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Freitag, 13. März 2015, 06:00

Musik am Hofe Friedrich II. "der Großen"

Friedrich der Große ist heute als Musenkönig verklärt. Eine Art Kumpelkönig, geprägt von den Darstellung der 1930er und 1940er Jahre Otto Gebührs. Doch natürlich entspricht dieses Zerrbild keinesfalls der Realität. Als Jugendlicher begeistert von der Oper und der Musik, Anhänger der Aufklärung und den Schriften Voltaires, hatte er mit der Erlaubnis seines Vaters einen wirklichen Musenhof in Rheinsberg installiert. Aber der Thronfolger verwandelte sich direkt nach dem Tod seines tyrannischen Vaters in einen noch schlimmeren Despoten und Menschenfeind, der ganz Europa mit seinen Angriffskriegen in Brand steckte.

Auch für die Kunst bedeutete dies Stillstand, Neuerungen wurden nicht mehr geduldet und die Bösartigkeit des Königs mag in Bachs "Kunst der Fuge" vielleicht am eindrücklichsten dokumentiert sein. Johann Sebastian Bach wurde eingeladen um seine Improvisationskunst vor dem König zu präsentieren. Denn der Sohn, Carl Philipp Emanuel Bach war Hofcemablist des Königs und er dürfte maßgeblich für den Ruf seines Vaters gesorgt haben und die daraus resultierende Neugier.
Das lapidar hingeworfene Thema des Königs war keinesfalls eine Idee seiner Majestät und schon gar nicht lapidar. Adorno hatte die These aufgestellt, dass es eine Komposition CPE Bachs gewesen sein soll - dies würde auch zur durchtriebenen und bösartigen Persönlichkeit des Königs passen: Er benutzt den Sohn um den Vater zu demütigen: Denn dieses Thema - so simpel es erstmal wirken mag, ist eine besondere Leistung, es eignet sich kaum für die Improvisation oder für eine Verarbeitung als Fuge.
Und genau darum ging es, den Bachs einen Dämpfer zu verpassen. der Vater schaffte es eine 3-stimmige Fuge zu improvisieren, die vom König danach verlangte 6-stimmige Improvisation konnte er jedoch nicht umsetzen und bat sich Bedenkzeit aus. Friedrich hatte triumphiert.
Dies erklärt auch wieso Bach auf das "Musikalische Opfer" dem König mit einer Widmung schickte, niemals eine Antwort erhielt - wozu auch, die Schlacht war längst gewonnen.

Das musikalische Opfer ist heute auch das Werk überhaupt, wenn man an Musik für Friedrich II. denkt, doch diese Werksammlung ist stilistisch meilenweit von dem entfernt, was der König zu hören wünschte.



J.S.Bach: Das Musikalische Opfer
Le Concert des Nations - Jordi Savall


Für mich die Aufnahme, Savall eben.


Was der König wirklich zu hören verlangte, sollen die folgenden CD-Empfehlungen umreißen.



Concert in Sanssouci
The Hannover Band - Roy Goodman


Vielleicht die beste Auswahl an verschiedenen Werken. Die Sinfonia von Kirnberger, das Oboenkonzert von CPE Bach und das G-Dur Konzert von Quantz sind mittlerweile schon recht bekannt. Hinzu kommen 2 Opernarien von Carl Heinrich Graun.



Friedrich II. Flötenkonzerte & Sinfonien
Kammerorchester CPE Bach - H.Hähnchen


Zwar keine "Period" Aufnahme, aber dennoch ganz gu - zumindest die derzeit beste Aufnahme um Kompositionen des Königs kennenzulernen.
Dass seine Majestät selbst komponierte ist ja bekannt, dass er dies auch auf einem guten Niveau konnte, zeigen diese Werke - beeindruckend die Länge der beiden Flötenkonzerte, die damals sicher noch mit zusätzlichen Improvisationen bereichert wurden.



Music at the Court of Friedrich II.
Collegium Musicum 90 - S.Standage


diese Aufnahme vermittelt vielleicht am besten, wie die abendlichen Konzerte im Schloss Sans, souci. gewesen sein mögen.
Kammermusikalische Besetzung, die Flöte als entrales Instrument mit Werken seiner Majestät, Quantz, Benda, J.G.Graun und CPE Bach.



Friedrich der Große
Akademie für Alte Musik Berlin


der Beitrag der Akademie für Alte Musik Berlin zum Friedrich-Jahr 2012. Eine Auswahl von großartigen Orchesterwerken vom Berliner Hof.
Das Programm umfasst eine mitreißende Ouvertüre mit Allegro in a-moll von J.G.Graun, ebenfalls in moll steht das Clavier Concerto von Nichelmann - da Friedrich die modernen Claviere liebte, wird hier auch ein Fortepiano statt einem Cembalo eingesetzt.
Auch die "Sonate pour Potsdam" aus der Feder seiner Majestät steht in moll, ebenso wie das Gambenkonzert von J.G.Graun.
Nur die Sinfonie No.1 von CPE Bach steht im strahlenden D-Dur mit durchaus tragischen Untertönen.
Eine großartige Aufnahme !



Abendmusik auf Schloss Rheinsberg
Berliner Barock Compagney


Kammermusikalisch wird hier die musikalische Abendunterhaltung mit Werken von Quantz, CPE Bach, Schaffrath und Czarth heraufbeschworen. Die Werke haben alle "arkardischen Caharkter" und lassen die Unbeschwertheit der damaligen Zeit erahnen.



Johann Gottlieb Graun: Konzertante Musik für Viola da Gamba
C.Coin - Ensemble Baroque de Limoges


Als Friedrich II. die Graun-Brüder aus Hannover mitbrachte, hat er sicherlich einen Glücksgriff getan, wärend Carl heinrich Graun großartige Opern schrieb, war sein Bruder Johann Gottlieb ein Meister für Instrumentalmusik.
die hier vorgestellten Werke konzentrieren sich auf die Gambe - ein Instrument das zu jener zeit fas schon aus der Mode war.



J.G.Graun: Concerti
Il Gardellino


Das Ensemble Il Gardellino hat hier eine repräsentative und verdammt gut gemachte Auswahl an verschiedenen Konzerten getroffen.



J.G.Janitsch: Berliner Quartette
Il Gardellino


Janitsch war schon in Rheinsberg Hofmusiker bei Friedrich, seine Musik ist völlig dem Stil der Empfindsamkeit verpflichtet. Diese Quartette sind keine Streichquartette im klassischen Sinn, sondern kammermusikalische Werke für Flöte oder Oboe.



Fiery and Sublime
Ricordanza


Auch diese Aufnahme folgt dem bisher gezeigten Stil - es gibt keinen anderen am Berliner Hof - und das bis zum Tod des Königs, was viele Musik auch veranlasst dem preussischen Hof den Rücken zu kehren.
Auch hier steht die Flöte im Zentrum.



Doch es gibt eben nicht nur den vermeintlichen Musenhof in Potsdam - der Krieg war das Geschäft des "großen Königs" und so ist auch relativ viel Militärmusik erhalten geblieben. Wer an typische Marschmusik denkt, wird hier ettäuscht sein, oder angenehm überrascht - je nachdem wie man dazu steht:



Altpreussische Militärmusik
Musikcorps der Bundeswehr


Einer der wenigen Versuche die Militärmusik des 18. Jahrhunderts annähernd historisch zu spielen.
Die meisten Märsche werden von einem Oboenensemble gespielt, so wie es damals auch üblich war - und auch die typische Besetzung Trommeln und Pfeifen kommen zum Zuge.
Ein Großteil der Regimentsmärsche werden gespielt, Hauptgewicht liegt auf dem Infanterierregiment No.12 "Erbprinz Hessen-Darmstadt" da der spätere Landgraf Ludwig IX selbst Militärmusik komponierte, sind auch zahlreiche Signale von diesem Regiment erhalten geblieben.
Auch die prächtigen Fanfaren für die Kavallerie der preussischen Armee sind hier zu hören. Für Trommel und Pfeife sind die Märsche und Signale des Infanterie-regiments No.6 herangezogen worden, dass unter dem Vater Friedrichs, dem Soldatenkönig größten Ruhm genoss: dem ehemaligen "Königsregiment" besser bekannt als die "langen Kerls.
Gerade auch für Historiker eine interessante CD.



Carl Heinrich Graun: Montezuma, Opera Seria 1755
Deutsche Kammerakademie - J.Goritzki


Das Libretto dieser Oper stammte vom König selbst. Er nahm auch großen Einfluss an den Kompositionsarbeiten.
Nicht selten kam es vor, dass der König ganze Seiten aus der Partitur der für ihn komponierten Oper riss, weil sie ihm nicht zusagten.
Dann gab es zusätzlich noch das Verbot an die Kastraten die Arien willkürlich auszuzieren - nur das was in der partiur stand, durfte gesungen werden.
Montezuma ist eine Opera Seria im Stil Hasses, etwas anderes ließ der König nicht zu. Graun machte das Beste aus diesen Schranken und Schuf ein Werk, ganz der Empfindsamkeit verpflichtet und mit einigen bemerkenswerten Momenten.
Die Interpration der Kammerakademie ist solide - an HIP angelehnt.
Sex, Drugs & Jean Baptiste Lully


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Mittwoch, 1. April 2015, 06:06

Johann Sebastian Bach - II

Ostern ist Passionszeit, Grund genug an dieser Stelle meine bevorzugten Einspielungen mit Werken Bachs zu posten.


Von der Matthäus Passion möchte ich zwei Aufnahmen nennen, denn beide halte ich für wichtig und für extrem unterschiedlich:



J.S.Bach: Matthäus Passion
Collegium Vocale & Chapelle Royale - P.Herreweghe


Herreweghes Bach Interpretationen trafen von Anfang an meinen Geschmack, eine Innigkeit ohne Übertreibung zieht sich wie ein roter Faden durch alle seine Aufnahmen. Die Stärke dieser Aufnahme sind vor allem die wunderbaren Sänger, Howard Crook, Barbara Schlick, Peter Koy...und natürlich der großartige Chor.
So himmlisch hat dieses monumentale Werk sicherlich nicht bei der Aufführung zu Lebzeoten Bachs geklungen.


Gustav Leonhardt versucht mit einer kompromislosen und fast herben Interpretation dem Original möglichst nahe zu kommen:


J.S.Bach: Matthäus Passion
La Petite Bande - Tölzer Knabenchor - Gustav Leonhardt


Nie habe ich das Werk in so einer Interpretation erlebt - es ist karg, protestantisch - statt auf Starsolisten zu setzen, übernehmen Mitglieder des Knabenchores einige Arien - das mag nicht jedem gefallen, dürfte aber den damaligen Aufführungsumständen ziemlich nahe kommen - und die Jungs schlagen sich nicht schlecht.



von der Johannes Passion muss ich sogar drei Aufnahmen nennen:



J.S.Bach: Johannes Passion
The English Baroque Soloists - J.E.Gardiner


Es ist die HIP Standart Einspielung, rundum gelungen, hervorragende Sänger, toller Chor und tadeloses Orchester.
Wer noch keine Aufnahme in historisch informierter Spielweise besitzt, sollte hier zugreifen.



J.S.Bach: Johannes Passion
La Chapelle Rhenane - Benoit Haller


Benoit Haller ist mir durch seine Schütz Aufnahmen sofort aufgefallen - und ähnlich krass geht er auch an Bach heran - so dramatisch, rhythmisch und mitreißend habe ich das Werk in KEINER anderen Aufnahme erlebt. Die Aussprache ist perfekt - und die Gestaltung der Rezitative sind so bildhaft und einnemend, dass man nicht mehr aufhören kann zuzuhören - die Johannes Passion war schon immer mein liebstes Werke von J.S.Bach, Haller hat dies mit dieser -absolut opernhaften - Einspielung nochmal bekräftigt.
ganz großartig.



Aber genau dieses Opernhafte wurde schon damals Bach zum Vorwurf gemacht, und so existiert eine zweite Fassung der Johannes Passion, die heute nicht so bekannt ist:



J.S.Bach: Johannes Passion, Version von 1725
Collegium Vocale & Chapelle Royale - P.Herreweghe


Viele bekannte Chöre und Szenen fehlen hier - das wird erstmal enttäuschen, so auch der ergreifende Eröffnungschor "Herr unser Herrscher" die Aufnahme lohnt sich trotzdem, denn die Szenen wurden durch andere ersetzt und die herrliche Interpretation nimmt ohnehin sehr ein.





Das Kantatenwerk
Amsterdam Baroque Ensemble - Ton Koopman



Ja ich habe es mir angetan, die Gesamtaufnahmen von Harnoncourt, Gardiner, Richter und Leusnik durchzuhören, und eben auch Koopman.
Und diese Gesamtaufnahme war es dann auch, die mich am meisten begeistert hat. Es würde an dieser Stelle zu weit führen auszubreiten, welche großartigen musikalischen Schätze sich unter diesen vielen Werken befinden. Koopmans Bach Interpretationen liebe ich - und so haben mich auch diese Aufnahmen sofort begeistert.
Der hohe Anschaffungspreis war es allemal wert - eine Anschaffung fürs Leben an der man ewig Freude haben wird und ohnehin für Jahre beschäftigt ist sich in diese unglaubliche Musik zu stürzen.
Einzig die Aufmachung der Box und des Bookletts hätten bei dem Preis wesentlich edler und besser sein müssen.
Sex, Drugs & Jean Baptiste Lully


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Montag, 19. Oktober 2015, 19:53

Johann Sebastian Bach III

im dritten Teil meiner Bach-Empfehlungen widme ich mich den Klassikern für Kenner und dementsprechend auch heftig umstrittene Werke in Sachen Interpretation.
Wie immer sind auch diese Empfehlungen höchst subjektiv.




Johann Sebastian Bach: Die 6 Suiten BWV 1007 - 1012
Anner Bylsma (Violoncello 'Stradivarius' Servais )


Johann Sebastian Bach: Die 6 Suiten BWV 1007 - 1012
Paolo Pandolfo (Viola da Gamba)


Die 6 Suiten für Violoncello, unter dessen Titel die Werke gemeinhin bekannt sind, gehören heute zum Kernrepertoire der klassischen Musik und gelten als heiliger Gral für Cellisten. Es gibt sehr viele Aufnahmen und alle sind höchst persönliche Interpretationen, die auch alle ihre Berechtigung und ihren Reiz haben - keine Aufnahme gleicht wirklich der anderen.
Auch wenn ich alte Spielweisen und historische Instrumente bevorzuge, bin ich durchaus auch gefangen von Interpretationen eines Rostropovich. Hier möchte ich jedoch zwei Aufnahmen nennen, aus der historisch Aufführungspraxis, die mich sehr begeistert haben und meinem geschmacklichen Vorstellungen sehr entsprechen.

Die erste von Anna Bylsma folgt der gängigen Praxis und er interpretiert die Suiten auf einem Violoncello. Jedoch handelt es sich hier um ein ganz besonderes Instrument, das Stradivari 'Servais', natürlich mit Darmsaiten. Allein deswegen ist hier schon ein ganz besonderer Klang zu erwarten. Er spielt ohne Allüren und ohne allzu große Aggressivität, sondern versucht nur die Musik sprechen zu lassen, das Vibrato wird als reine Verzierung verwendet, wenn es notwendig erscheint.

Die andere Aufnahme mag die Kenner aufregen, weil man sich hier anmaßt ein anderes Instrument zu verwenden. Doch wahrscheinlich waren die Suiten im Ursprung wohl genau für die Gambe gedacht.
In der frühesten Abschrift (Kellner) ist geschrieben für "Viola da Basso" - und es wird nach wie vor darüber gestritten, was damit eigentlich gemeint war. In Frankreich wird die Gambe Basse de Violon genannt (...). Zudem sind die Suiten wohl in bachs Köthener Zeit entstanden, und der Fürst bei dem Bach in Diensten stand, war ein begeisteter Gambenspieler.
Die spätere Abschrift von Magdalena Bach nennt das Violoncello. Wahrscheinlich wurden die Suiten für das neue Modeinstrument arrangiert.
Paolo Pandolfo spielt also die wohlbekannten Suiten auf der Gambe - und eröffnet dadurch eine völlig neue Perspektive auf diese Werke - der Bogen zu den französischen und deutschen Gambisten wird auf einmal deutlich.




Johann Sebastian Bach: 3 Sonaten für Viola da Gamba und Cembalo
Jordi Savall (Viola da Gamba) Ton Koopman (Cembalo)

Da ich nun mal ein großer Liebhaber der Viola da Gamba bin, dürfen auch die Sonaten für Gambe nicht fehlen. Diese Sonaten sind auch häufig mit Violoncello gespielt worden - aber auch hier, greife ich ausschließlich zum originalen Instrumentarium.
Die Aufnahme, es ist ganz sicher schon eine fast historische, ist mir besonders ans Herz gewachsen. Es ist eine alte EMI Reflexe Aufnahme, mit zwei Großmeistern ihres Fachs: Jordi Savall und Ton Koopman.
Die einmalige Stimmung dieser wunderbaren Aufnahme wurde für mein Empfinden nie wieder erreicht (auch nicht in der 2. Aufnahme des Duos in neuerer Zeit).




Johann Sebastian Bach: Sonatas & Partitas BWV 1001 - 1006
Amandine Beyer (Barockvioline)

So wie die 6 Suiten für die Cellisten als heiliger Gral der Musik gelten, so sind es die Partiten (inklusive der Ciaconna) für die Violinisten.
Beide Zyklen sind aufgrund der Tatsache, dass das Instrument ohne Begleitung zu spielen ist, von besonderer Bedeutung.
Die Partiten erinnern stark an die älteren Werke eines Johann Paul von Westhoff oder eines Johann Jacob Walter. Beyer hat es geschafft mich mit ihrem Spiel wirklich einzunehmen, sie spielt auf dem Nachbau einer Barockvioline und lässt keine Wünsche offen - man vergisst fast, dass es nur eine einzige Violine ist, so farbenprächtig ist ihr Spiel.
Das Hauptwerk die große Ciaconna ist natürlich auch der Höhepunkt der Aufnahme.




Johann Sebastian Bach: die Lautenwerke
Lutz Kirchhoff (Barocklaute & Theorbe)

Bachs Lautenwerke sind zwar z.T. "nur" Bearbeitungen (BWV 1006a ist identisch mit der Partita für Violine 1006 )
Doch ist diese herrliche Aufnahme trotzdem unverzichtbar für mich.
Lutz Kirchhof hat mit größtem Können die teils unspielbaren Passagen (Bach war eben kein Lautenist) kongenial umgesetzt.
Kirchoff wechselt zwischen Barocklaute und Theorbe.
Bach von der besten Seite.




Johann Sebastian Bach: Das wohltemperierte Clavier I
Ralph Kirkpatrick


Johann Sebastian Bach: Das wohltemperierte Clavier II
Ralph Kirkpatrick


Auch hier wird immer wieder gestritten, auf welchem Instrument diese Ansammlung von Präludien und Fugen in zig verschiedenen Tonarten zu spielen sei. Heute wird meist der Flügel - oder eben das Cembalo bevorzugt, wahrscheinlich dachte Bach aber eher an das Clavichord.
Das besondere an diesem Werkzyklus ist die praktische Umsetzung einer Theorie einer konsequente Stimmung des Instruments um in möglichst allen Tonarten spielen zu können. Und Bach reizte diese Möglichkeit auch aus - was diese Sammlung auch so reizvoll und einmalig in der Musikgeschichte macht:
Denn die Zeitgenossen komponierten kaum in den außergewöhnlichen Tonlagen, Bach demonstrierte auf diese Weise die Eignung der wohltemperierten Stimmung zum Komponieren und Spielen in allen Tonarten. Somit ist das Wohltemperierte Clavier ein regelrechter Meilenstein der Musikgeschichte.

Aufnahmen gibt es zahlreiche, ich habe jedoch hier eine für Clavichord ausgesucht. Durch dieses leise und intime Instrument ist diese geniale Musik und Bach als Urheber so intensiv präsent, wie auf keinem anderen Instrument. Ralph Kirpatrick spielt sensibel und sehr geschmackvoll, die Aufnahme ist schon etwas älter, aber immer noch eine Besonderheit.
Sex, Drugs & Jean Baptiste Lully


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Mittwoch, 28. Oktober 2015, 14:01

Johann Sebastian Bach IV

Im vierten Teil meiner Bach-Empfehlungen widme ich mich u.a. einigen besonderen Kantaten



Concerts avec Plusieurs Instruments
Café Zimmermann


Egal welche Aufnahmen man von den Orchesterwerken bereits besitzt, diese muss auch einfach dazu. Es ist eine herausragende Interpretation die nochmal durch die die ungewöhnliche Zusammenstellung an Reiz gewinnt.
Auf den 6 CDs sind folgende Werke in bunter Mischung zu hören:

die 6 Brandenburgischen Konzerte
die 4 Orchestersuiten
die Cembalokonzerte BWV 1052 / 1055 / 1056 / 1061 / 1063 / 1064 / 1065
die Violinkonzerte in a-moll und Es-Dur
das Konzert für 2 Violinen in d-moll
die Konzerte für Hautbois d'amour BWV 1055 / BWV 1053
das Konzert für Oboe und Violine BWV 1060
das Konzert für Flöte, Violine und Cembalo BWV 1044

Jede CD ist als abwechslungsreiches Konzert konzipiert, in einer fabelhaften, flotten, nie gehetzten, glasklaren und nahezu perfekten Interpretation. Der erdige Klang der alten Instrumente, so gekonnt gespielt, ist einfach ein Ereignis.
Im Prinzip sind auch alle wichtigen Orchesterwerke hier versammelt - und man wird schwerlich bessere Aufnahmen der etwas weniger bekannten Werke finden.



Johann Sebastian Bach: Bauern- und Kaffeekantate
The Academy of Ancient Music - Hogwood


Mit Sicherheit einige der bekanntesten Werke Bachs, und zum sonst eher vorherrschenden humorlosen, eher vergeistigten übrigen Werk mal Ausnahmen mit heiterer Note. Die Kaffeekantate, korrekt als "Schweiget stille, plaudere nicht" BWV 221 ist eine weltliche Kantate auf einen Text von Picander. Im Gegensatz zu den anderen weltlichen Kantaten wird hier jedoch weder auf Mythologie und Allegorie zugegriffen, sondern sie schildert einen Zwist zwischen dem Vater, Herr Schlendrian und seiner Tochter Liesgen. Hier wütet der Vater gegen die Tochter und der Unsitte jeden Tag Kaffe zu trinken.

Die Bauernkantate, korrekt "Mer hahn en neue Oberkeet" (Wir haben eine neue Obrigkeit) BWV 212, schrieb Bach 1742. Der Text stammte wieder von Picander. Der kurfürstlich-sächsischer Kammerherr, der Erb-, Lehn- und Gerichtsherr Carl Heinrich von Dieskau feierte auf dem Rittergut Kleinzschocher bei Leipzig seinen 36. Geburtstag. Zu diesem Anlass sollten die Bauern ihm eine Huldigung zukommen lassen.
Die Kantate wurde wohl auf Anregung Picanders (der den Kammerherren als direkten Vorgesetzten hatte) mit Bach verwirklicht - und ist wie so vieles in Bachs Schaffen singulär in der Musikgeschichte.

Interpretiert werden die beiden heiteren Kantaten durch Emma Kirkby und David Thomas und die Academy of Ancient Music mit Christopher Hogwood. Im Gegensatz zu den vielen anderen Aufnahmen, hält sich hier der Akzent der Sänger doch ganz angenehm in Grenzen, viel wichtiger ist jedoch die natürliche, eher ungekünstelte Art des Gesangs. Angenehme Tempi, Transparenz und die gewohnte Qualität der Academy machen andere Aufnahmen (Collegium Aureum, Tafelmusik) praktisch überflüssig



Johann Sebastian Bach: Cantatas Profanes
Akademie für Alte Musik Berlin - RIAS Kammerchor - R.Jacobs


Was wäre wenn.... Bach doch eine Oper geschrieben hätte ?
Rene Jacobs schafft es mit den Kantaten "Der Streit zwischen Phoebus und Pan" BWV 201, "Der zufrieden gestellte Aeolus" BWV 2015 und "Herkules auf dem Scheideweg" BWV 213 die ohnehin sehr opernhafte Sujets besitzen, genau diese kompositorische Lücke zu füllen.
Die 3 Kantaten erfüllen dabei die Funktion von Akten, zusammengestellt in der Art eines Akt-Pasticcios, wie z.B. oft anzutreffen im frz. Opera Ballet.

Die Interpretation aller Beteiligten ist schlicht atemberaubend, und diese Aufnahme gehört vielleicht zu den Besten die René Jacobs je geglückt ist. Diese Kantaten, einst als Huldigungsmusiken für Fürsten und Prinzen geschrieben, sind wie bei damaligen "Gebrauchsmusiken" üblich (wie sie häufig abwertend genannt werden), von besondere Qualität und Opulenz und stechen sicher aus dem Gesamtschaffen Bachs heraus.




Johann Sebastian Bach: Kantaten für Bass
Peter Kooy - La Chapelle Royale - P.Herreweghe



Es sind wahrscheinlich die 3 bekanntesten Solokantaten Bachs.
"Ich habe genug" BWV 82
"Ich will den Kreuzstab gerne tragen" BWV 56
"Der Friede sei mit Dir" BWV 158

Es ist eigentlich meine liebste Aufnahme mit Bach Kantaten.
Die Stimme von Peter Kooy zog mich sofort in ihren Bann, und über die wunderbare Begleitung von Herreweghe und der Chapelle Royale braucht man kaum noch Worte verlieren.
Akzentfrei, ein angenehmes Timbre und eine wirklich herzzerreißende Interpretation.



Johann Sebastian Bach: Magnificat BWV 243 / Kantate "Eine feste Burg ist unser Gott"
Collegium Vocale- La Chapelle Royale - P.Herreweghe



Ja schon wieder Herreweghe, aber er gehört zu meinen liebsten Interpreten von Bachs Musik.
Hinzu kommen die Solisten, die einfach keine Konkurrenz haben: Howard Crook, Barbara Schlick,, Agnes Mellon, Peter Kooy, Gerard Lesne - allein dieses Sängerensemble ist schon Kaufgrund genug gewesen, dazu die Chapelle Royale und das Collegium Vocale unter der Leitung von Herreweghe - was will man mehr ?
Die Interpretation erfüllt alle Erwartungen.
Für mich gibt es keine bessere Aufnahme des Magnificat BWV 243
Sex, Drugs & Jean Baptiste Lully


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Dienstag, 17. November 2015, 05:42

Johann Sebastian Bach V


J.S.Bach: Die Goldbergvariationen
Andreas Staier


Einer Anekdote, die vom Bach Biograph Nikolaus Forkel überliefert ist, verdankt die 1741 im Druck erschienene "Clavier Ubung bestehend in einer ARIA mit verschiedenen Verænderungen vors Clavicimbal mit 2 Manualen" ihren späteren Titel "Goldbergvariationen":

Angeblich soll der russische Botschafter Carl Graf von Keyserlingk unter Schlaflosigkeit gelitten haben, sein Cembalist Johann Gottlieb Goldberg, ein Schüler Bachs, sollte ihm in seinen schlaflosen Nächten mit dem Cembalo unterhalten. So erging der Auftrag .... doch diese Anekdote ist wohl ins Reich der Legenden zu verabschieden:
Hätte Bach dieses Werk dem Grafen Keyserlingk gewidmet, so wäre auch die schriftliche Widmung und Huldigung in den Druck gegangen. Noch schwerer wiegt jedoch, dass J.G.Goldberg 1741 gerade einmal 13 Jahre alt war.
Wahrscheinlicher ist, dass dieses Werk der IV. Teil der Clavierübung darstellt.
Das Werk hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Musikalischen Opfer, auch hier steht ein Thema zu Beginn, über das Bach dann Variation über Variation schreibt und vielleicht eine Ahnung davon gibt, wie Bach zu Lebzeiten improvisierte, bzw was barocke Improvisations- und Variationskunst bedeutete.

Meine Lieblingsaufnahme, von Andreas Staier. Er überzeugt durch ein nicht zu aggressives Spiel und sein sehr angenehm klingendes Cembalo: Nachbau eines originalen Cembalos (Baujahr 1734) von Hieronymus Albrecht Hass von Anthony Sidey.
Ein Instrument das fast schon zu zarten clavichordartigen Tönen fähig ist und dann wieder mit aller Pracht und Wucht daherkommt.




J.S.Bach: Die Goldbergvariationen (Arragement Dimitri Sitkovetsky)
Britten Sinfonia, Thomas Gould


Hierbei handelt es sich um ein Arrangement der Goldberg-Variationen für Streicherensemble.
Eine Bearbeitung von Dimitri Sitkovetsky für Streichertrio, die noch mal für ein mittelgroßes Streicherorchester erweitert wurde.
Würde ein richtige Barockensemble spielen, wäre das Ganze sicher noch reizvoller - aber durch die modernen Instrumente wird auf der anderen Seite betont, dass es sich um ein zeitgenössisches Arrangement handelt.
Es ist auch völlig egal - die Goldbergvariationen auf diese Weise zu erleben, ist nicht nur extrem reizvoll, sondern einfach ein Erlebnis.
Die Britten Sinfonia bemüht sich um einen sehr transparenten Klang, verzichtet auf Vibrato und romantischen Schwulst und spielt im Prinzip historisch informiert.



J.S.Bach: Die Französischen Suiten
Blandine Rannou


Bach kannte und beherrschte den französischen Stil, das beweisen nicht nur die 4 Orchestersuiten, die Suiten für Violoncello (Viola da Basso = Viola da Gamba) sondern auch diese 6 Suiten, die er in französischer Sprache als "Suites pour le clavessin" benannte.

Wie in Frankreich üblich werden Suiten für kammermusikalische Kompositionen nie mit einer Ouvertüre eröffnet, sondern stets mit einer, an Improvisation anmutenden, Prélude.
Bach geht jedoch noch einen weiteren Schritt zurück und wählt als Eröffnung die Allemande, wie dies bei vielen Cembalosuiten der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts üblich gewesen ist (Froberger, Chambonnières...)
Danach folgen die Tanzsätze, bei Bach in strenger konservativer Ordnung, die Suiten werden allesamt mit einer Gigue beschlossen - was ebenfalls eine traditionelle Regel war. Wie bei den Suiten für Violoncello verzichtet er auch hier auf die in Frankreich damals so beliebten freien Charakterstücke, dort oft mit oft phantasievollen Namen bezeichnet, und konzentriert sich allein auf die Tanzsätze.
Doch diese vielen Tanzsätze sind alles andere als konventionell.

Blandine Rannou spielt auf einem herrlichen Cembalo, eine Kopie von Anthony Sidey, nach einem Original von Ruckers-Hemsch.
Sie legt eine rundum gelungene Interpretation vor - keine unangenehmen Extravaganzen, hörbarer, französischer esprit, und Geschmack.



J.S.Bach: Die Kunst der Fuge
Hesperion XXI -Jordi Savall


Der Titel dieser Sammlung von Fugen stammt von Bachs Schüler und Schwiegersohn, Johann Christoph Altnikol, Nikolaus Forkel schrieb über den Sinn dieses Werks „was möglicher Weise über ein Fugenthema gemacht werden könne. Die Variationen, welche sämmtlich vollständige Fugen über einerley Thema sind, werden hier Contrapuncte genannt

Wie so oft bei Bachs Werken, und hier noch mehr, reden sich die Musikwissenschaftler die Köpfe heiß, für welche Instrumente diese Sammlung gedacht war - oder ob es gar nur theoretisches Material gewesen sei. Wahrscheinlich ist auch, dass diese Sammlung als Teil V. der Clavierübung Verwendung finden sollte, hätte er sie beenden können.

Jordi Savall hat einen ganz anderen Ansatz, er sieht die extrem konservative Kompositionen und ihre Parallelen mit Werken von Scheidt, Frescobaldi, Froberger.... und instrumentiert mit ebensolchem Instrumentarium wie in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts üblich gewesen.
Das mag musikhistorisch völliger Quatsch sein, denn viele der Instrumente waren um 1740, als das Werk entstand, längst aus der Mode und vergessen. Und doch ist es diese Aufnahme, diese Interpretation die mich bisher musikalisch am meisten überzeugte (was nicht unerheblich an meinem Faible für die Musik des 17. Jahrhunderts hängt.)
So wird man an die altenglischen Consorts erinnert, an frühen Sonaten eines Gabrieli oder Marini.
So erklingen Gamben, Schalmeien, Posaunen... und mir ist keine andere Aufnahme bisher untergekommen, bei der eine solche Transparenz erzielt wird, so dass die unterschiedlichen Stimmen, die Kontrapunktik so gut zur Geltung kommt.
Aber das Wichtigste, rein von der musikalischen Seite, ist es einfach sehr farbig, abwechslungsreich und stimmungsvoll.




J.S.Bach: Orchestralsuites for a Young Prince
Ensemble Sonnerie - Monica Huggett


(bitte die dämliche amazon Rezension ignorieren, die Aufnahme ist großartig - sonst würde ich sie hier nicht listen - und für die Dummheit eines Kunden und die fehlende Fähigkeit des Lesens was auf dem Cover steht, kann Monica Huggett nun wirklich nichts)

Zurück zu dieser Aufnahme:
Sie wagt den Versuch, nach den Forschungsthesen eines Rifkin, Rampe u.a. die Suiten in ihrer möglichen Urfassung zu spielen.
Das bedeutet, die 2. Suite erklingt nun in a-moll und als Soloinstrument erklingt nun eine Oboe: das Ergebnis ist phantastisch - das ist der originale französische Stil !
Auch wird noch eine Kleinigkeit berichtigt, aus der Badinerie wird eine Battinerie (ein wohl uralter Schreibfehler) und verändert damit auch völlig den Charakter dieses abschließenden Stücks. Auch wird in der Kürze des Bookletts sehr logisch erklärt, wieso Bach wohl die Suite für Traversflöte umschrieb. Ein tolles Experiment, das mich zumindest absolut überzeugt !
Auch die Suiten 3 und 4 wurden auf ihren möglichen Ursprung zurückgeschnitten - das mag nicht jedem gefallen, aber es ist doch sehr plausibel und reizvoll: In erster Linie sind die Trompeten und Pauken gestrichen. Die Suiten verlieren dadurch natürlich ihren pompösen Charakter, gewinnen aber gleichzeitig mehr Eleganz und Esprit zurück.
Eine Aufnahme die sicher kein Alleinstellungsanspruch erhebt, aber eine extrem interessante Alternative zu den bekannten Werken und Interpretationen darstellt und dadurch viel Spaß macht.
Tolle Aufnahme !




J.S.Bach: Trio Sonatas
Rare Fruits Council - Manfredo Kraemer


Es erklingen die Werke:

BWV 527
BWV 1029
BWV 1030
BWV 1037
BWV 1044

Hier handelt es sich um Arrangements und Parodien - für eine typisch barocke Kammermusikformation. Bemerkenswert ist der doppelt besetzte Bass im Orgel und Cembalo.
Das Boocklett klingt ein wenig nach Rechtfertigung - dafür gibt es keinen Grund, alles im Rahmen der barocken Praxis, wunderbares Arrangement und Interpretation.



J.S.Bach: Violinkonzerte
The English Concert - T. Pinnock


Von diesen Konzerten herrscht, wie bei den meisten Werken Bachs, kein Mangel an Aufnahmen. Ich kenne sicherlich auch nicht alle, jedoch die meisten mit alten Instrumenten.
Die Aufnahme mit dem English Concert ist mir doch immer noch die liebste.
Simon Standage spielt die 1. Violine, Elizabeth Wilcock die Zweite.
Sex, Drugs & Jean Baptiste Lully


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Dienstag, 17. November 2015, 07:36

Christoph Willibald Gluck

Gluck gilt als der große Opernreformer, doch außer seinem "Orfeo" sind kaum Werke von ihm einem breiteren Publikum bekannt.
Mittlerweile sieht es auf dem Plattenmarkt recht gut aus, so, dass man sich auch von dem großartigen Schaffen dieses großen Komponisten ein umfassendes Bild verschaffen kann.




Christop Willibald Gluck: La Clemenza di Tito, Opera Seria 1753
L'Arte del Mondo - Werner Erhardt


Es ist einfach aufregend diesen völlig anderen Gluck zu erleben - noch hat er die Ideen der Opernreform nicht umgesetzt. Sein Tito ist ganz im Zeitgeist der Empfindsamkeit geschrieben und eine reine Opera Seria - und die Oper hat eine Beachtliche Länge: 4 Stunden ! So benötigt diese großartige Aufnahme auch 4 CDs. Erfreulicherweise sind nur wenige Striche bei den Rezitativen gemacht worden - man kann also das Werk im Grunde in seiner Gänze erleben - und Tito ist ein Meisterwerk, bei dem sich das auch lohnt.



Christop Willibald Gluck: Don Juan 1761
Tafelmusik - Bruno Weil


Glucks berühmte Ballett-Pantomime, damals in Zusammenarbeit mit dem Choreographen Noverre entstanden, leitete seine Ambitionen für eine gründliche Reform der Bühnenwerke ein.
Don Juan ist ein reines Handlungsballett - nur Musik, keine Texte, keine Chöre.
Zuerst verspottet, doch dann gefeiert. Der Furientanz des Balletts wurde später von Gluck für seine frz. Fassung des Orfeo adaptiert.
Die Aufnahme des Ensembles Tafelmusik lässt keine Wünsche offen und ist konkurrenzlos.




Christop Willibald Gluck: Orfeo ed Euridce, 1762
Michael Chance, Nancy Argenta, Stefan Beckerbauer
Kammerchor Stuttgart
Tafelmusik - Frieder Bernius


Es gibt neuere Aufnahmen, doch keine fesselte mich so sehr wie diese Aufnahme - und sie wird wohl auch zukünftig ohne Alternative bleiben.
Michael Chance als Orfeo ist perfekt besetzt, die klagende, etwas weinerliche Stimme von Chance passt zu dieser Partie, die jugendlich klingende Nancy Argenta vermittelt den Liebreiz den Euridice wohl besessen haben muss. Als Amore setzt Bernius einen Knabensopran ein, so wie auch von Gluck gewünscht.
Somit ist diese Aufnahme auch an den damaligen Aufführungsgegebenheiten am nächsten dran. Hervorragend der Stuttgarter Kammerchor und das Ensemble Tafelmusik.
Die ganze Radikalität der Partitur wird ausgeleuchtet und



Paride ed Elena, 1770
Magdalena Kozená, Susan Critton
Gabrieli Consort & Players - Paul McCreesh


Glucks 3. Reformoper in italienischer Sprache.
Dieses Meisterwerk ist heute fast völlig vergessen, dabei stellt es den Abschluss der Bestrebungen Glucks dar, die italienische Opera Seria zu reformieren: Die Radikalität des Orfeo ist hier natürlich nicht mehr so brachial zu spüren, aber das Werk ist musikalisch dichter, Chöre und Ballett fügen sich symbiotisch in das Gesamtgefüge und Arien von unerhörter Schönheit begeistern von der ersten bis zur letzten Minute.




Gluck: Iphigenie en Aulide, 1774
J.E.Gardiner


Gluck schrieb zwei Opern mit Iphigenie im Titel, es kommt daher auch schnell zu Verwechslungen.
Anders als beim Orfeo sind die beiden "Iphigenien" gänzlich unterschiedliche Werke.
Diese erste Iphigenie wurde zur Krönungsoper der beiden jungen französischen Monarchen.
Marie Antoinette hatte sich dafür eingesetzt, dass Gluck nach Paris kam, Antoine Dauvergne als Chef der Academie Royale wurde zum größten Unterstützer Glucks. Es war auch die erste Oper, die in Paris von Gluck gespielt wurde - und nach anfänglicher Irritation während der Aufführung wurde das Wagnis mit tobendem Applaus belohnt - man sah in dieser Oper ein Zeichen, dass vielleicht mit den beiden neuen Monarchen auch eine neue Epoche anbrechen würde.
Dauvergne gab bei Gluck 5 weitere Werke in Auftrag - diese Werke sollten die französische Musikgeschichte für immer verändern: die frz. Fassungen von Orfeo ed Euridice und Alceste, dann "Armide" auf das Libretto Quinaults, das einst Lully vertonte - damit ein Frontalangriff auf die frz. Operntradition und schließlich sein radikalstes Werk "Iphigenie en Tauride".
"Echo e Narcisse" seine letzte Oper für Paris war hingegen ein Misserfolg.

Leider gibt es von der 1. Iphigenie noch keine Aufnahme auf historischen Instrumenten, dies ist aber im vorliegenden Fall zu verschmerzen, da das Ensemble unter Gardiners Leitung eine hervorragende Interpretation gelungen ist.




Christoph Willibald Gluck: Orphée edt Eurydice, 1774
Richard Croft, Mireille Delunsch, Marion Harousseau
Les Musiciens du Louvre - Marc Minkowski



Orphée et Eurydice, also die frz. Fassung des Orfeo von 1762 unterscheidet sich massiv von der früheren Version. Die Rolle des Orfeo ist nun nicht mehr für einen Kastraten eingerichtet, sondern für einen Tenor. Zudem wurden Arien hinzugenommen und weitere Ballette.
Im gleichen Jahr arrangierte Johann Christian Bach den Orfeo von 1762 für die Mailänder Oper. Leider gibt es von dieser Fassung keine offizielle Aufnahme - denn auch diese Bearbeitung ist extrem reizvoll, da Bach sämtliche reformatorische Radikalität zurücknimmt.
Bei dieser Fassung kann man nur von einer Traumbesetzung sprechen, sowohl was die Sänger als auch Chor und Orchester anbelangt.




Christoph Willibald Gluck: Alceste, 1776
Ann Sophie von Otter
The Monteverdi Choir - The English Baroque Soloists - John Eliott Gardiner


Glucks dramatischste Oper, er hat selbst bedenken, dass das Werk zu finster sei.
Da auch noch generell Bedenken bestanden, wie das Publikum reagieren könnte, vertonte er nicht Quinaults Text zu Lullys gleichnamiger Oper, sondern nahm die Dichtung von François Gand-Leblanc du Roullet, deren italienische Übersetzung einst Calzabigi für die erste Alceste (Wien, 1767) anfertigte.
Und in der Tat ist diese Oper düster, wuchtig und extrem dramatisch - aber das wa zugleich auch das Erfolgsrezept.
Auch hier kann man nur dankbar sein, für dieses großartige Ensemble unter der Stabführung Gardiners.



Christoph Willibald Gluck: Armide, 1777
Mireille Delunsch
Les Musiciens du Louvre - Marc Minkowski


Gluck riskierte hier Kopf und Kragen, denn er vertonte hier ein regelrechtes Nationalheiligtum, das Libretto zu Lullys "Armide" von 1686, das nach wie vor als Ideal der frz. Oper galt. Viele Komponisten hatten es gewagt die Libretti von Quinault, die einst für Lully geschrieben wurden, neu zu vertonen. Das Publikum strafte diese Anmaßung dermaßen, dass im Prinzip die Karriere des "Ketzers" für beendet erklärt wurde. Es ist Glucks reinste Tragèdie Lyrique, und das Werk ist besonders reizvoll, wenn man auch das große Vorbild kennt.
Auch hier wieder eine Traumbesetzung.




Gluck: Iphigenie en Tauride, 1779
Mireille Delunsch
Les Musiciens du Louvre - Marc Minkowski


Glucks vorletzte große Oper für Paris und auch seine radikalste.
Das Werk ist Marie Antoinette gewidmet.
Gluck wirft hier alle Konventionen über den Haufen: Ouvertüre ? Nö es geht direkt los mit einer brachialen Sturmszene und einem dramatischen Chor.
Auch die weitere Oper ist dramatisch, Intrigen, ein fast vollzogenes Menschenoper, eine Kerkerszene, Orakelszene, Traumszene, selbst eine Schlacht - also alles was die barocke Oper so zu bieten hat. Die Handlung ist straff, aber fesselnd und das antike Drama wird so zum Leben erweckt.

Und auch hier wieder das Team unter Minkowski mit Mireille Delunsch in der Hauptrolle.
Sex, Drugs & Jean Baptiste Lully


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Mittwoch, 25. November 2015, 06:14

Wolfgang Amadeus Mozart I

Instrumentalmusik

Mozarts Werke poste ich hier nach Möglichkeit nur in Aufnahmen mit historischen Instrumentarium.



W.A.Mozart: Complete Clavier Sonatas
Arthur Schonderwoerd


Mozarts Claviersonaten sind vielleicht seine intimsten Werke überhaupt, und es gibt viel zu entdecken. Diese Aufnahmen mit Schonderwoerd haben alles in den Schatten gestellt, was bisher zu haben war - nicht nur weil er sich an das hält, was wirklich in der Partitur steht, sondern weil hier auch ausschließlich Instrumente der Zeit verwendet wurden, verschiedene Fortepianos und auch Clavichord.



W.A.Mozart: Sonaten für Violine und Clavier
Rachel Podger (Violine) Gary Cooper (Fortepiano)


Auch hier bewirken die alten Instrumente und die gekonnte Spielweise, dass man diese Werke gänzlich neu erlebt und davon auch mitgerissen wird.



W.A.Mozart: Cembalokonzerte / Clavierstücke
Le Concert Française - Pierre Hantaï


Eine besondere Aufnahme, Mozarts frühesten Clavierkonzerte auf Cembalo und passendem Ensemble. Dazu noch seine frühesten eigenen Kompositionen, ebenfalls auf Cembalo zu hören und phantastisch von Pierre Hantaï gespielt.



W.A.Mozart: Klarinettenquintett
Quatuor Mosaiques


Das berühmte Klarinettenquintett - gespielt auf einer echten Bassettklarinette und begleitet von dem genialen Quatuor Mosaiques - ein Genuss von der ersten bis zur letzten Minute - eine der besten Mozart CDs überhaupt!



W.A.Mozart: Streichquartette
Quatuor Mosaiques


Für mich sind die Aufnahmen des Quatuor Mosaiques mit den Streichquartetten und Quintetten Mozarts unerreicht. Elegant, kernig und ohne Makel.



W.A.Mozart: Eine kleine Nachtmusik / + Salzburger Sinfonien (Divertimenti)
Drottningholm Baroque Ensemble


Für mich die beste Aufnahme aller Werke. Die Aufnahme ist ein wirklicher Glücksfall.
Der besondere Reiz macht auch das Cembalo im Continuo für die 3 Divertimenti aus, bei der kleinen Nachtmusik hat man darauf verzichtet. Unwahrscheinlich guter transparenter Klang, mit herrlichen Instrumenten.



W.A.Mozart: Serenade 'Grand Partita'
Zefiro


Das Ensemble setzt sich aus historischen Holzblasinstrumenten zusammen - ein Klang den man mit modernen Instrumenten niemals erreicht. Und so wird man auch dieses altbekannte Werk so erleben, als sei es das erste Mal.



W.A.Mozart: Klarinettenkonzert / Oboenkonzert
The Academy of Ancient Music - C.Hogwood


Für mich die schönste Aufnahme des Klarinettenkonzerts (auch hier wird eine echte Bassettklarinette verwendet) Der gewohnt elegante und warme Klang der Academy passt hervorragend dazu.



W.A.Mozart: Violinkonzerte
Simon Standage - The Academy of Ancient Music - C.Hogwood


Auch hier wieder die Academy unter Hogwood. Simon Standage ist natürlich ein Glücksfall, wunderbar elegant, ohne Makel und Extravaganzen.



W.A.Mozart: Kirchensonaten
The King's Consort - R.King


eher unbekannte Werke - aber zu unrecht, die "Epistle Sonatas" sind fast kleine Sinfonien für Orchester - nur mit dem Unterschied, dass die Orgel eine größere Rolle spielt.
Herrliche Werke die man unbedingt gehört haben muss !



W.A.Mozart: Die Sinfonien
The Academy of Ancient Music - C.Hogwood


Die bisher umfangreichste und vollständigste Gesamtaufnahme und auch die Beste.
Das wird mir bei jedem neuen hören immer wieder bewusst.
Glücklicherweise befinden sich auch die Sinfonien mit auf der Aufnahme, bei denen eine Zuschreibung nicht sicher ist, bzw. widerlegt wurde. Oft heißt dies dann, dass betreffende Werke im Orkus verschwinden und nie wieder gespielt werden.


W.A.Mozart: Die Clavier Konzerte
Malcolm Bilson - The English Baroque Soloists - J.E.Gardiner


Wahrscheinlich wird diese Gesamtaufnahme irgendwann von Schonderwoerd abgelöst, wenn er seine Gesamtaufnahme vollendet hat - doch bis dahin ist dies die No.1.
Zwar gibt es auch sehr schöne Aufnahmen von Immerseel und Sofronitzki, aber letztlich hat Gardiner mit Bilson doch die Nase vorn: Angefangen vom Clavier, dem Orchester und den angemessenen Tempi - einfach unerreicht - und auch Schonderwoerd wird es schwer haben.



W.A.Mozart: Concertos für 2 und 3 Claviere
Salzburger Hofmusik


Die unverzichtbare Ergänzung zu den Solokonzerten. Die Konzerte für 2 und 3 Claviere.
Die Aufnahme dieser beiden Konzerte mit der Salzburger Hofmusik ist die mit Abstand aufregendste die ich je hörte. 3 Hammerflügel zusammen sind ohnehin schon ein Ereignis, Fortepianos:
Wolfgang Brunner (Kopie nach A.Walter ca. 1790 Wien)
Florian Birsak (Kopie nach A. Walter ca. 1791 Wien)
Leonore von Stauss (Kopie nach J.J. Könnicke um 1790 Wien)



zum Abschluss noch 2 ganz besondere Aufnahmen.
Es handelt sich hier um einmalig schöne Interpretationen des Trios Bassetto, einer Bläserformation die mit viel Witz und esprit regelrechte musikalische Geschichten erzählen.


Mozart et les Bohemiennes
Trio di Bassetto



Prague, les dernières vendanges
Trio di Bassetto


Die Aufnahmen sind mit vielen Werken anderer Komponisten durchsetzt, auch anonymen Werken aus der Zeit um 1790. Mozart in Prag ist das bestimmende Thema beider Cds. Die Aufnahmen beschreiben Festlichkeiten, Bälle, Partys und Messmer-Seancen (K.617, für Glasharmonika) - eben alles was man in der Gesellschaft Ende des 18. Jahrhunderts tat um sich zu amüsieren. Es sind Instrumentalstücke, Lieder (eine bessere Version von KV 517 'die Alte' wird man nicht finden) , Tänze die das Programm bestimmen.
Ein farbiger und unvergleichlicher Bilderbogen von Mozarts musikalischem Umfeld, aus Handschriften zu neuem Leben erweckt.

:jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:
Sex, Drugs & Jean Baptiste Lully


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Donnerstag, 26. November 2015, 15:03

Antonio Vivaldi II

DIE OPERN

Opern von Vivaldi haben einen noch schlechteren Ruf als die unzähligen Concerti.
Dass dies wieder mal völlig unberechtigt ist, sollte sich schon aus der Vielzahl der Opernaufnahmen ergeben, die in den letzten Jahren erschienen sind.
Der Löwenanteil ist bei Naive in der Vivaldi Edition erschienen, zu erkennen an den sehr künstlerischen Portraits auf den Covern.
Man sollte hier auch unbedingt einen Blick auf die Ausführenden werfen - das sind keinesfalls Billigproduktionen, sondern hier agieren Italiens Spitzenensembles der alten Musik mit vielen Opernstars.
Und daher ist es schwer nur eine kleine Auswahl zu treffen - aber warum auch ? Tolle Opern, tolle Musik, tolle Interpretation.





A.Vivaldi: Ottone in villa, Drama per Musica 1713
Il Giardino Armonico - G.Antonini


Vivaldis erste Oper, noch haben sich die monumentalen Seria Arien nicht gänzlich durchgesetzt. Und wie bei Händels Erstling, erlebt man auch hier noch einen etwa ungeschliffenen Vivaldi - aber schon ganz die typische Musiksprache.
Die Arien werden mit dem nötigen Tempo recht scharf angegangen, was aber bei Vivaldi fast immer gut kommt, besonders schön, dass auch die Rezitative gut gestaltet sind.
In der Arie "L'ombre, l'aure, e ancora il rio" klingen bereits die 4 Jahreszeiten an - Passagen daraus wurden später wohl 1:1 übernommen
Auch andere Arien überraschen mit atemberaubender Schönheit.




A.Vivaldi: Tito Manilo, Drama per Musica 1719
Accademia Bizantina - O.Dantone


Tito Manilo ist opulent besetzt neben dem typischen Streicherorchester kommen auch noch zahlreiche Bläser hinzu: Trompeten, Hörnern, Oboen, Fagott und Blockflöten.
Tito ist eine Hofoper, komponiert für die 2. Hochzeit seines großen Verehrers und Förderers, Philipp von Hessen-Darmstadt, dem Gouverneur von Mantua. Bei ihm war Vivaldi auch Hofkapellmeister.
Ein entsprechend furioses Werk kann man also erwarten.
Mit den Sängerinnen Karina Gauvin, Ann Hallenberg, Marijana Mijanovic u.a. hat Dantone mit seinem Ensemble Accademia Bizantina ein extrem gutes Ensembles zusammengetrommelt. So ist diese Aufnahme auch in fast allen Belangen der alternativen Aufnahme bei CPO überlegen.




A.Vivaldi: Ercole su'l Termodonte, Drama per Musica 1723
L'Europe Galante - F.Biondi


Eine Oper die erst vor wenigen Jahren in der Bibliothek in Münster entdeckt wurde und musste natürlich entsprechend rekonstruiert werden.
Thema der Oper ist eine der 12 Aufgaben des Herkules: Die Konfrontation mit Antipoe, der Königin der Amazonen.
Also viel Raum für spektakuläre Bühnen- und Musikeffekte
Was diese Opernaufnahme so spektakulär macht, dass sind die Sänger:
Vivica Genau, Philippe Jarrousky, Jocy di Donato, Diana Damrau und Roland Villazon u.a.
Dazu eine opulente Besetzung des Orchesters samt Pauken und Trompeten.
Da staunt man von der Ouvertüre an bis zum Schlusschor - diese Aufnahme ist ein Muss !




A.Vivaldi: Orlando Furioso, Drama per Musica 1727
Ensemble Matheus - J.C.Spinosi


Wahrscheinlich Vivaldis bekannteste Oper, da sie als einzige schon in den 70er Jahren aufgenommen wurde (Scimone / ERATO, 1978) Und im Gegensatz zu seiner ersten Vertonung des Orlando-Stoffes (Orlando finto pazzo) kein Misserfolg. Orlando Furioso gilt heute noch immer als Vivaldis Meisterwerk im Genre Oper.
Auch hier erwartetet den Hörer eine hochkarätige Besetzung: Jennifer Larmore, Marie Nicole Lemieux, Philippe Jarrousky, Veronica Cangemi, Ann Hallenberg u.a.
Das Ensemble Matheus ist schon arg rabiat unterwegs - aber es kommt einfach gut rüber - und die Wahnsinnsszenen des Orlando verlangen das auch.




A.Vivaldi: La Fida Ninfa, Drama per Musica 1732
Ensemble Matheus - J.C.Spinosi


Eine weitere Barocke Prunkoper Vivaldis, "La Fida Ninfa" ist opulent instrumentiert, wieder mit zusätzlichen Bläsern bis hin zu Pauken und Trompeten. Das Werk wurde für die Eröffnung des Opernhauses in Verona in Auftrag gegeben und wenige Jahre später auch am Kaiserhof in Wien aufgeführt.
Auch hier wird wieder eine phantastische Sängerriege aufgefahren: Sandrine Piau, Veronica Cangemi, Marie Nicole Lemieux, Lorenzo Regazzo, Philippe Jarrousky u.a. - was will man noch mehr.
Dazu das fetzige Spiel des Ensemble Matheus unter Spinosi - ein absolutes Fest.




A.Vivaldi: Griselda, Drama per Musica 1735
Ensemble Matheus - J.C.Spinosi


Griselda ist vielleicht Vivaldis schönste Oper, einige Arien wie z.B. " Ombre vane, inguisti orrori" oder das furiose "Agitata da due venti" gehen nicht mehr aus dem Kopf.
Spinosi hat auch bei dieser Aufnahme wieder große Namen zu einem Ensemble vereint:
Simone Kermes, Veronica Cangemi, Marie Nicole Lemieux, Philippe Jarrousky u.a.


In dieser großartigen Serie von Operngesamtaufnahmen Vivaldis gibt es noch weitere zahlreiche Schätze zu entdecken - es lohnt sich unbedingt!
Sex, Drugs & Jean Baptiste Lully


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Dienstag, 28. Juni 2016, 13:52

Wolfgang Amadeus Mozart II

Bühnenwerke



W.A.Mozart: Mitridate, re di Ponto
Les Talens Lyriques - C.Rousset

Auf CD nach wie vor die Referenz. Das Ensemble Talens Lyriques bedarf kaum einer Vorstellung, Christophe Rousset sowieso nicht. Mit Cecilia Bartoli und Natalie Dessay sehr prominent besetzt. Wäre jetzt noch in der Titelpartie Richard Croft (DVD Les Musiciens du Louvre / Minkowski besetzt gewesen - die DVD ist ohnehin die erste Wahl wenn es um diese Oper geht) wäre diese Aufnahme der große Wurf. Leider bleibt Giuseppe Sabatini hinter den Erwartungen zurück - ist aber verschmerzbar.

Bei Mitridate, re di Ponto handelt es sich noch um eine herkömmliche Opera Seria, und um eine der frühesten Opern Mozarts (1770 - also im Alter von 15 komponiert ! )
Doch das hört man dieser Oper nicht an, sie stellt die meisten anderen Werke ihrer Zeit in den Schatten, egal ob Gluck, Jommelli, Myslivecek oder Galuppi. Mitridate, re di Ponto ist ein Meisterwerk!



W.A.Mozart: La Finta Giardiniera
Freiburger Barockorchester - Rene Jacobs

Die Oper hat keinen guten Ruf, zu lang, zu langweilig...
Nach anhören dieser Interpretation wird man so etwas nie wieder glauben oder sagen.
Mozart schrieb diese Opera Buffa für München für den Karneval 1775, zwar nicht für den Hof, sondern für das Salvatortheater, das öffentliche Opernhaus der Stadt. Der Intendant war Graf Seeau, der auch wahrscheinlich die Oper in Auftrag gab.
Die arg reduzierte Instrumentierung der Partitur ist wohl auch auf diesen Umstand zurückzuführen.
Jacobs wählt eine Fassung aus Prag (Námešt-Partitur), wohl um 1795 entstanden. Hier ist auch eine vielfältige Bläserbesetzung ausgeschrieben, und auch einige Längen bei den Rezitativen sind gekürzt.
Was soll man sagen, es war eine kluge Entscheidung diese farbige Partitur umzusetzen, es mag zwar nicht die Originalversion von 1775 sein, doch das empfindet man nach Anhören dieser großartigen Aufnahme keinesfalls als Verlust.




W.A.Mozart: Idomeneo, re di creta
Croft / Fink / RIAS Kammerchor / Freiburger Barockorchester / Rene Jacobs

Idomeneo, re di Creta wurde ebenfalls für München geschrieben, jedoch diesmal für das Residenztheater, also den Hof.
Idomeneo ist eigentlich keine gewöhnliche Opera Seria mehr, sondern gehört mit zu jenen Werken, die stark von Glucks Opernreform beeinflusst sind: In erster Linie die Loslösung vom 'Rezitativ - Arie - Rezitativ - Arie Schema' und gleichzeitig die Einbeziehung frz. Stilelemente wie durchkomponierte Szenen, Ballette und Choreinlagen.
So ist Idomeneo vielmehr eine 'ital. Tragèdie Lyrique', ähnlich wie die Werke der 1760er Jahre die von Jommelli für den Hof in Stuttgart geschrieben wurden.

Als die Oper 1781 zur Uraufführung kam, war die Resonanz gemischt.
Mozart hatte im Vorfeld viel streichen müssen, Arien vereinfachen und umschreiben müssen, da der alternde Star Anton Raaf lange über seinen Zenit hinaus war.
Weitere Änderungen betrafen das Textbuch, das der Salzburger Hofkaplan Varesco aus dem frz. übersetze. Das ursprüngliche Libretto von danchet wurde von André Campra vertont und beinhaltet auch ein tragisches Ende.
Von der Oper Idomeneo, re di Creta existiert eine so genannte 'Münchener Fassung' mit den zahlreichen Strichen und eine 'Wiener Fassung' die Jahre später für ein Liebhaberpublikum zur Aufführung kam.

Eine nahezu ideale Aufnahme, zwar ist auch Gardiners Idomeneo großartig, aber mit Richard Croft in der Titelrolle und den detaillierten Details in den Rezitativen doch einen Schritt voraus. Gardiner wie Jacobs verwenden im Continuo statt einem Cembalo ein Fortepiano - für mich ein Minuspunkt, da ich mir hier ein Cembalo gewünscht hätte. Natürlich sind auch die gestrichenen Arien und Szenen enthalten.




W.A.Mozart: Die Entführung aus dem Serail
Akademie für Alte Musik / RIAS Kammerchor / Rene Jacobs

Eine großartige Aufnahme, sowohl von der musikalischen als auch der schauspielerischen Umsetzung. Nahezu akzentfrei und extrem verspielte Gestaltung der Arien und Dialoge.
Die Dialogszenen werden in der ungekürzten Originalfassung gespielt, und nicht selten von Improvisationen am Fortepiano untermalt (diverse Sonatenfragmente dienen da als psychologische Aufhänger).
Die Akademie für Alte Musik gibt alles, und es ist schlicht ein Fest. Mozart entstaubt.




W.A.Mozart: Le nozze di Figaro
Concerto Köln - René Jacobs

Und wieder René Jacobs ! Da können auch neuere Aufnahmen nicht gegen ankommen.
Nicht nur dass das Concerto Köln besser und knackiger spielt, Jacobs hat auch die deutlich besseren Sänger.
Bestes Beispiel: Gegen eine Veronique Gens hat eben kaum jemand eine Chance. Und natürlich ist das Continuo wesentlich präsenter und origineller (Fortepiano).



W.A.Mozart: Don Giovanni
Freiburger Barockorchester - René Jacobs

Mit Mozarts Don Giovanni tat ich mich extrem schwer, aufgrund der pathetischen Sicht des 19. Jahrhunderts, die noch Heute oft die Interpretation dieser bösen Komödie bestimmt.
Das Thema dieser Oper ist aber so nie gemeint gewesen - die Umdeutungen im 19. Jahrhundert in einen Fatalismus haben daraus eine romanische dramatische Oper gemacht. Doch Don Giovanni ist ein dramma giocoso, wie Cosi fan tutte, eine Opera buffa - nix anderes.
Die bisher einzige Aufnahme die mich jetzt begeistern konnte, ist jene von Rene Jacobs.
Junge Stimmen - das ist mehr als elementar, es klingt spontan, undramatisch, echtes Musiktheater eben.



W.A.Mozart: Cosi fan tutte
Concerto Köln - René Jacobs

Ja schon wieder René Jacobs.
Seine erste Mozartoper ist nach wie vor Stilbildend für seinen Mozart-Zyklus gewesen und steht keinesfalls hinter den späteren Aufnahmen zurück. Sie klingt noch genau so revolutionär und frisch wie zur damaligen Veröffentlichung. Die versammelten Sänger Veronique Gens, Bernarda Fink, Werner Güra etc. sind einfach nur großartig.
Da können auch derzeitige Neuveröffentlichungen nicht mithalten.



W.A.Mozart: die Zauberflöte
Akademie für Alte Musik Berlin - René Jacobs

Eine Sensation, anders kann man diese Aufnahme nicht nennen.
Zum ersten mal sind die vollständigen Originaldialoge zu hören, ungekürzt und phantasievoll ausgestaltet - wie dies auch später bei der "Entführung aus dem Serail" getan wurde. Auch wird größtenteils akzentfrei gesungen und gespielt, Papageno (Daniel Schmutzhard) wienert recht passend.
Musiktheater wird regelrecht zu einem Hörspiel. Die Aufnahme stellt durch ihre Vielseitigkeit, ihr Tempo, ihre Detailverliebtheit und Hingabe selbst die großartige Aufnahme von William Christie in den Schatten - jedoch nur knapp.



W.A.Mozart: La Clemenza di Tito
Freiburger Barockorchester - René Jacobs

Auch bei Clemenza di Tito empfehle ich René Jacobs. Die oftmals stiefmütterlich behandelten Rezitative werden hier ernst genommen und mit der gleichen Liebe zum Detail musikalisch umgesetzt.
Wie oft werden sie gestrichen (weil sie nicht von Mozart stammen) oder durch Dialoge ersetzt um nicht in den verdacht einer langweiligen Opera Seria zu geraten. Überhaupt hat Mozarts letzte Oper diesen Ruf.
Jacobs revidiert dies völlig, indem er die vorromatische expressivität des werkes voll auskostet und auch rüber bringt.
Die Sänger, allen vorran Mark Padmore und Bernarda Fink überzeugen auf ganzer Linie.
Sex, Drugs & Jean Baptiste Lully


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Dienstag, 3. Januar 2017, 12:39

Wolfgang Amadeus Mozart III

geistliche Musik




W.A.Mozart: Requiem in d-moll
Musica Eterna - T.Currentzis

Eine der neueren Aufnahmen des wohl bekanntesten sakralen Werkes Mozart. Und was für eine.
Es gibt natürlich schon eine ganze Reihe großartiger Aufnahmen, die mich am meisten beeindruckten waren Les Arts Florissants / W.Christie, La Grande Ecurie et la Chambre du Roy – J.C.Malgoire (nach wie vor eine meiner liebsten Aufnahmen), Le Concert des Nations / J.Savall.
Aber diese hier hat es wirklich in sich und ist, nach dem was ich bisher von ihm hörte, Currentzis gelungenste Aufnahme. Das Orchester, die „Sibirian Singers“ sind einfach brutal: Es ist kein tröstendes Requiem mehr, sondern ein schreckendes das einem die Verdammnis und die Hoffnungslosigkeit ungeschönt um die Ohren schlägt.
Besonders reizvoll ist der Einbau der Amen-Fuge nach dem Lacrimosa (also nach dem Satz, den Mozart noch skizzierte).





W.A.Mozart: Messe in c-moll
Les Arts Florissants - W.Christie

Die Messe in c-moll ist monumental angelegt und blieb daher auch unvollendet. Im Gegensatz zu seinen zahlreichen sakralen Werken die er für den Fürsterzbischöflichen Hof in Salzburg komponierte, ist der Grund für diese monumentale Messe weiterhin unklar. Denn wärend die geistlichen Werke, die er in Salzburg schrieb, ihren Platz in der Fürsterzbischöflichen Hofhaltung hatten, ist für die Komposition dieser großen Messe kein Anlass nachweisbar.
Eine wunderbare Aufnahmen, das großartige Ensemble Les Arts Florissants zusammen mit den Solisten, Patricia Petitbon, Lynne Dawson, Joseph Cornwell und Alan Ewing.



W.A.Mozart: Krönungsmesse KV317 / Vesperae solennes de confessore KV339 / Exsultate Jubilate KV165
The English Concert - T.Pinnock

Die Bezeichnung “Krönungsmesse” stammt, wie so oft bei diesen Beinamen, aus dem 19. Jahrhundert.
Ursprünglich ist die Messe 1779 am Salzburger Dom zum Osterfest aufgeführt worden, und dann 1792 zur Krönung Kaiser Franz II. zum römisch deutschen König. In der Folge wurde diese Messe für die Krönungen zum Standard und erhielt hierdurch auch den Beinamen Krönungsmesse.
Ebenso festlich besetzt wie die Krönungsmesse ist die Vesperae solennes de confessore. Für welchen Anlass das Werk komponiert wurde, ist nicht ganz geklärt, fest steht aber für einen Festtag, an dem einem christlichen Bekenner gedacht wurde (eine Stufe unter dem Märtyrer – der Bekenner wurde zwar verfolgt, gefoltert, inhaftiert etc. aber nicht getötet).
Den Abschluss bildet die Motette Exsultate Jubilate, die Mozart auf seiner letzten Italienreise 1773 in Mailand schrieb. Hier wird die Motette von der wunderbaren Barbara Bonney gesungen, Mozart schrieb die Motette für den Kastraten Rauzzini.

Bei allen drei Werken ist mir bisher keine bessere Interpretation begegnet – einfach nur himmlisch.




W.A.Mozart: Complete Sacred Music
Concentus Musicus Wien - Arnold Schoenberg Chor - Choralscholaren der Wiener Hofkapelle - N.Harnoncourt


Wenn man das gesamte geistliche Werk Mozarts in HIP erleben will, führt momentan an dieser Box kein Weg vorbei. Es gibt eine weitere Kiste (Neumann), die öfter von Harnoncourt-Hassern als Alternative genannt wird, hier sind jedoch NUR die Messen enthalten. Anders in dieser Box, alle Messen, das Requiem, und die vielen interessanten, aber weniger bekannten Werke.
Trotzdem sollte man die oben genannten Aufnahmen durchaus als Alternative ebenfalls besitzen.
Die Aufnahmen der Gesamtbox stammen aus den 80er und 90er Jahren, die Periode in denen Harnoncourt sicher seine besten Aufnahmen machte, das ungelenke Geschrubbe aus der Anfangszeit hat er hinter sich gelassen, ebenso das Buchstabieren des Notentextes und noch fern seiner späten Manieriertheit mit den willkürlichen Tempi.
Die Aufnahmen überzeugen nicht nur durch den hervorragenden Arnold Schönberg Chor, sondern auch aufgrund der Solisten: Darunter Barbara Bonney, Gilles Cachemaille, Christoph Pregardien, Rachel Yakar u.a.

Eine Box voller herrlicher Entdeckungen, die sich in jedem Falle lohnt.
Von den teils dämlichen Negativ-Rezensionen bei amazon sollte man sich nicht beirren lassen, ebenso von eventuell schon gefassten Vorurteilen.
Sex, Drugs & Jean Baptiste Lully


51

Sonntag, 11. Februar 2018, 21:44

Telemann II


G.P.Telemann: Nouveaux Quatuors en six Suites / Pariser Quartette
John Holloway (Violine) Linda Brunmayr (Traversflöte) Lorenz Duftschmid (Viola da Gamba) Ulrike Becker (Violoncello) Lars Ulrik Mortensen (Cembalo)

Bis diese herrliche Aufnahme heraus kam, griff ich grundsätzlich zu der uralten Aufnahme des Quatuor Amsterdam mit der Besetzung Traversflöte (Brüggen) Violine (Schröder) Violoncello (Bylsma) und Cembalo (Leonhardt). Und obwohl diese Aufnahme (1964 / 1968) aus der Anfangszeit der historisch informierten Aufführungspraxis mit den 4 Urgesteinen der HIP Bewegung stammt, ist sie nach wie vor gut anhörbar. Diese Aufnahme war mein erster Kontakt mit der Musik Telemanns und auch jetzt nach über 20 Jahren fasziniert mich die Interpretation wie beim ersten Mal. Und bis zu der wunderbaren Veröffentlichung bei CPO war diese Aufnahme auch konkurrenzlos - es ist und bleibt eine tolle Aufnahme.
Aber die Aufnahme bei CPO ist natürlich zeitgemäßer und vermag auch sonst sehr zu überzeugen. Schon durch den Einsatz der Gambe wird der französische Geschmack viel besser getroffen.
Telemann weilte 1737 und 1738 in Paris, er brachte dort mit großem Beifall seine Grand Motet „Deus judicium tuum“ (TWV 77) im Concert Spirituel zur Aufführung. Seine Musik war ohnehin in Paris bereits bekannt (z.B. Musique de Table) und hoch geschätzt. Seine „Pariser Quartette“, sechs Suiten für Traversflöte, Violine, Violoncello (oder Viola da Gamba) und Continuo, waren ganz auf den Geschmack des Pariser Publikums zugeschnitten und erschienen noch während seines Aufenthalts in Paris im Druck. Es gab bereits eine ältere Sammlung von 1730, die man ebenfalls als „Pariser Quartette“ bezeichnet, das sind jedoch Concerti und Sonaten für die gleiche kammermusikalische Besetzung – diese befinden sich ebenfalls in dieser Gesamtaufnahme – es gibt also insgesamt 12 „Pariser Quartette“ – wobei ich die letzten 6 in Paris entstandenen, den absoluten Vorzug gebe und sie für die besten kammermusikalischen Werke Telemanns halte.




G.P.Telemann: Six Ouvertures (nach „die kleine Kammermusik“ von 1716)
La Staggione – Michael Schneider

1716 veröffentlichte Telemann eine Sammlung „Kleine Kammermusik“ im Druck. Die kleine Kammermusik bestand aus „6 Partien“. Sie waren damals enorm erfolgreich, so dass er 1728 die Sammlung erneut herausgab. Etwa zur gleichen Zeit bearbeitete er diese Partien auch für Orchester, er machte aus den 6 Partien große Orchestersuiten im vermischten Geschmack – die Ouverturen komponierte er zu diesem Zweck neu hinzu. Die sechs Suiten stehen in Es-Dur, B-Dur, g-moll, e-moll, G-Dur und c-moll. Das besondere an diesen sechs Orchestersuiten ist, dass die Einzelsätze nach den Ouverturen im französischen Stil keine Tanzsätze sind, sondern italienische, freie Musikstücke. Ähnlich konzipierte Orchestersuiten finden sich auch bei Graupner und Fasch.
Die Werke gewinnen durch die farbige Orchestrierung und das Arrangement enorm dazu – es ist phantastische barocke Orchestermusik in einer wirklich gelungenen Interpretation.



G.P.Telemann: Viola da Gamba
Lorenz Duftschmid – Armonico Tributo Austria

Eine phantastische Aufnahme kammermusikalischer Werke Telemanns, in denen die Viola da Gamba eine zentrale Rolle einnimmt. Das Doppelkonzert in a-moll (für Blockflöte und Viola da Gambe) ragt dabei sicher heraus und wird entsprechend furios dargeboten. Aber auch die restlichen Werke sind kleine Meisterwerke.



G.P.Telemann: Der getreue Musikmeister
Camerata Köln

In den Jahren 1728 und 1729 veröffentlichte Telemann eine Musikzeitung, den getreuen Musikmeister – größter Kaufanreiz waren die Noten. In insgesamt 25 Lektionen stellte er die Musik seiner Epoche vor, die von ihm ausgewählten Stücke sollten auch für Amateure zu spielen sein (unterschiedliche Schwierigkeitsgrade) sowie für möglichst alle gebräuchlichen Instrumente bzw. Besetzungen. Auf insgesamt 5 CDs werden die damals veröffentlichten Kompositionen zu Gehör gebracht. Es sind kurzweilige Blockflötensonaten, Cembalosuiten, Lauten und Orchesterstücke und sogar Opernarien. Die Musikwerke stammen allerdings nicht ausschließlich aus der Feder Telemanns, Auch sind Werke von Zelenka, J.S.Bach, Görner u.a. darunter.
Es ist eine bemerkenswerte Aufnahme, da sie einen Einblick in das Repertoire gibt, das in gutbürgerlichen Kreisen gespielt wurde.
Sex, Drugs & Jean Baptiste Lully


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