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Ulli

Ritter vom goldenen Spott

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81

Sonntag, 25. September 2016, 20:32

Bevor es zu „neulich“ wird und ich mich kaum noch daran erinnere:

Opéra national du Rhin, Strasbourg
25. September 2016

Benjamin Britten: The Turn Of The Screw




Warum man jedes Wort des Titels groß schreibt, erschließt sich mir bis heute nicht; aber ich wäre der Letzte, der historische Gepflogenheiten in Frage stellt ... :D

Zudem habe ich stets das Gefühl, irgend etwas falsch zu machen, wenn ich in einem so gut erhaltenen und gepflegten historischen Gebäude moderne Musik höre (dazu zähle ich Britten noch). Aber, was solls...

Die Abendbesetzung:

Nikolai Schukoff: Erzähler / Peter Quint
Heather Newhouse: Gouvernante
Anne Mason: Mrs. Grose
Cheryl Barker: Miss Jessel
Philippe Tsouli: Miles
Odilie Hinderer: Flora

Orchestre Symphonique du Mulhouse
Patrick Davin


Die Vorstellung hat mir roundabaout gut gefallen, wenn auch der sagenhafte Preis von 85 € schon heftig war ... hinzu gesellte sich der Programmheftpreis von schlappen 10 € - allerdings enthält das Heft das komplette Libretto, was ja eher selten anzutreffen ist. Vom Hocker gerissen hat mich die Darbietung allerdings nicht, dennoch hatte sie faszinierende Aspekte; nicht zuletzt, daß mir erstmals der ansonsten so von mir ungeliebte Prolog zu meiner hochgeschätzten Oper mehr als zugesagt hat - ja, ich fand ihn toll und aussagekräftig, wofür ich mitunter Nikolai Schukoff in die Verantwortung ziehe. Alle Darsteller und -innen haben mir ausgesprochen gut gefallen, kein erhebliches Gekreische (die Oper ist sehr Höhenlastig!), alles rund und motiviert, dennoch fehlte irgendwie insgesamt der Zündfunke. Kommt vor - vielleicht war es auch nicht mein Tag, der ohnehin mit allerlei Hindernissen begann und zu implodieren drohte ...

Die Videoinstallationen von Finn Ross waren beeidruckend gut, wenn auch nicht einmalig - irgendwie und irgendwo habe ich das so oder ähnlich schonmal gesehen. Es war also m. E. keine neue Inszenierung, dafür eine extrem gut nachgestellte.

Philippe Tsouli als Miles hat die Stelle, an welcher er auf der Bühne Klavier zu „spielen“ hat, großartig gemimt - Brittens Klaviermusik ist hier nicht gerade einfach und ich würde behaupten, der Bub habe nicht wenig Ahnung vom Klavierspiel; hin und wieder setzte er (resp. das echte Klavier) zu früh, zu spät ein (Sekundenbruchteile), aber die Performance hat gut Eindruck geschunden. Das Orchester hatte einen angenehmen Sound (Reihe 5), tolle Glocken und Pauken und extrem leise flirrende Geigen, so daß ich mich gelegentlich an der istrischen Adria wähnte und den Grillen und Zikaden beim Zirpen zuzuhören glaubte.

Und so schön ist er gestorben; ich hatte mal wieder Tränen in den Augen. ;( Das reicht allemal für 4 von möglichen 5 Punkten.

*yepp*

Vielleicht schreibt meine Begleitung (Arnulfus, der jetzt gerade im Zug nach Hause sitzt) auch noch das ein oder andere dazu.

^^
Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.
W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

Arnulfus

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82

Montag, 26. September 2016, 00:13

kopfgerechtes Kammerspiel

Zitat von »Ulli«

Vielleicht schreibt meine Begleitung (Arnulfus, der jetzt gerade im Zug nach Hause sitzt) auch noch das ein oder andere dazu.

Grippal, mit dickem Kopf bin ich angereist: insofern war es für mich ein >kopfgerechtes Kammerspiel<: es hat mich im Rahmen meiner Möglichkeiten gefordert, wie geschont. Ich habe dieses Werk 3x gesehen, brenne bis jetzt nicht für dieses...versuche das >Kryptische< zu entdecken.

Psychoanalytisch ist es ein hochinteressantes Stück von Henry James (nicht ganz so eine literarische Heldentat wie der "Kohlhaas" von Kleist, der 70 Jahre vor Freud eine literarisch-analytische Sternstunde zur Pathologie des Narzismus geschrieben hat).

Heute abend konnte ich ein sinngebendes Kammerspiel mit "Bühnenmusik" über die Tiefen und Phantasien und seelischen Konstellationen der Protagonisten sehen. DAS hat sich gelohnt, da insbesondere musikalisch auf gutem Niveau musiziert wurde. Der Kitzel fehlte heute abend...vielleicht eben >kopfgerecht<

Arnulfus

palestrina

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83

Montag, 3. Oktober 2016, 09:11

Opéra national du Rhin, Strasbourg, Benjamin Britten: The Turn Of The Screw

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Oolong

84

Montag, 12. Dezember 2016, 10:21

Don Carlo, Zürich, 10.12.2016

Zunächst mal zur Inszenierung an sich:

Musikalische Leitung: Fabio Luisi
Inszenierung: Sven-Eric Bechtolf
Bühnenbild: Rolf Glittenberg
Lichtgestaltung: Jürgen Hoffmann
Choreinstudierung: Ernst Raffelsberger, Janko Kastelic

Besetzung (2016):
Elisabetta: Anja Harteros
Filippo II: René Pape
Don Carlo: Ramon Vargas
Rodrigo, Marchse di Posa: Peter Mattei
Principessa d’ Eboli: Marina Prudenskaya
Il grande Inquisitore: Rafal Siwek

Da es sich um eine Wiederaufnahme des Stückes handelt, anbei mal ein Zeitungsartikel aus dem Jahre 2012:

http://www.nzz.ch/versteinert-vor-angst-1.15435684

Da heißt es:
„So bleibt man am Schluss dieses Premierenabends, …. merkwürdig unberührt.“
Zur Tatsache, dass man „merkwürdig unberührt“ blieb (ging mir zu mindestens sehr ähnlich), vielleicht noch folgendes Video, in welchem der Intendant, Sven-Eric Bechtholf, seine Intentionen zu dieser recht puristisch gehaltenen, aber dennoch sehr beeindrucken Inszenierung, darstellt:

https://www.youtube.com/watch?v=IY5xJ8gx6XU

Da ich eh schon reizüberflutet war („Mein Gott, Peter Mattei!!!!“; „Mein Gott, René Pape!!“; „Mein Gott, Anja Harteros!!“), war ich eigentlich ganz froh, dass man sich auf diesem Wege mehr auf die Künstler konzentrieren konnte und weniger auf irgendeinen überflüssigen Firlefanz.
Zu erwähnen wäre vielleicht noch der beeindruckende „Scheiterhaufen“ in Form eines lodernden Feuers in einem großen Glaskasten, der quer über die Bühne geschoben/ gerollt wurde. Das war schon ein ziemlicher Hingucker. Der Rest, also Hintergrund, sowie Kostüme, waren ja zum Großteil in Schwarz und zum Teil in Schwarz-Gold gehalten.

Vor drei Wochen sah ich „Don Carlo“ übrigens im Theater Bielefeld. Hat mir zwar auch ganz gut gefallen, aber die Inszenierung war mir teilweise etwas zu knall-bunt und schrill. Vor allem die Hofdamen wurden dort dermaßen albern (Champagner schlürfend und kichernd) und zum Großteil in pink gekleidet dargestellt, dass der Prunk und Überfluss der damaligen Zeit wohl ziemlich idiotensicher symbolisiert werden sollte. In Zürich ging man hingegen zur Wurzel des eigentlichen Stückes zurück, wie es Sven-Eric Bechtolf im Video sehr gut beschreibt. Weniger ist manchmal eben doch mehr.

So, nun noch zu einer Begebenheit, die mich regelrecht beflügelt hat!! Ich hatte ja, wie in einem anderen Thread beschrieben, geplant, einen Blumenstrauß für Peter Mattei zu organisieren, was ich dann auch vor Ort umgesetzt habe (war recht teuer, aber lassen wir das mal … denn jeder Cent bzw. Rappen hat sich gelohnt!). Ich gab den Strauß zu Beginn an der Garderobe ab und holte ihn mir in der Pause wieder ab. Da ich die Befürchtung hatte, dass es doch schwierig wird, den Strauß auf die Bühne zu werfen, obwohl ich in der 1. Reihe saß, sprach ich das dortige Personal an. Allesamt sehr nette Damen, mit denen ich mich darüber unterhielt: sie waren sehr hilfsbereit und freuten sich quasi mit mir. Sie meinten, dass es von der Empore aus sehr viel einfacher sei, den Strauß auf die Bühne zu werfen. Dann meinte eine der Damen, sie würde mit mir mitgehen und die dort sitzenden Besucher schon mal vorwarnen, dass ich beim Schlussapplaus von dort aus einen Strauß auf die Bühne werfen möchte. Das war mir zunächst unangenehm, da ich ja Umstände gemacht habe. Es schien aber gar nicht schlimm, denn auch sie waren sehr kooperativ und lächelten sogar verständnisvoll. Puh, da fiel mir ein Stein vom Herzen. Als es dann soweit war, sprintete ich nach oben und, als er seinen Solovorhang hatte, rief ich ihn: „Peeeter!!“ Er hörte nicht. Ich wedelte leicht mit dem Blumenstrauß, was er dann sah. Er schaute hinauf und ich warf … Er ließ den Strauß bewusst zu Boden fallen, was ich aber gut verstehen kann. Er hätte sich ja beim Auffangen irgendwie verletzen können. Der Strauß war nicht ganz leicht. Zwar nicht übermäßig groß (ca. 15 Rosen), aber mit kräftigen Rosen (in rot, rosé und weiß-gelb – mit Grünzeug). Dann hob er ihn auf, drehte sich in meine Richtung und verbeugte sich!! Hach, das war schon mal Gänsehaut pur! Hinterher lief ich dann schnell zum Künstlerausgang, wo so ca. 10, 15 Personen auf „ihre Stars“ warteten. Zunächst kam Anja Harteros. Was für eine tolle Frau! Unheimlich offen, sympathisch und gar nicht divenhaft, wie ich zunächst vermutete. Sie ließ sich fotografieren und hielt ein Pläuschchen mit sämtlichen Fans. Dann kam _er_! Peter Mattei!! Ich drängelte mich vor und sagte nur: „Da muss ich hin, sorry …“ (oder so etwas in der Art). Ist sonst nicht so meine Art, aber ich musste ihn erwischen! Zunächst bat ich um ein Autogramm (Online-Ticket). Dann fragte ich ihn, ob ich ihn – mit meinem Blumenstrauß, den er in der Hand hielt – fotografieren dürfe. Er riss daraufhin die Augen auf: „Oh, it was you!??“ Er strahlte und sagte: „Let me hug you!“ Ich dachte, ich träume!!! Ich glaube, ich sagte so etwas, wie „Of couse …“ oder so. Und wir umarmten uns!! Es war keine kurze Umarmung, nein, er herzte mich richtig!!! Wange an Wange!!!! Eine innige Umarmung mit _meinem_ Star!!! Das hätte ich nie zu Träumen gewagt. Ich muss dazu sagen, dass er der einzige Künstler war, der überhaupt einen Blumenstrauß erhielt. Ich denke, dass er sich auch deshalb so sehr über den Strauß gefreut hat. Wie dem auch sei: es war einfach wunderbar. Danach meinte er noch, dass es wirklich ein sehr schöner Strauß sei und ich durfte ihn dann ja noch fotografieren. Von der Empore aus habe ich ebenfalls noch ein paar Fotos gemacht (die zum Großteil aber etwas unscharf sind). Und nein, ich werde die Fotos hier nicht posten. Da bin ich generell vorsichtig, da ich nicht möchte, dass meine Fotos im Internet verbreitet werden (wäre den Stars gegenüber auch sicherlich unfair, die das ja oftmals nicht möchten). René Pape haben wir, Fans, übrigens leider nicht mehr erwischt. Er soll das Gebäude durch den Haupteingang verlassen haben. Pech … er war absolut großartig! Und auch immer wieder erstaunlich, wie er mit noch so minimalistischer Gestik und Mimik so unheimlich ausdrucksstark sein kann. Einen besseren König von Spanien hätte ich mir nicht vorstellen können.
Es war ein unvergesslicher Abend mit wunderbarer Musik, fantastischer Besetzung und … als Peter Mattei auf der Bühne erschien und anfing zu singen, war ich schon zu Tränen gerührt. Ein inneres Beben überkam mich regelrecht …. Puh! Was für ein Teufelskerl. Ein grandioser Sänger und Schauspieler. Was auch immer er macht, es steckt, wie ich finde, immer 100% Leidenschaft dahinter. Ich hoffe sehr, ihn sehr bald erneut live erleben zu dürfen und lechze nach weiteren Terminen …

Yorick

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85

Montag, 12. Dezember 2016, 15:48

Tausend Dank ...

... für diesen ausführlichen Bericht, den man mit Freuden liest. :) :jubel: :love: Aber nun die Preisfrage: Welcher Satz stach Yorick ins Auge, dass er eine anzügliche Replik plante, diese aber aus Respekt vor der Verfasserin und ihrer fleißigen Arbeit unterließ. 8-) :D
"Alas, poor Yorick! I knew him, Horatio; a fellow of infinite jest, of most excellent fancy; he hath borne me on his back a thousand times; and now, how abhorred in my imagination it is! My gorge rises at it. Here hung those lips that I have kissed I know not how oft. Where be your gibes now? Your gambols? Your songs? Your flashes of merriment, that were wont to set the table on a roar?"

86

Montag, 12. Dezember 2016, 16:34

*hä* Nun hau' schon in die Tasten, Yorick. Heute kann mich eh so schnell nichts erschüttern. Ich befinde mich noch auf Wolke 7. :D *yes* :love:

palestrina

Freispruch für Tosca - Jago soll hängen

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87

Montag, 12. Dezember 2016, 17:04

Ach liebes, ich kann so gut mit dir fühlen, wenn man da steht und seine Star sieht bekommt man keinen gescheiten Satz heraus *shame* , aber mit der Zeit wird das besser. ;)
Ich freue sehr mit dir! :thumbsup:

LG palestrina
„ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
Oolong

88

Montag, 12. Dezember 2016, 17:52

Danke, lieber Palestrina!! Heute gibt' s mal 'nen Bussi. *kiss* :D So nervös war ich eigentlich nicht. Das lag sicher auch daran, dass er so unheimlich sympathisch und herzlich ist. Ich gebe aber zu, dass mich die Umarmung ziemlich beeindruckt hat und ich danach wie in Trance war … :jubel: :love:

Ulli

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Freitag, 16. Dezember 2016, 19:57

Schwetzingen, Rokokotheater, 15. Dezember 2016

Giulietta e Romeo (1796) di Niccolò Antonio Zingarelli (1753-1837)

Mordende Männer sind offenbar out; auch, wenn die Morde „aus Versehen“ geschehen wie später dem Kollegen Giovanni aus Sevilla; so jedenfalls hatte ich den Eindruck vom Publikum, das mich während der gestrigen Vorstellung umgab. Die Inszenierung selbst von Nadja Loschky und Thomas Wilhelm hat mir insgesamt recht gut gefallen; sie orientierte sich stilistisch etwas an Bernsteins „Westsidestory" (Romeo mit Bomberjacke auf schwarzen Strumpfhosen unter gülden glitzernder Boxershorts), wohingegen die übrigen Mitwirkenden in einem an die Renaissance angelehnten modernen Kleidungsstil (überdimensionierte Halskrausen) präsent waren. Das Stück selbst - es dürfte sich m. E. um eine der ersten Vertonungen des Shakespearestoffes handeln? - war musikalisch für 1796 sehr gewagt und kühn: Zingarellis Hang zur Opera Seria war unüberhörbar; man warf ihm gelegentlich vor, musikalisch nicht ganz up to date zu sein: dies kann ich nicht nachvollziehen, mischen sich doch musikalische Ausbrüche mit ein, die mehr als überdeutlich in Rossinis Richtung weisen. Stilistisch wäre dies fünf Jahre früher in Mozarts Zauberflöte oder Tito noch undenkbar gewesen. Man tat und tut Zingarelli hier sehr unrecht. Die Musik hat mich auch keine einzige Sekunde gelangweilt: sie war immer am Geschehen nah dran, beeindruckte mit reinen Männerchören (die ich sehr liebe und die hier oftmals an Glucks Alceste erinnerten) und war sehr abwechslungsreich.

Kangmin Justin Kim als Romeo hatte vielleicht nicht seinen besten Tag, nichtsdestotrotz ist die Person auf der Bühne phantastisch, präsent, spielerisch und ein gelungenes Crossover aus historischen Gesten und modernem Strassenjungen. Seine Stimme hat mir immerhin zwei, drei Mal Gänsehaut bereitet und die ein oder andere Träne entlockt. Allerdings gab es auch Stellen, die mich weniger beeindruckten und bei denen ich seine Unvorsichtigkeit bemerkte; ganz ausgereift ist das noch nicht, dafür aber beeindruckend und viel Zeit zur Reifung bleibt nicht mehr, wenn man gleichzeitig als junger Stöpsel auf der Bühne herumquirlen möchte. Das Publikum gab ihm auch selten Zwischenapplaus, dafür war der Schlußapplaus umso gerechter.

Zunächst wenig beeindruckend empfand ich Giuliettas vibratösen Gesang, der aus der Kehle von Emilie Renard an meine Ohren drang; im Verlauf des Stücks hat sich dies deutlich gebessert; sie konnte allerdings mit Rinnat Moriahs Matilda nicht mithalten - die Frau ist einfach genial und war für mich - neben JKK und Giuliettas Vater (Everardo, Nicolas Scott) - die Stimme des Abends. Terry Wey verkörperte den überaus psychopathisch wirkenden Gilberto (so eine Mischung aus Massenmörder und Kaya mit blonden Haaren ... ich würde ohne einen Gedanken zu verschwenden unvermittelt die Straßenseite wechseln, würde ich so eine Person in Sichtweite haben - hier war es Zingarelli sei Dank bloß die Bühne).

Das philharmonische omi-Orchester Heidelberg spielte immerhin historisch informiert korrekte kurze Vorschläge (mein Herz glühte!) und war im Continuo mit einem Hammerflügel angereichert, welcher sowohl die Arien/Ensembles als auch die Rezitative/Scenen mit harfenesken Klängen garnierte. Die Hörner dürften Naturhörner gewesen sein und deren Inhaber noch teils ein wenig ungeübt; ich oute mich nicht zum ersten Mal als Hornkiekslover ... Felice Venenzoni (die vivaldische Lockenpracht zu einem Pferdeschwanz gefasst durch das hintere Loch einer schwarzen Kappe geschraubt) hatte die Seinen fest im Griff.

Ein für mich geradezu wunderbarer Opernabend - ein Licht im Dunkel dieser beschissenen Jahreszeit.

:love: :jubel: *kiss*
Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.
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Yorick

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90

Mittwoch, 21. Dezember 2016, 15:30

"Faust" im DNT Weimar

Ich weiß nicht, wie viele Faust-I-Inszenierungen ich in meinem Leben gesehen habe; privat mit den Eltern früher, später allein oder mit Freundin; natürlich als verantwortlicher Deutschlehrer mit Schulklassen. An die 20 können wohl zusammenkommen und heute mit 10ern war wohl der Tiefpunkt erreicht; statt klassischer Theaterkultur nur noch lustloser Klamauk. Und das im Herzen der deutschen Klassik. Traurig ...

P.S. Hier, weil wir keinen Schauspiel-Thread haben ...
"Alas, poor Yorick! I knew him, Horatio; a fellow of infinite jest, of most excellent fancy; he hath borne me on his back a thousand times; and now, how abhorred in my imagination it is! My gorge rises at it. Here hung those lips that I have kissed I know not how oft. Where be your gibes now? Your gambols? Your songs? Your flashes of merriment, that were wont to set the table on a roar?"

91

Mittwoch, 4. Januar 2017, 07:50

Nachdem wir letzte Woche in der Zauberflöte der Berliner Staatsoper (im Schillertheater) waren, habe ich hier ganz eifrig den Thread zu den opi-Einspielungen der Zauberflöte aufgesucht. Um Weihnachten 2013 hatte ich ja die inzwischen megaerfolgreiche Zauberflöte in der Komischen Oper gesehen, deren Inszenierung ich enttäuschend fand, aber immerhin war es ein Genuss, dem Orchester zuzuhören. Freilich nicht opi, aber durchaus von hip inspiriert und entsprechend frisch, durchsichtig, mitreißend.

In der Staatsoper war es nun gerade umgekehrt: Eine hinreißende, wenn auch nicht innovative Inszenierung, aber musikalisch ein Rein- wenn nicht Durchfall. Die Staatskapelle hat sich uninspiriert und schwerfällig durch die Ouvertüre vibriert, da war dann schon der Ton für den Abend gesetzt. Sängerisch gab es keine großen Höhepunkte, dafür ein paar Ärgernisse, allen voran die zweite Arie der Königin, deren Koloraturen nur mithilfe krasser Temposchwankungen über die Bühne gebracht werden konnten und dazu noch einem munteren Roulette glichen: mal ein Treffer, mal keiner ...

Überhaupt: wie verkatert! Die drei Damen beim ersten Auftritt quatschig, und wenn ich schon mal höre, dass die Intonation nicht stimmt, dann gute Nacht. Und sollte man meinen, dass Orchester und Sänger bei "Ein Mädchen oder Weibchen" durchgehend klappern können? Und in jeder Strophe erneut an derselben Stelle aneinander vorbei musizieren?

Die Pamina hat Ordentliches geliefert, der Sprecher war famos, und geschnurrt hat es eigentlich immer nur dann, wenn die drei Knaben dem ganzen Ensemble mit ihrer Punktgenauigkeit den Marsch geblasen haben. Oh, nie hätte ich gedacht, dass Sarastro und Orchester bei den Heiligen Hallen klappern könnten ....

Allein die hübsche Inszenierung und diese irrsinnig schöne und spannende Musik Mozarts hat uns dazu gebracht, nicht in der Pause zu gehen. Und jetzt muss ich mir dringend die Christie-Einspielung besorgen und mir den Jacobs mal eingehender anhören.

Yorick

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92

Samstag, 11. Februar 2017, 08:32

Mozart: "Zauberflöte" in der Semperoper Dresden (5. Februar 2017)

Eigentlich ausverkauft erstand ich im Hilton noch zwei zurückgegebene Karten; Bestplatz, Reihe 12 im Parkett mittenmang, für schlappe 110 Euro pro Nase, was nach Adam Ries 220 Mäuse zusammen macht; was hinwiederum trotz allem ein stolzer Preis ist, wie ich finde. Die Semper-Oper wie stets ein ästhetisches und emotionales Ereignis; ich war eigentlich mit jeder meiner LAGs wenigstens einmal dort, weil der Ort einfach verzaubert und sicher auch einer Elbphilharmonie immer noch den Glanz stehlen kann; aber das mag Ansichtssache und eine Geschmacksfrage sein. Uns erwartete eine zauberhafte Inszenierung mit schlichtem, unveränderlichem Bühnenbild; zu große Türen aus Pappmaché, possierliche possenreißende Knaben, die schon vor der Vorstellung auf der Bühne Faxen machten, alles ein wenig clownesk; später aber mir ätherischen Stimmen verzaubernd. Überhaupt nur überzeugende Sängerleistungen; leider habe ich das Programmheft noch bei meiner Guten liegend; also ergänze ich sie später. Aber die Protagonisten verfügten allesamt über das der jeweiligen Rolle angemessene Stimmpotenzial; selbst die an diesem Tage kürzestfristig für die erkrankte Königin der Nacht eingesprungene Russin (?) machte einen hervorragenden Job: Während sie bei ihrer ersten großen Arie noch nicht ganz in die Höhen kam, bewältigte sie die Rachearie mit Bravour, wenn auch ein wenig eng und gepresst. Aber ihre Artikulation und Intonation fand ich stark, wohl der Nichtmuttersprachlerin geschuldet und im Grunde ein wenig verschenkt in dieser Rolle.

Und dennoch: So mitten im 2. Akt überkam mich ein eigenartiges Gefühl, nicht der Langeweile oder Leere; aber doch ein wenig des Überdrusses. Ich musste an die Bemerkung unserer Newbie69 kürzlich denken, die schrieb, sie habe es bislang nicht geschafft, sich auch nur eine einzige Inszenierung komplett anzuschauen. Das schien mir unverständlich, weil die Musik doch über jeden Zweifel erhaben ist und ich die Oper als erste überhaupt live erlebt habe und auch als ersten Tonträger (Klemperer mit Gedda) einer Oper besaß. Aber ganz ehrlich, es ist mir noch nie so aufgefallen wie letzten Sonntag, dass aber auch nicht eine Figur wirklich konturiert ist; wenn wir einmal von Papageno als Menschen und Monostatos als einziger tragischer Gestalt absehen; nicht eine Wendung der „Handlung“ wirklich motiviert und das Ende schließlich gar absurd übereilt albern anmutet. Da sind die drei Da-Ponte-Opern doch von anderem Kaliber, will ich meinen. Aber sei`s drum; allein die Bläser der Staatskapelle sind jeden Cent wert; wenn man die voll tönend nebst den Ohren auch über die Poren aufnimmt, wellen Gänsehäute im Akkord und man wünscht sich Bruckner ins Programm.
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Samstag, 25. Februar 2017, 19:02

The Story of Semele HWV58

Badisches Staatstheater Karlsruhe, 25.02.2017

Trailer

Semele: Jennifer France
Jupiter, Apollo: Ed Lyon
Ino: Dilara Baştar
Juno: Katharine Tier
Athamas: Terry Wey
Cadmus, Priester: Edward Gauntt
Iris: Hannah Bradbury
Somnus: Yang Xu
Cupid: Ilkin Alpay

Deutsche Händelsolisten
Christopher Moulds


Wäre ich hauptberuflich Journalist und müsste jetzt etwas dazu schreiben, hätte ich ein Problem ... oder zwei ... oder drei. Dieses Operatorium hat ja durchaus ein paar nette Arien und Effekte, aber insgesamt ist das Sujet eher langweilig und vor allem -atmig. Mir fehlt eine vernünftige (bestenfalls: bahnbrechende) Aussage und kompositorisch war Händel für meinen Geschmack auch schonmal geiler drauf. Eine brauchbare Aussage konnte auch der Regisseur Floris Visser für mich nicht auftischen, die Inszenierung jedoch hat das Werk an sich für mich gerettet. Ich kann mir kaum vorstellen, daß Händel - wie es bei Wikipedia heißt - das Werk nie szensisch aufgeführt hat: wer hat diese unendlichen Längen mit sich ständig wiederholenden Fragestellungen und ohne die händeltypischen „Reißer“ ausgehalten?

Die Inszenierung hat den z.T. überdeutlich sexistisch anspielenden Text (der von Master Händel so auch in Musik gesetzt wurde) nochmal verbildlicht, ansonsten galt es die Bühne zu drehen, was das Zeug hält (was wäre das Staatstheater ohne seine Drehbühne?) und auf den berühmten Clinton-Blow anzuspielen. Naja, nicht störend. Wenn ich mit meiner Vermutung, daß Visser sich etwas von Sellars Glyndebourne-Theodora abgeschaut hat, recht behalten hätte ... so war das nur überflüssige Dekoration. Die Musiker waren alle gut drauf und in Form, herausstechend waren klanglich der britische Tenor Ed Lyon als Juppy und der chinesische Bassbariton Yang Xu (Morpheus). Aber wirklich begeistert, wie offenbar der überwiegende Teil des anwesenden Publikums, bin ich nicht nach Hause gegangen: ich bin bekanntlich weder Freund noch Feind des Regietheaters, aber das hier dargebotene war mehr oder weniger einfallslos und unausgereift zusammengeklatscht. Der zu Beginn erfreulich wirkende Einfall, Jupiters Blitze als Blitzlichter von Reporterkameras darzustellen, hat auf die Dauer der Stückes (2 Stunden, (wie immer: zu kurze) Pause, anderhalb Stunden) echt abgenervt.

Für Händel und die internationalen Karlsruher Händelfestspiele, die ich seit einigen Jahren regelmäßig heimsuche, das bislang uninspirierteste Stück. Der große Kick hat einfach gefehlt.

*hä*
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Ulli

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Montag, 27. Februar 2017, 18:08

Cosí

əʇʇnʇ uɐɟ

Freiburger Konzerthaus, 26. Februar 2016, Rolf-Böhme-Saal

Robin Johannsen, Fiordiligi | Sopran
Sophie Harmsen, Dorabella | Mezzosopran
Christian Senn, Guglielmo | Bariton
Mark Milhofer, Ferrando | Tenor
Sunhae Im, Despina | Sopran
Marcos Fink, Don Alfonso | Bariton

Vokalakademie Berlin
Freiburger Barockorchester



René Jacobs


Heimspiel für das Freiburger Barockensemble. Erstkontakt für mich mit dem Freiburger Konzerthaus und erstmalig live auch das Barrique Barockorchester. Schon ein beeindruckender multifunktioneller Bau mit leider nicht besonders hervorzuhebender Akustik. Von meinem Sitzplatz aus (mittig, Parkett, Reihe 32) blieb die Musik da, wo sie herkam: weit entfernt auf der Bühne; insgesamt auch ein zu weicher Klang, extreme Trockenheit, beinage Gluthitze nach der Lüftungspause, dennoch war alles ganz gut hörbar. Die Darbietung war konzertant mit szenischen Bewegungen der Darsteller. Bis auf die quirlige Sunhae Im und den berühmten Markos Fink waren mir die übrigen Teilnehmer völlig unbekannt: Despina machte auch zweifelsfrei das Rennen, Alfonso hielt bodenständig die Seile fest in beiden Händen und alle übrigen passten sehr gut in ihre Rollen und waren durchaus fähig, Stürme der Begeisterung auszulösen. Ein sicher nicht unlösbares Problem stellte die Übertitelung dar, welche von herabhängenden Deckenlampen behindert wurde, so daß diese meist schlecht erkennbar war (für mich kein Problem, da ich das Libretto ganz gut kenne, aber für potentielle Mitleser sicher nicht sonderlich ertragreich).

Eine nette unvorhersehbare Untertitelung gab ein recht junges (beide ca. 20 Jahre neu) Liebespaar ab; sie: engelslange, blonde Haare; er mit modischem Strubbelkurzhaarschnitt, dunkel - dauernd am kuscheln, Kleidung tauschend, sich aneinander schmiegend und wohl nicht recht wissend, wie und warum sie in diesen Konzertsaal teleportiert worden waren ...

Jacobs war quirligen Tempos unterwegs; keine Temporückungen und Vollbremsungen wie man dies von seinen neueren Mozartproduktionen leider gewohnt ist; ein „Aussetzer", der später im auf SWR2 auszustrahlenden Mittschnitt möglicher Weise zu hören sein wird, hatte rein darstellerische Hintergründe (vielleicht wird diese die Nurhörer irritierende Pause heraus geschnitten?). Mir sind keine Patzer aufgefallen, gelegentlich gab es kleinere Auszierungen bei den Solopartien, die Felsenarie wie immer ein Hit, jedoch für mich von „Per pietà, ben mio, perdona" (ebenfalls Fiordiligi) eindeutig in den Schatten gestellt. Ferrandos oftmals ausgelassene Arie „Ah! Io veggio, quell'anima bella" erklang und entfaltete ihren instrumentalen und harmonisch kühnen Zauber. Wie gut unser Matthias den Dirigenten karikiert hat, wurde mir erst gestern klar: keine wilden Gestikulationen, keine ruckartigen Bewegungen, ständig wie unter Valium stehend mit augewinkelten Armen wabernd ... selbst die Rezitative dirigierend.

Das Fortepiano machte mit witzigen Einfällen auf sich aufmerksam - so erklang zwischendurch passagenweise die sogenannte „Sonata facile“ (KV 545) und gelegentlich wurden Motive der vorausgehenden Arie aufgenommen und in das anschließende Rezitativ eingewoben. Auffallend gut herausgearbeitet waren die parodistischen Teile der Oper, das „Giusto ciel!" im Finale II war so stark an die Opera seria gemahnend wie es 222 KV-Nummern früher im Idomeneo-Finale als „Scenda Amor!" erklingt (oder auch Idomeneos Arie „Fuor del mar").

Standing ovations rundeten die beste der vier da-Ponte-Opern (seine „vierte“ ist für mich Vicente Martín y Solers „Capricciosa corretta", 1795) rechtmässig ab.
Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.
W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

Ulli

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95

Donnerstag, 2. März 2017, 18:19

Der Kritiker Johannes Adam (Badische Zeitung) war offenbar auch recht angetan.
Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.
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Yorick

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Samstag, 23. September 2017, 09:40

Leonard Bernstein Candide

"Alas, poor Yorick! I knew him, Horatio; a fellow of infinite jest, of most excellent fancy; he hath borne me on his back a thousand times; and now, how abhorred in my imagination it is! My gorge rises at it. Here hung those lips that I have kissed I know not how oft. Where be your gibes now? Your gambols? Your songs? Your flashes of merriment, that were wont to set the table on a roar?"

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Sonntag, 24. September 2017, 21:01

Eine knappe Stunde wirklich gut, dann über zwei Stunden horrormäßige Langeweile.

Von der Inszenierung her oder die Musik betreffend? Bei letzterem könnte man sonst Abhilfe schaffen, in dem man Lennys Candide mit Humpelflincks HuG mischt: 1. Akt: Candide, 2 .Akt: HuG. Dann wäre das für beide Werke ausgeglichen.

*juck*
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Montag, 25. September 2017, 06:08

Eine knappe Stunde wirklich gut, dann über zwei Stunden horrormäßige Langeweile.

Von der Inszenierung her oder die Musik betreffend? Bei letzterem könnte man sonst Abhilfe schaffen, in dem man Lennys Candide mit Humpelflincks HuG mischt: 1. Akt: Candide, 2 .Akt: HuG. Dann wäre das für beide Werke ausgeglichen.

*juck*

Ich versuche das später auszuführen.

P.S. *lol* *yepp*
"Alas, poor Yorick! I knew him, Horatio; a fellow of infinite jest, of most excellent fancy; he hath borne me on his back a thousand times; and now, how abhorred in my imagination it is! My gorge rises at it. Here hung those lips that I have kissed I know not how oft. Where be your gibes now? Your gambols? Your songs? Your flashes of merriment, that were wont to set the table on a roar?"

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Heute, 15:01

ALCINA, Karlsruhe, 24.02.2018

Layla Claire, Alcina
David Hansen, Ruggiero
Aleksandra Kubas-Kruk, Morgana
Benedetta Mazzucato, Bradamante
Alexey Neklyudov, Oronte
Carina Schmieger, Oberto
Nicholas Brownlee, Melisso

Händel-Festspielchor
Deutsche Händel-Solisten

Musikalische Leitung: Andreas Spering
Regie: James Darrah

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Da Publikum durfte eine überaus überzeugende, herrlich leidende und zweifelnde Alcina erleben; regelrecht gefeiert werden - und das zu Recht - durfte Morgana: welch beglückende Momente! Ruggiero alias David Hansen war nicht besser oder schlechter als der derzeitige Durchschnitts-Counte. Die übrigen Beteiligten waren meist überdurchschnittlich gut, das Orchester - wie immer - top, Sperings dirigat frisch und glaubwürdig in allen Bereichen. Der leider selten zu hörende Chor hat mir auch überaus gut gefallen, hervorstechend waren die ebenfalls selten zu hörenden Hörner, der Lautenist und die Blockflöten.

Die Inszenierung war nicht langweilig trotz des Umstandes, daß man als Gast stundenlang auf das Gleiche Bild starrte, das aber mit tollen Licht-Schatten-Effekten und gelegentlichen Videoeinspielungen sich im Prinzip ständig veränderte und der jeweiligen Stimmung anpasste.

Roundabout ein gelungener Abend, für mich vielleicht sogar der schönste bislang bei den Händelfestspielen (aber lange noch nicht der beste!).

Die Länge der beiden Pausen war diesmal etwas angemessener, nicht so hektisch wie sonst, wenn man Rauchen, WC-Besuch, Smalltalk und Drink unter einen Hut bringen möchte.

Sehr, sehr schade für Hermann, daß er nicht teilnehmen konnte, aber ich habe kurzfristig würdigen Ersatz finden können.

Einige Eindrücke wurden hier hinterlegt:



:wink:
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