

*wind*
Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.
W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

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3

Sonntag, 18. September 2016, 10:26

Zitat

Ulli: den Verpflegungsmehraufwand hinzuaddiert


Mach dir zu Hause ein paar Schnitten fertig, 2 Trink-Päckchen -- volá...

*sante* LT

Ulli

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4

Sonntag, 18. September 2016, 10:28

Ich hab nie was zum Essen daheim ... das ist viel zu aufwändig. :S

Außerdem hasse ich es, etwas zusätzliches tragen zu müssen, was nicht in meine ohnehin brechend volle Umhängetasche hineinpasst; meine Hände müssen beide frei bleiben.
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Sonntag, 18. September 2016, 10:29

Dann gehst du jeden Tag essen oder lässt dir etwas liefern??

Ulli

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Sonntag, 18. September 2016, 10:32

Ab und zu; meistens reicht mein morgendliches Schokocroissant, die abendliche Tüte Kesselchips und dazwischen jede Menge Kaffee, Fluppen und ab 18/19 Uhr die fluide Nahrungsergänzung ... gelegentlich mal 'ne halbe TK-Pizza oder (öfters) einen frischen Caprese; da ist die Relation von Aufwand und Geschmackserlebnis noch im grünen Bereich.
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Donnerstag, 25. Januar 2018, 19:07

Dank an Yorique für den (erneuernden) Hinweis zum diesem Thread; just habe ich in Erfahrung gebracht, wie unterschiedlich doch eine Aufnahme gegenüber dem Liveerlebnis sein kann: ich saß direkt vor den 9 Contrebässen und habe das Konzert, das insgesamt recht gelungen eingefangen wurde, auf ganz andere Weise erfahren dürfen: die kreissägenden Bässe bei Ligetis Lontano habe ich gänsehautig und kreischend erlebt - in der Aufzeichnung ist davon nicht mal eine Ahnung zu spüren ... ähnlich erlebte ich es bei den Aufzeichnungen zu Schoonderwords Mozart-Clavierkonzerten. Das ist ernüchternd, lässt sich aber wohl kaum ändern. Die Audiospektive ( ... :beatnik: ...) macht schon viel aus ...

„Alles was wir hören ist eine Meinung, keine Tatsache. Alles was wir sehen ist eine Perspektive, keine Wahrheit“ (Marcus Aurelius)

„Wenn man nicht dabei ist, ist man eben außen vor“ (Ulli, Aphoristiker)

Lustiger Weise hatte ich diese Diskussion gerade online mit einem Freunde ... „ich komm grad mit weib von wab(108). diese musik kann man nur im konzertsaal richtig hören!", „das wirkt halt nicht, wie oben angedeutet. zb das sehr starke gewicht der basstuba, ist mir bei keiner aufnahme noch aufgefallen."

Dazu auch: Pierre le grand ...
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8

Donnerstag, 25. Januar 2018, 19:43

Eigentlich nachvollziehbar - ein Tonmeister achtet auf einen Gesamtklang und weniger auf Betonungen bestimmter Orchestergruppen. Es gibt natürlich eine variable Ausrichtung (mehr Schlagwerk oder Bässe oder eben nicht), aber sie muß dennoch zum Gesamten passen. Und je nachdem, welche Mikrophonierung vorliegt, sind große Variationen gar nicht mal möglich.

Das Sitzen direkt vor den Kontrabässen wird gewiß keine Position sein, die ein Tonmeister in Betracht ziehen würde.
Unser *opi* nahm *opi*-um - Bumms! fiel unser *opi* um.

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Donnerstag, 25. Januar 2018, 19:45

Das Sitzen direkt vor den Kontrabässen wird gewiß keine Position sein, die ein Tonmeister in Betracht ziehen würde.

Sicher (wobei: mich hat noch niemand gefragt ...); bietet sie aber doch eine ganz andere Sicht- und Hörweise auf ein Werk. Und: da saß ja nicht nur ich. Mitunter sicher auch ein Grund, warum Rezensionen von Live-Konzerten ein bunter Strauß Blumen sein kann ... was der Rezensent gehört hat, muß noch lange nicht jeder gehört haben (können). Weswegen ja solche Rezensionen (ohne genaue Hörplatzangabe) generell schon für die Tonne sind, bevor sie überhaupt geschrieben wurden ...
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10

Donnerstag, 25. Januar 2018, 20:13

Andere Sicht- und Hörweise - ja, wäre toll. Doch es gibt halt bestimmte Parameter, an denen kommt eine Aufnahme nicht vorbei. Nenne es von mir aus "technische Tradition". Und die ist leider sehr schwer zu überwinden.
was der Rezensent gehört hat, muß noch lange nicht jeder gehört haben (können). Weswegen ja solche Rezensionen (ohne genaue Hörplatzangabe) generell schon für die Tonne sind, bevor sie überhaupt geschrieben wurden ...
Vergiß nicht das Phänomen, daß die gleiche Aufnahme anders beurteilt werden kann - passiert sehr häufig, daß die Meinungen weit auseinandergehen.
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Donnerstag, 25. Januar 2018, 20:32

Ja, das kommt noch unleidlich dazu ...
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Yorick

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12

Freitag, 26. Januar 2018, 06:39

was der Rezensent gehört hat, muß noch lange nicht jeder gehört haben (können). Weswegen ja solche Rezensionen (ohne genaue Hörplatzangabe) generell schon für die Tonne sind, bevor sie überhaupt geschrieben wurden ...
Vergiß nicht das Phänomen, daß die gleiche Aufnahme anders beurteilt werden kann - passiert sehr häufig, daß die Meinungen weit auseinandergehen.
Na ja, ich denke schon; dass die Beurteilung von Tonträgern "objektiver" (soweit überhaupt) möglich ist als die von Live-Erlebnissen; weil die Ausgangsbedingungen bei z.B. CDs doch einheitlicher sind.
"Alas, poor Yorick! I knew him, Horatio; a fellow of infinite jest, of most excellent fancy; he hath borne me on his back a thousand times; and now, how abhorred in my imagination it is! My gorge rises at it. Here hung those lips that I have kissed I know not how oft. Where be your gibes now? Your gambols? Your songs? Your flashes of merriment, that were wont to set the table on a roar?"

13

Freitag, 26. Januar 2018, 09:01

Das sollten sie sein, aber das bedeutet nicht, daß es wirklich so passiert.
Unser *opi* nahm *opi*-um - Bumms! fiel unser *opi* um.

Yorick

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14

Freitag, 26. Januar 2018, 09:53

Das sollten sie sein, aber das bedeutet nicht, daß es wirklich so passiert.

Wer wüsste das besser als wir. :D
"Alas, poor Yorick! I knew him, Horatio; a fellow of infinite jest, of most excellent fancy; he hath borne me on his back a thousand times; and now, how abhorred in my imagination it is! My gorge rises at it. Here hung those lips that I have kissed I know not how oft. Where be your gibes now? Your gambols? Your songs? Your flashes of merriment, that were wont to set the table on a roar?"

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