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Yorick

gewesener reuß.-plaw. Rath und Landgeist(l)icher

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Dienstag, 17. April 2018, 09:35

The Planets op. 32 (1914-1916)

Wikipedia: Die Planeten
Wikipedia: The Planets

Zitat



Mars, the Bringer of War (1914)
Venus, the Bringer of Peace (1914)
Mercury, the Winged Messenger (1916)
Jupiter, the Bringer of Jollity (1914)
Saturn, the Bringer of Old Age (1915)
Uranus, the Magician (1915)
Neptune, the Mystic (1915)


Zitat

In Mars, the Bringer of War präsentiert Holst eine derart erstaunliche Vision der mechanisierten Kriegführung, dass viele Hörer immer wieder annahmen, das ungestüme Stück sei als Reaktion auf den Ersten Weltkrieg komponiert worden. In Wirklichkeit begann Holst diese Komposition bereits mehrere Monate vor Ausbruch der Feindseligkeiten (wenngleich in der Gewissheit des nahen Krieges). Die breite Öffentlichkeit erfuhr dagegen zum Teil erst Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges vom Grauen der Schützengräben, dem Horror des Gaskriegs, der Ohnmacht gegenüber den ersten Panzerangriffen und Flächenbombardierungen oder auch nur von den tatsächlichen Opferzahlen, die jede Vorstellungskraft sprengten.

Bei Kriegsbeginn wurde deutsche Musik in Großbritannien umgehend verboten und deutsche Musiker verloren aufgrund ihrer Herkunft ihre Anstellung bei Orchestern. Gustav von Holsts Familie stammte ursprünglich aus Schweden, war jedoch bereits zu Anfang des 19. Jahrhunderts nach London emigriert; Holst selbst war in den Cotswolds aufgewachsen. 1914 hatte er eben erst ein Haus in Thaxted in der Grafschaft Essex gekauft, wo ihn die Dorfbewohner jetzt mit einem gewissen Argwohn beäugten. Dieser Konflikt wurde jedoch bald bewältigt, und Holst durfte weiter lehren und komponieren wie zuvor.

Holsts Biograph Michael Short belegte Einflüsse des Feuervogels und der Fünf Orchesterstücke sowie von Ralph Vaughan Williams’ A Sea Symphony auf den Satz Venus, the Bringer of Peace und kommentierte Holsts Neigung dazu, aus eigenen früheren Kompositionen zu zitieren. Nach Venus schrieb er zunächst Jupiter, the Bringer of Jollity, der mit seinen anfänglichen Echos des Jahrmarkts aus Petruschka eine wundervoll ausgelassene Atmosphäre besitzt. Daran schließt sich eine Melodie im Stil des nobilmente-Motivs aus Elgars zweiter Sinfonie an, die er 1921 (unter dem Namen Thaxted) auch für das Lied I Vow to Thee, My Country verwendete und die heute von feiernden Rugby-Fans als Siegeshymne geschmettert wird.

Nach einer kurzen Unterbrechung, während der er einen Chorsatz des Nunc dimittis für den Chor der Kathedrale von Westminster schrieb, nahm Holst 1915 die Arbeit an den Planeten wieder auf. Saturn, the Bringer of Old Age zeichnet das unerbittliche Herannahen des Sensenmanns und die panische Reaktion seines Opfers so schmerzlich-treffend nach, dass mehrere ältere Damen es bei der Uraufführung nicht ertragen konnten und eilends den Konzertsaal verließen.

Uranus, the Magician zeigt Einflüsse von Paul Dukas’ Zauberlehrling sowie – an gewissen, übermütig trampelnden Stellen – von Strauss’ Till Eulenspiegel.

Im Satz Neptune, the Mystic wird durch das Stilmittel einer schrittweisen Ausblendung (das ganze Stück ist pianissimo) der Eindruck erzeugt, dass der Hörer die Grenze des bekannten Universums verlässt und in die dahinter liegende Leere eintritt. Um dies zu unterstützen setzt Holst zudem einen Frauenchor ein, welcher laut Partitur in einem zum Konzertsaal angrenzenden Raum, gut abgeschirmt vom Publikum platziert werden soll. Gegen Ende des Satzes bleiben nur noch Frauenstimmen aus der Ferne über, welche ausgeblendet werden, indem die Tür zu dem angrenzenden Raum langsam und leise geschlossen werden soll.[1]

Es blieb noch Mercury, the Winged Messenger, doch Holst musste die Arbeit an den Planeten zunächst unterbrechen, um seine Japanische Suite für den japanischen Tänzer und Choreographen Michio Ito vom Londoner Coliseum zu komponieren. Er schrieb daher den Satz Mercury, der mit ständig wechselnden Rhythmen und Bitonalität beim Hörer auch heute noch für atemloses Staunen sorgt, erst Anfang 1916.
"Alas, poor Yorick! I knew him, Horatio; a fellow of infinite jest, of most excellent fancy; he hath borne me on his back a thousand times; and now, how abhorred in my imagination it is! My gorge rises at it. Here hung those lips that I have kissed I know not how oft. Where be your gibes now? Your gambols? Your songs? Your flashes of merriment, that were wont to set the table on a roar?"

Yorick

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Dienstag, 17. April 2018, 09:38

Für mich, der ich zum Stück noch nie eine wirkliche Beziehung aufbauen konnte, oberflächlicher Klangbudenzauber ohne Tiefe. Das Werk an sich zu betrachten ist schon deshalb schwer, weil es sich als quasi Filmmusik der reinen Deskription entzieht und durch eine unglaublich reichhaltige Rezeption bereits derart popkulturell überlagert wird, dass die Intention der Musik fast verschwindet. Hierzu muss ich natürlich einschränkend vermerken, dass mir auch bei manchen meiner spätromantisch-halbmodernen Favoriten hin und wieder der Verdacht kommt, dass hier der Klang Selbstzweck wird und nicht wie bei Bruckner und Mahler einem "höheren Zweck" dient.
"Alas, poor Yorick! I knew him, Horatio; a fellow of infinite jest, of most excellent fancy; he hath borne me on his back a thousand times; and now, how abhorred in my imagination it is! My gorge rises at it. Here hung those lips that I have kissed I know not how oft. Where be your gibes now? Your gambols? Your songs? Your flashes of merriment, that were wont to set the table on a roar?"

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Dienstag, 17. April 2018, 17:52

Für "Klangbudenzauber ohne Tiefgang" halte ich es definitiv nicht - wobei ich gar nicht abstreite, daß man hier vergeblich nach dem Sonatenhauptsatz sucht. Holst komponierte vielmehr orchestrale Miniaturen, die einer klaren Konzeption folgen: jeden Planeten musikalisch in seine eigene kulturhistorische Bedeutung einzufassen. Die Musik ist assoziativ und pompös, lebt natürlich von ihrer puren Klanglichkeit. Aber es wäre verfehlt, es nur als oberflächliche Berieselung zu betrachten - Holst gelingt hier das Kunststück, eine unmittelbare Wirkung zu erzielen, ohne jedoch sie analytisch zu zerlegen. Das ist es, was wohl den meisten Reiz ausmacht: Tiefe nicht durch die Durchführung zu ermöglichen, sondern durch eine assoziative musikalische Dramaturgie. Jeder der sieben Miniaturen erzählt eine eigene Geschichte, nur durch Melodie und Harmonie gesprochen.

Das erklärt gewiß auch die filmische Adaption dieses "Klangs", dem Legionen von Filmkomponisten gefolgt sind. Aber die Planeten haben immer noch ihre eigene Identität, weil sie eben nicht für einen bestimmten Film entstanden sind, sondern nur ihrer eigenen Musikalität folgen.

Insofern halte ich diesen Zyklus für etwas Einmaliges.
Unser *opi* nahm *opi*-um - Bumms! fiel unser *opi* um.

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