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Ulli

Ritter vom goldenen Spott

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1

Dienstag, 18. Februar 2014, 19:51

Der ultimative EROICA-SmallTalk-endlos-Faden

Hallo,

bislang einmalig in der Geschichte der Klassikforen dürfte dieser noch recht jugendliche ultimative EROICA-SmallTalk-endlos-Faden sein. Die Grund-Idee dazu stammt von unserem Mitglied Mordent, der als "Schleifer" unser Forum verziert und dessen erstem Posting ich diese kleine erklärende Präambel durch einen kleinen Zaubertrick voranstelle.

Dieser Thread hat kein festgelegtes Thema und keine festen Regeln, außer natürlich, daß er sich weitestgehend mit der klassischen Musik auseinandersetzen soll (schließlich befinden wir uns in einem Klassikforum) und auch ansonsten mit unserer Diskussionsrichtlinie konform geht. In diesem Thread kann frei heraus gepostet werden, was den Schreiberling gerade bewegt, beschäftigt, ärgert, fasziniert oder langweilt... und es darf munter mitdiskutiert werden. Sollten sich das ein oder andere Mal doch Fäden ergeben, für die sich eigene Threads lohnen, werden diese ggfs. evakuiert. Ansonsten darf man hier vom Hölzchen aufs Stöckchen kommen, auf Teufel komm raus schreiben und natürlich auch gerne ältere Aspekte wiederaufnehmen.

In diesem Sinne mit Dank an Mordent viel Vergnügen!

:wink:
Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.
W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

2

Donnerstag, 20. Februar 2014, 14:33

Smalltalk

Mir kommen immer wieder Fragen, Gedanken, Bemerkungen, die so richtig in keinen bereits existierenden Thread passen wollen und die aber auch keinen eigenen neuen Thread rechtfertigen. Deshalb eröffne ich hier mal einen Plauderthread für allerlei Gelaber rund um unser Hobby. Wenn sich aus dem Gelaber hier dann mal was Habhaftes entwickelt, kann man es ja leicht auslagern oder anderswohin kopieren. Ich hoffe, das ist okay. Und ich hoffe, dass es so einen Thread nicht schon gibt und ich ihn nur übersehen habe. Dann bitte kopieren und zusammenführen.

Also, gleich mal gesmalltalkt:
Sitze im Buchladen, nebenher laufen Haydn-Streichquartette (Ensemble Mosaique). Da kommt ein Kunde an die Kasse, kauft ein Buch und fragt, was das für Musik sei. Sag ich, Haydn. Meint er, ach ja? Sag ich, ja, Streichquartette. Sagt er, was? Streichquartette? Wow, das klingt ja so modern. Frage ich, modern? Ja, modern, sagt er. Und da begreife ich und meine, ja, modern im Sinne von frisch. Er freut sich und sagt, ja, genau! Ich wieder, dass Frische typisch Haydn sei. Dann meint er, ja, ganz anders als Mozart. Der sei ja total lahm. Immer nur G-Dur, C-Dur. Die Opern, furchtbar. So berechenbar, total Musikantenstadl. Bis auf das Requiem. Echt jetzt?, frage ich und widerspreche, dass Mozart Haydn eigentlich, was musikalische Raffinesse angeht, in Nichts nachstehe. Er wieder: Doch, immer C-Dur, G-Dur. Papageno, furchtbar. Da sage ich: Nun ja, die Papageno-Arien haben auch Liedform und sollen eine bestimmte Figur charakterisieren. Da ist es ja wohl verständlich, dass es keine harmonisch spannende Durchführung gibt. Er solle sich mal die Pamina-Arie "Ach ich fühl`s" oder Taminos "Dies Bildnis" vergegenwärtigen, wo doch sehr eindringlich und musikalisch spannend Emotionen dargestellt werden. Doch er bleibt dabei: Ach, so berechenbar! Und ich, ganz verdutzt: Und was ist mit Giovanni? Mit Figaro? Da meint der Typ, wenn er das hört, meint er immer, das wäre Silcher, weil es so simpel sei. Bis auf das Reqieum, das sei eine ganz andere Welt. Meiner abschließenden Frage, ob er diese Arien einmal durchanalysiert hätte, weicht er aus, und wir verabschieden uns.

8| 8o :wacko: *beiss*

Melina

♫ Wintermärchen ♫

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3

Donnerstag, 20. Februar 2014, 15:14

Musikantenstadl ? Sehr originell !! *lol*
Er hat ja eine Meinung...das finde ich auf alle Fälle erfrischend!!
Ich hatte vor langer, langer Zeit jemanden hören sagen ( der sogar Familienname Haydn trug!), Haydn sei SO SCHWER...ich habe mich aber nicht reingelassen, nicht mitziehen lassen. Damals war ich nocht nicht so schadenfroh 8o

Musikantenstadl.....
Mir ist aber klar was gemeint war.... :D
Was ich sagen will, ....
egal !
Ich mach's ja nur schlimmer!!


Auf Mozart und Haydn *sante*

"Wenn du von allem dem, was diese Blätter füllt,
Mein Leser, nichts des Dankes wert gefunden:
So sei mir wenigstens für das verbunden,
Was ich zurück behielt."
(Lessing)

Ulli

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4

Donnerstag, 20. Februar 2014, 17:24

Musikantenstadl? Damit verbinde ich allenfalls Strauss-Walzer... aber selbst diese wären durch einse solche Bezeichnung unzutreffend herabgesetzt. Musikantenstadlhaftes an Mozartopern kann ich günstigstenfalls in der einen oder anderen Inszenierung und Kostümierung der 1960er Jahre verorten; dafür kann aber der Komponist nichts. Ich werte eine solche Aussage erst einmal als bewusste Provokation, bevor ich auf ungeahnt große Wissenslücken tippe. Daß so ein Vergleich möglich ist, lässt zudem auch Rückschlüsse auf den Musik-Konsum des "Rezensenten" zu.

Jedenfalls eine nette Anekdote, deren Kernaussage ich allerdings ganz woanders verorte: Dein Gesprächsgegenüber empfindet Mozart als lahm und langweilig? Möglich, daß es an Böhm'schen Non-HIP-Interpretationen liegt, denn sowas hat ja mit Mozarts Musik nicht wirklich etwas zu tun. Womöglich ist hier auch ein gewisser Gewöhnungseffekt mit im Spiel: was man zu oft (ob freiwillig oder nicht) gehört hat, wirkt ermüdend, lahm und langweilig. Haydn, dessen Streichquartette ich doch in den meisten Fällen sogar weitaus mehr schätze als Mozarts Haydn-Quartette, ist dagegen eher einem speziellen Publikum vorbehalten. Seine Quartette sind, mit Ausnahme vielleicht des Kaiser-Quartetts, nicht annähernd so bekannt wie einige Mozart-Werke dieses Genres - wenn man vom Otto-Normal-Hörer ausgeht. Insofern ist die Schlussfolgerng, daß Haydn "modern", also neu und frisch, klingt, völlig klar und nachvollziehbar. Alles, was im weitesten Sinne "neu" ist, ist grundsätzlich erst einmal interessanter als das Altbekannte. Zumal die Mosaïques ja auch HIP sind... wundert mich das nicht ernsthaft, sondern entlockt mir ein rechthaberisches Grinsen.

Den Vergleich im Opernbereich hält Haydn allerdings nicht stand; und dies ist nicht nur meine persönliche Meinung:

Denn Haydn schrieb Folgendes im Dezember 1787 an den Oberverpflegs-Verwalter Franz Rott in Prag: "Sie verlangen eine opera buffa von mir, recht herzlich gern, wenn Sie Lust haben, von meiner Singkomposition etwas für sich allein zu besitzen. Aber um sie auf dem Theater zu Prag aufzuführen, kann ich ihnen dießfalls nicht dienen, weil alle meine Opern zu viel auf unser Personale gebunden sind, und außerdem nie die Wirkung hervorbringen würden, die ich nach der Lokalität berechnet habe. Ganz was anderes wäre es, wenn ich das unschätzbare Glück hätte, ein ganz neues Buch für das dasige Theater zu komponieren. Aber auch da hätte ich noch viel zu wagen, indem der große Mozart schwerlich jemanden andern zur Seite haben kann. Denn könnt' ich jedem Musikfreunde, besonders aber den Großen, die unnachahmlichen Arbeiten Mozarts, so tief und mit einem solchen musikalischen Verstande, mit einer so großen Empfindung in die Seele prägen, als ich sie begreife und empfinde, so würden die Nationen wetteifern, ein solches Kleinod in ihren Ringmauern zu besitzen. Prag soll den theuern Mann fest halten - aber auch belohnen; denn ohne dieses ist die Geschichte großer Genien traurig, und giebt der Nachwelt wenig Aufmunterung zum fernern Bestreben; weßwegen leider so viel hoffnungsvolle Geister darnieder liegen. Mich zürnet es, daß dieser einzige Mozart nicht bey einem kaiserlichen oder königlichen Hofe engagirt ist! Verzeihen Sie, wenn ich aus dem Geleise komme; ich habe den Mann zu lieb." [Zitiert nach: Mozart, Dokumente seines Lebens, herausgegeben von O. E. Deutsch und J. H. Eibl, dtv dokumente]

P.S. Ich fände so einen (nota bene: öffentlichen!) wirklich chaotischen SmallTalk-LongText-NeverEnding-EroicaThread, der kein festes Thema hat und sich ins feinste verfranzt, ziemlich spannend...

:wink:
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5

Freitag, 21. Februar 2014, 06:46

Deine Fernanalyse dürfte ziemlich haarscharf treffen. Allerdings bist Du noch zu großzügig, was die Ahnung meines Gesprächspartners angeht, denn ich bin mir sicher, dass er keine Mozart-Streichquartette kannte. Er kennt und mag das Reqieum, dafür muss man schließlich nur Kinobesucher sein. Und er war wahrscheinlich mal in der Zauberflöte. Ansonsten beschäftigt er sich vermutlich mit irgendeiner (oder mehreren) Sparte(n) der sogenannten populären Musik. Sein Beharren auf der Aussage "Immer nur G-Dur, C-Dur und wieder zurück" klang mir sehr nach einem Gitarristen, der weniger funkionsanalytisch hört, sondern Gitarrenakkorde nach dem Gehör nachspielt. Damit kann man den beiden Papageno-Liedern ja durchaus auch zu Leibe rücken.

Übrigens habe ich ihn auch darauf hingewiesen, dass die "Frische" extrem abhängig von der Interpretation ist. Ich glaube, daraufhin kam er erst zu seinem Tonartenargument. Das Ganze war jedenfalls sehr unterhaltsam.

Und es hat anscheinend dazu geführt, dass ich heute Nacht davon geträumt habe:



Was sehr kurios ist, denn ich habe/kenne die Aufnahme gar nicht. Ich habe sie zwar die Tage bestellt, sie ist aber noch nicht geliefert worden. Ulli mit seinen Vorschlags-Exkursen und das Feedback von Lullist und Travinius (?) haben mit die Platte so schmackhaft gemacht, dass ich jetzt schon von ihr träume!

Übrigens bin ich im Traum sogar Schoonderwoerd höchstpersönlich begegnet, und er war supernett. Und der CD lag ein Textbuch zu einem Oratorium von Stradella bei .... *juck*

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6

Freitag, 21. Februar 2014, 06:59

Und der CD lag ein Textbuch zu einem Oratorium von Stradella bei ...

Dann ist vielleicht meine Marketplace-Bestellung, auf die ich seit Wochen warte nicht bei mir, sondern in deinen Träumen angekommen.... :D

*yepp*

LG
Tamás
:wink:
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7

Freitag, 21. Februar 2014, 09:34

Habe gerade -- verflucht sei der Prokratinations-Dämon -- in einem anderen Forum über die Ankündigung einer Faust-Inszenierung in Dresden gelesen. Und zwar hier . Regier führt ein gewisser Michiel Dijkema.

Mit dem habe ich während des Studiums zwei Projekte gemacht und mich prächtig verstanden. Ein sehr kluger Typ, der sich in vielerlei Hinsicht den Allüren seiner Kollegen verweigert hat. Man konnte als Sänger sogar mit ihm zusammen Ideen entwickeln! Habe mich kürzlich erst gefragt, was aus ihm geworden ist und dass ich gerne mal wieder ein Bier mit ihm trinken würde. Freut mich, dass er mit seinen stark auf Erzählung der Handlung, Unterhaltung und Witz ausgelegten Arbeiten offenbar so weit gekommen ist, dass er an der Semperoper inszenieren kann. Hach, es ist einfach herrlich, wenn man auf den Besetzungslisten auf alte Kommilitonen trifft!

8

Montag, 24. Februar 2014, 12:48

Musste heute kurz in meinen Buchladen, um etwas zu erledigen und hatte mich tierisch gefreut, weil ich davon ausgegangen bin, dass mich dort eine Lieferung von jpc erwartet. Ist aber leider noch nicht angekommen. :(

Ihr könnt ja mal raten, was in der Lieferung drin ist. Traumdeuter haben bei des Rätsels Lösung einen entscheidenden Vorteil. :D

Ulli

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9

Montag, 24. Februar 2014, 15:58

Sein Beharren auf der Aussage "Immer nur G-Dur, C-Dur und wieder zurück" klang mir sehr nach einem Gitarristen, der weniger funkionsanalytisch hört, sondern Gitarrenakkorde nach dem Gehör nachspielt. Damit kann man den beiden Papageno-Liedern ja durchaus auch zu Leibe rücken.

Ich glaube, ich schweife jetzt komplett ab, aber Tonarten im Allgemeinen sind für mich irgendwie seit einigen Monaten unweigerlich der Aufhänger, an sogenannte Hashtags zu denken. Da muß man jetzt schon ziemlich umme Ecke denken, um mitzukommen: Twitterer und Facebooker wissen, was gemeint ist; für die anderen: Hashtags sind im Internetjargon landläufig Meta-Tags zur leichteren Auffindung von Schlagworten. Gekennzeichnet sind sie durch das Symbol # - das z.B. bei Wikipedia als Doppelkreuz bezeichnet wird. In der modernen Musikschrift gilt es jedoch als "einfaches" Kreuz (also Erhöhung des folgenden Tons um 1/2 Ton), die Ganztonerhöhung erfolgt mittels Doppelkreuz, das in der Musik als X notiert wird. Ich kann mich leider nicht mit der Bezeichnung des # als Doppelkreuz anfreunden, wenn auch in älteren Drucken, oftmals Erstdrucken, Kreuz (#) und Doppelkreuz (X) tatsächlich genau andersherum verwendet wurden (was eigentlich auch Sinn und den Usprung deutlich macht). Leider finde ich das Notenbeispiel gerade nicht und werde es nach dem Auffinden gerne nachreichen.

Die Verleger des 18. Jahrhunderts scheinen dies sehr unterschiedlich gehandhabt zu haben. Interessant ist z.B. die Notation des Verlegers bei der Sonate c-hashtag-moll ( :D) von Hyacinthe Jadin, bei welcher das Doppelkreuz als :#: notiert wurde.

:beatnik:
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10

Dienstag, 25. Februar 2014, 07:07

Seltsam, wie sehr ich da in Wahrnehmungskontexten klebe. Ich denke beim # auf der Tastatur bzw. in Texten selten bis nie an das # in der Notation von Musik, obwohl mir beides relativ geläufig ist. Dass es sich dabei um dasselbe Zeichen handelt, ist mir meistens gar nicht bewusst. Hashtags sind mir übrigens auch kein Begriff. Ich kenne und verwende # in Texten hauptsächlich in Manuskripten als Signal entweder für den Setzer oder für einen selbst. Textstellen, die man zum Beispiel bei einem ersten Übersetzungsdurchgang noch offen lässt, markiert man mit einem sogenannten "Gartenzaun" ###. Wenn vor den "Gartenzäunen" dann noch "Gänsefüßchen" scharren, hat man ein komplettes ländliches Bauernhof-Idyll. Ich bin dafür, dass man die Gartenzäune auch in der Musiknotation als "Cluster-Kreuze" einführt. Der ausführende Musiker darf einen mit Cluster-Kreuz versehenen notierten Ton beliebig weit erhöhen. Zum Beispiel.

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11

Dienstag, 25. Februar 2014, 09:17

Meine Denkweise ist da eben extrem musikorientiert.

"Ich g-moll einkaufen"
"Ich es-moll was..."
"ver-gis es!" (auch lautsprachlich eine kleine Terz gis-es)

8-)
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12

Dienstag, 25. Februar 2014, 21:04

"ver-gis es!" (auch lautsprachlich eine kleine Terz gis-es)

Wobei gis-es für mich eher eine übermäßige Terz wäre... oder enharmonisch eine Quarte.
Lucius Travinius Potellus
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13

Dienstag, 25. Februar 2014, 21:07

So ein Terz...

Naja, Du hast die Umgangssprache außer Acht gelassen, infolge derer es "vergesses" heißen würde...

*hide*

Aber ges und gis sind nunmal zumindest in der Musik nicht dasselbe... außer, daß vielleicht ein ges auf dem Hammerflügel einem gis auf dem Steinway entspräche... (aber Du hast natürlich Recht, ich meine eine Quarte).
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14

Dienstag, 25. Februar 2014, 21:11

*danke* :D

I musst' des a-moll klarstellen.
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15

Dienstag, 25. Februar 2014, 21:15

Genau. Das hatte ich vergessen, anzubringen... der kleine SmallTalk zwischen Beethoven und einem Auftraggeber, der ihn bat, etwas auf dem Hammerflügel zu improvisieren:

B: "a-moll oder c-moll?"
A: "Naaa, ahmoal reicht ma..."

*lölchen*

(Dies soll aber jetzt kein Anlass sein, aus unserem Thread einen Witze-Thread zu machen, wobei gegen gelegentliche Einstreuung an passender Stelle sicher nichts spricht...)
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16

Mittwoch, 26. Februar 2014, 08:15

Wie im Neuerwerbungsfaden zu erfahren, bin ich inzwischen im Besitz des "Steffani Projekts".

Als die CD "Mission" von Bartoli seinerzeit auf den Markt kam und ich sie nicht eingehender angeschaut, sondern nur überall die Werbung gesehen habe, da war ich erst mal ein bisschen angenervt. Der Titel zusammen mit dem Kreuz und dem asketischen Haarschnitt auf dem Cover ließen mich erst mal an einen obskurantistischen Rückbezug zur Religion denken. Die Doppeldeutigkeit und der Witz, der sich dahinter tatsächlich verbirgt, ist mir bei der oberflächlichen (Nicht)Betrachtung nicht aufgefallen. Auch hätte ich bei dem Cover und dem Titel nicht damit gerechnet, dass die CD vor allem Stücke aus Opern enthält.

Nun, da ich meine Sichtweise korrigiert und die CD erstanden habe, bin ich zum einen leicht beschämt wegen meines vorschnellen, uninformierten Urteils aufgrund einiger Werbeplakate. Andrerseits froh und zufrieden.

Was mich an der ganzen Sache aber immer noch wurmt, ist Folgendes:
Ich habe Bartoli zweimal in der Philharmonie in Berlin erlebt. Das ist ein wahrlich großer Saal, und trotzdem standen und saßen bei den Konzerten noch viele, viele Leute auf den Treppen und Gängen (ich habe mir sagen lassen, dass es recht unkomplizierte Wege gibt, sich auf ohne Ticket in die Philharmonie hineinzumogeln). Die Frau ist ein Wahnsinnsmagnet.

Das Medientamtam gerade auch um "Mission" war ebenfalls riesig.

Aber warum fällt, wenn sich jemand mit der Breitenwirkung einer Bartoli eines Komponisten wie Steffani annimmt, nicht mehr ab? Hat Wagner Geburtstag, dann stopfen alle Opernhäuser ihre Spielpläne mit Wagner-Opern voll, obwohl Wagner sowieso schon andauernd gespielt wird, und die Labels hauen die fünfhundertste Aufnahme seiner Opern auf den Markt. Warum aber schafft es nicht einmal eine so breitenwirksame CD-Veröffentlichung wie das "Steffani Projekt", dass hier und da mal eine Steffani-Oper aufgeführt oder eingespielt wird? Diese Dynamiken der Klassik- und Opernwelt sind mir unbegreiflich. Ähnliches gilt für Komponisten wie Porpora oder Vinci und Hasse. Alle zwei Monate kommt wieder eine CD mit Arien dieser Komponisten auf den Markt, aber das verschafft ihnen trotzdem nicht den Zugang zu den Opernbühnen oder lädt zu Gesamteinspielungen ihrer Werke ein.

Das finde ich ein ganz klein wenig frustrierend. Irgendwie. Und ich kapier's nicht.
Oder gibt es allenthalben Werke dieser Komponisten auf den Spielplänen und ich sehe sie nur nicht?

17

Mittwoch, 26. Februar 2014, 08:23

Diese Empfindung teile ich. Schon in Düsseldorf, obgleich der Intendatn der Tonhalle sich bemüht hat, ein abwechslungsreiches Repertoire anzubieten, kam doch immer wieder dasselbe auf den Spielplan.
Und in München empfinde ich das als noch viel eintöniger. Und das in einer Stadt mit einem solchen Potential an Publikum.

Man muss eben in der Passion Bachs Passionen spielen. Und zwar jeder Chor. Jedes Jahr. Mit jedem Orchester. Und im Advent gibt's das Weihnachtsoratorium, gewürzt mit dem gelegentlichen Messias. Punkt. Und das Publikum goutiert es.

Aber wenn man im Nachbarforum liest, wie reserviert viele Menschen Neuem gegenüber sind, dann kann man eben nichts machen: wenn man von denen Eintrittsgelder will, muss man eben Beethoven, Brahms und Bach spielen, und am besten immer noch wie Furtwängler oder Karajan. Sonst ist man ein Umstürzler und respektiert die wahrhaft großen Leistungen nicht. Was anders klingt, als man es kennt (und vermutlich liebt), muss falsch sein.

Deshalb spielt halt Gulda rubato und Brautigam kann sich nicht auf ein Tempo festlegen.

Vielleicht, lieber Ulli, liegt es daran, dass ich doch deutlich älter bin als Du, aber im Gegensatz zu Dir bin ich einfach müde, immer mit meinem Geschmack ein Sonderling zu sein. Schon dass ich Klassik höre, grenzt mich gegenüber 80% meiner Mitmenschen ab. Dass ich Mozart nicht mehr aus Plastik mag, wiederum gegen 80% der sonstigen Klassikhörer. Immer in der Defensive.

Menschen mögen nichts Neues. Bartoli, um auf Mordent zurückzukommen, zieht die Menschen an, weil sie seit dem 19.Jahrhundert ihren Massen- und Starkult brauchen (schon Liszt bekam die Unterhosen der Verehrerinnen zugeworfen), aber sich deshalb für neue Komponisten zu öffnen: geh weg! Bartoli ist toll, aber wenn sie nächstens Mal "gute Musik" singt, also Mozart-Arien oder so, dann bringen sich die Zuschauer gegenseitig um, damit sie nur den Konzertsaal von weitem sehen können.

Bisschen früh dieses Jahr für meine Herbst-Depri...
Lucius Travinius Potellus
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Mittwoch, 26. Februar 2014, 11:46

Du spricht aus meiner Seele Travinius... eben habe ich gesehen: Academy of Ancient Music unter der Leitung von Richard Egarr veröffentlicht bald... eine Johannes-Passion (muss ich noch hinzuschreiben von wem?)

Sooo laaangweilig!

Das witzige daran: viele namhafte Dirigenten und Ensembles haben ja ihre eigenen Labels gegründet: Gardiner, Herreweghe nun auch die AAM, usw... und was bringen se raus in ihrer großen Unabhängigkeit? Bachaufnahmen! Na, dann hätten sie auch ruhig bei dem alten Label blieben können... :thumbdown:

LG
Tamás
:wink:
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Mittwoch, 26. Februar 2014, 11:57

Vielleicht, lieber Ulli, liegt es daran, dass ich doch deutlich älter bin als Du, aber im Gegensatz zu Dir bin ich einfach müde, immer mit meinem Geschmack ein Sonderling zu sein. Schon dass ich Klassik höre, grenzt mich gegenüber 80% meiner Mitmenschen ab. Dass ich Mozart nicht mehr aus Plastik mag, wiederum gegen 80% der sonstigen Klassikhörer. Immer in der Defensive.

Lieber Praetor,

ich bin einfach wie ich bin und lasse mir weder vorschreiben, was ich zu mögen habe, noch in welchen Fällen ich mein Maul zu halten habe: ich höre, was ich hören möchte und sage, was ich meine, sagen zu müssen. Ich will damit ja niemanden bekehren, aber es besteht immerhin die Möglichkeit, daß sich der eine oder die andere meiner Worte annimmt und etwas umbesinnt; Du bist da eigentlich (von denen, die ich persönlich kenne) das beste Beispiel für einen weltoffenen Menschen mit Verstand, Humor und Geschmack, der sich nicht scheut, etwas Neues auszuprobieren und sich ggfs. überzeugen zu lassen. Kunst ist für mich nichts Verstaubtes oder Verstaubendes, sondern ein sich ständig aktiv veränderndes "Lebewesen".

Zitat

Aber wenn man im Nachbarforum liest, wie reserviert viele Menschen Neuem gegenüber sind, dann kann man eben nichts machen:

Man kann solche armen Wesen eigentlich nur müde belächeln, zumal dann, wenn sie meinen, in der Kunst unterwegs zu sein. Wer sich Neuem (seien es Erkenntnisse zu alten Werken oder ganz neue Werke) verschließt, hat die Kunst nicht verstanden und auch nicht verdient. Einziger Trost: solche Leute werden niemals ähnliche Freuden erfahren wie die, die man selbst erfährt. Kein Grund für Depressionen.

Zu unseres verzierenden "Schleifers" Thema: Ich bin sicher, daß Veranstalter mit Zugpferden wie beispielsweise der vorgenannten Caecilia Bartoli die Opernhäuser auch mit Opern unbekannter Komponisten voll bekommen; ist ja alles schon dagewesen. Einerseits sind Opernhäuser finanzwirtschaftlich orientiert, was in unserer Welt kaum anders geht: da setzt man lieber auf die sicherer Nummer und gibt zum abertausendsten Male Hänsel und Gretel, weil man weiß, daß das Haus voll wird und die Kosten gedeckt werden. Als logische Konsequenz wuchert es dann in irgendwelchen Regietheaterexzessen aus, was ich keinesfalls verurteile, denn: wie sonst soll man solch ausgeleierte Stücke noch interessant machen? Also lieber das, als in einem Fiasko zu enden, das heute finanziell nicht mehr getragen werden und ggfs. eine Auflösung des Theaters zur Folge haben kann. Ist leider so. Hin und wieder funkelt aber doch so ein Stern durchs Dickicht, z.B. aktuell bei den Karslruher Händelfestspielen (für die ich leider zu spät kam...); Mannheim hatte vor einigen Jahren Alessandro von Francesco de Majo im Programm (war herrlich...)

*flirt*
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Donnerstag, 27. Februar 2014, 07:43

@Travinius:

Ich glaube nicht einmal, dass die Theater Probleme hätten, das Haus mit selten gespielten Perlen vollzubekommen. Ich habe den Eindruck, dass Kritiken, Inszenierungen und Medienkampagnen teilweise eine ebenso große Rolle spielen wie Komponistennamen. Aber ich mag mich täuschen. Zudem habe ich natürlich auch Berliner Verhältnisse vor Augen, wo - so meine Vermutung - dem Standardkram im Vergleich noch relativ viel Abseitiges beigemischt wird. Die Deutsche Oper hier startet zum Beispiel ab der nächsten Spielzeit einen Meyerbeer-Zyklus. Freilich anlässlich des Jubiläums, Aber immerhin. Sogar einen Rameau bekommen wir aktuell in der Komischen Oper.

Aber es wundert mich, dass dennoch gewisse Namen, mit denen eine ganze Reihe von Sängern in den letzten Jahren zig CDs verkauft haben (Porpora, Hasse, Vinci, etc.), einfach nicht auftauchen. In Bremen und - ich glaube - in Frankfurt liefen/laufen in dieser Spielzeit immerhin Orlandos von Vivaldi. Warum war nicht einer von beiden von Steffani oder Porpora? Wobei man ja schon mehr als froh sein muss, wenn Opern von Vivaldi gespielt werden ...

z.B. aktuell bei den Karslruher Händelfestspielen (für die ich leider zu spät kam...)
Oh Mann, ja, das schmerzt mich auch nachhaltig, dass wir es nicht einrichten konnten, uns den Riccardo Primo anzuschauen!

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