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Mittwoch, 2. März 2011, 06:21

11 - Phaëton (1683)

Phaëton, uraufgeführt am 6. Januar in Versailles, geriet zu einem großen Erfolg. Man nannte die Oper auch schnell „Opera des peuples“ - „also Oper des Volkes", wahrscheinlich, weil Lully viele Anleihen an volkstümliche Melodien bei den Chören einfließen ließ – und weil die Oper vor allem in Paris so erfolgreich war.

In Versailles gab es in der Manege der Grande Ecurie ein provisorisches Theater, das Carlo Vigarini installierte. Hier wurden die meisten Opern Lullys gegeben.

Die Oper über die Anmaßungen des Sohnes des Sonnengottes stand jedoch unter keinem guten Stern. Lully schickte das Libretto Quinaults mehrfach zurück mit Korrekturwünschen und Quinault verzweifelte ob der „elenden Arbeit“. Dann mussten die ersten Aufführungen abgebrochen werden, weil die Königin überraschend starb und eine gewisse Trauerzeit beachtet werden musste.

Phaëton war auch die erste Oper für Avignon, Pierre Gautier de Marseille hatte dieses Werk ausgesucht für die Eröffnungsfeierlichkeiten (1687).

Die letzte Aufführung ist für das Jahr 1749 belegt, und zwar wurde die Oper in den Petits Appartements der Madame de Pompadour gegeben. Sie veranstaltete regelmäßige Opernkonzerte für den melancholischen Louis XV., der wie sein Großvater die Musik Lullys sehr liebte.
Sex, Drugs & Jean Baptiste Lully


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Mittwoch, 22. Januar 2014, 08:11

Inzwischen gibt es schon zwei sehr schöne Einspielungen dieser spannenden Oper, die auch wegen ihrer besonders spektakulären Bühneneffekte bemerkenswert war. Mich erstaunt immer wieder der enorme Kunstverstand, mit dem Quinault und Lully an ihre Projekte herangegangen sind, denn so sehr Phaeton auf die Divertissements und Bühnenmaschinerien setzt, leiden Dramaturgie, Spannungsbögen, psychologische Nuancierung und Formproportionen nie darunter. Ich habe das Werk konzertant gehört und war ebenso massiv überrascht wie beglückt.

Zu den Einspielungen:



Minkowski geht auch an Lully mit viel Schmackes ran und putzt die Musik kräftig durch. Von Sentimentalitäten bleibt da nichts übrig. In meinen Ohren sehr stilecht und frisch, auch wenn ich für diese Art von Musik noch mehr den Schmelz bevorzuge, den Leute wie William Christie, Hugo Reyne und Christophe Rousset reinbringen.



Und hier haben wir auch gleich den Rousset mit einer Live-Aufnahme der konzertanten Produktion, die ich auch erlebt habe. In meinen Ohren noch mal ein Stück gelungener als die sehr gute Aufnahme von Minkowski. Ein sehr warmer und doch sprühender Klang, unheimlich lebendig und abwechslungsreich, federnd und tänzerisch. Die Sänger legen sich schwer ins Zeug, das Fehlen einer Inszenierung wett zu machen, und der Chorklang des Choeur de Chambre de Namur trifft sowieso meistens genau in meinen musikalischen Geschmacksnerv.

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Sonntag, 11. Februar 2018, 08:55

Phaëton ist in der Interpretation von Christophe Rousset um Längen gelungener, als die ältere Minkowski Aufnahme. Schon allein durch die Besetzung, die ist in sich stimmiger. Jennifer Smith ist absolute Geschmackssache und ich hab sie die Jahre hinweg eher in Kauf genommen – auf der anderen Seite glänzen bei Minkowski Sänger wie Crook, Fouchecourt und Gens. Solche Stars fehlen bei Rousset – aber das fällt kaum mehr ins Gewicht.
Minkowskis Interpretation ist schon eisenhart, und sehr, sehr ruppig – kein Vergleich mit der wunderbaren Aufnahme mit den Auszügen aus den Comèdie Ballets – die ist nach wie vor ein phantastisch. Beim Phaeton wird der Chor regelrecht durch die Partitur gepeitscht und das Continuo scheppert und kracht – wie Mordent bereits schrieb: Sinnlichkeit sucht man da vergebens.
Das ist bei Rousset gänzlich anders, er geht mit wesentlich weniger Schärfe an die Sache, dadurch mag manches Ballett an Zackigkeit verlieren, aber der Rest des Werkes profitiert davon. Die Rezitative und kleinen Airs sind viel besser ausgearbeitet.

Ein Unterschied wie Tag und Nacht – und eine ganz klare Empfehlung zur neueren Rousset-Aufnahme.


Jean Baptiste Lully - Philippe Quinault: Phaëton (1683)
Les Talens Lyriques - Choeur de Chambre de Namur - Crristophe Rousset
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Verwendete Tags

Ludwig XIV, Lully, Versailles