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Ulli

Ritter vom goldenen Spott

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161

Montag, 22. Januar 2018, 21:50

Also: Brautigam, wie ich's sagte. Silke Leopold ist ja nun nicht gerade die dümmste auf ihrem Gebiet, aber wohl auch nicht die hellste. Das zeigt das Resultat.

Eigentlich erschreckt es mich, daß ich das vorhergesehen habe, ohne die Aufnahmen (bis natürlich auf Schoonderwoerd) zu kennen und um die Gäste zu wissen (ich habe den Link aus Mangel an Interesse nicht mal angeklickt). Alles scheint so berechenbar.

Zitat

Mozart hat die französische Klavier-Virtuosin nur wenige Male spielen gehört, und die Noten deshalb sehr genau ausgeschrieben – viel genauer als in anderen Konzerten.

Fragt sich dann, warum das bis auf Arthur niemand so spielt ...

Zitat

Bei letzterem ist die kammermusikalische Besetzung des Orchesters zwar klanglich reizvoll und historisch korrekt – Mozarts Konzerte wurden nicht nur im Konzertsaal, sondern auch im häuslichen Kreis aufgeführt – aber sie sei nicht das, was sich Mozart für sein farbig orchestriertes Konzert gewünscht habe, so die beiden Gäste.

Ach sooo; ich wusste ja nicht, daß beide in direktem Kontakt stehen. Wo genau steht das nochmal?

Zitat

Brautigam auf seinem Nachbau eines historischen Fortepianos aus Mozarts Zeit

Hm; nein: nach 1800 ... also eher: Beethovenzeit, denn Brautigam verwendet einen belederten Flügel.

Außerdem komponierte Mozart keine 27 Clavierkonzerte und KV 271 ist nicht das 9te ...271 ist 271; das reicht zu eindeutigen Identifizierung vollkommen aus; wer zum Zerberus braucht diese Scheiß Nummern? Man sollte den angelernten Quatsch abschaffen und die Dinge beim Namen nennen.

Gerne immer wieder.

*danke*

BTW: Die Noten sind m. W. weder Mozarts Handschrift noch ein Werk von Mozart ... schon garnicht KV 271 (die r.H. ist im Sopranschlüssel notiert, die Alberti-Abbreviaturen in der l.H. sind für Mozart eher untypisch). Kann mich aber auch irren ... möglich: unbedeutendes Frühwerk C-Dur in noch unbedeutenderer Abschrift.

*hä*

Schlechte Recherchearbeit vom SRT. SRT? Achso, ja: Swiss Radio and Television ...

*näänä*
Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.
W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

162

Dienstag, 23. Januar 2018, 01:16

Mich wundert eher, daß Brautigam soweit oben ankommen durfte - wenn tatsächlich Stadtfelds Aufnahme bescheinigt wird, daß die "klangliche Balance zwischen Solist und Orchester den tatsächlichen Verhältnissen auf der Bühne sehr nahekommt". Hier geht es eindeutig um ästhetische Vorlieben, nicht um wirkliche Beurteilungen der Einspielungen.

Das übliche Problem... *hä*
Unser *opi* nahm *opi*-um - Bumms! fiel unser *opi* um.

Yorick

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163

Dienstag, 23. Januar 2018, 06:23

Brautigam war ohne Zweifel die beste Aufnahme für einen unvoreingenommenen Hörer. Und man sollte schon die Sendung gehört haben, bevor man urteilt.
"Alas, poor Yorick! I knew him, Horatio; a fellow of infinite jest, of most excellent fancy; he hath borne me on his back a thousand times; and now, how abhorred in my imagination it is! My gorge rises at it. Here hung those lips that I have kissed I know not how oft. Where be your gibes now? Your gambols? Your songs? Your flashes of merriment, that were wont to set the table on a roar?"

Yorick

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164

Dienstag, 23. Januar 2018, 07:06

Der Vorteil bei 271: man kann nach Takt 3 gleich wegklicken, wenn schon der erste Vorschlag falsch ist ... das spart Mengen an Zeit. ;)
*brav*

Eigentlich erschreckt es mich, daß ich das vorhergesehen habe, ohne die Aufnahmen (bis natürlich auf Schoonderwoerd) zu kennen und um die Gäste zu wissen

Und mich erschreckt, lieber Ulli - und ich schreibe das hier, weil ich weiß, dass du weißt, dass ich dich liebe wie einen jüngeren Bruder; der musikpraktisch der ältere ist - wie ein auf welche Art auch immer berechtigter oder unberechtigter Dogmatismus einem die Petersilie verhageln kann und somit die Freude an der Musik und am unbefangenen, vorurteilsfreien Hören. Die Sendung war für sonstige Verhältnisse in Ordnung und keine der Aufnahmen wirklich schlecht. Im Gegenteil zelebrierte man ein Mozart-Fest und ich bin froh, zugehört zu haben und meine Urteile bezüglich einiger Aspekte relativieren zu können. Man sollte hin und wieder die KIrche im Dorf lassen; aber ich weiß, du kannst das nicht; und vielleicht ist das wirklich der Moment, sich über sich selbst und den eigenen Weg klarzuwerden und im besten Einvernehmen eine weise und überfällige Entscheidung zu treffen.
"Alas, poor Yorick! I knew him, Horatio; a fellow of infinite jest, of most excellent fancy; he hath borne me on his back a thousand times; and now, how abhorred in my imagination it is! My gorge rises at it. Here hung those lips that I have kissed I know not how oft. Where be your gibes now? Your gambols? Your songs? Your flashes of merriment, that were wont to set the table on a roar?"

Yorick

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165

Dienstag, 23. Januar 2018, 07:40

wenn tatsächlich Stadtfelds Aufnahme bescheinigt wird, daß die "klangliche Balance zwischen Solist und Orchester den tatsächlichen Verhältnissen auf der Bühne sehr nahekommt"
Man meinte damit, dass das Klavier nicht wie in früheren Zeiten dominant daherkommt; sondern sich unscheinbarer dem Orchester einordnet, soweit das omi möglich ist. So habe ich das auch gehört, war überrascht und fand es gut.
Hier geht es eindeutig um ästhetische Vorlieben, nicht um wirkliche Beurteilungen der Einspielungen.
Dem muss ich widersprechen; man mühte sich redlich um angemessene Urteile. Die Leopold war anfangs nicht glücklich mit dem Klang von Brautigam, hat aber dann andere Aspekte in den Vordergrund gestellt und sich für ihn entschieden.
"Alas, poor Yorick! I knew him, Horatio; a fellow of infinite jest, of most excellent fancy; he hath borne me on his back a thousand times; and now, how abhorred in my imagination it is! My gorge rises at it. Here hung those lips that I have kissed I know not how oft. Where be your gibes now? Your gambols? Your songs? Your flashes of merriment, that were wont to set the table on a roar?"

166

Dienstag, 23. Januar 2018, 13:00

Und man sollte schon die Sendung gehört haben, bevor man urteilt.
Aber was haben sie an den Einspielungen denn gehört? Bestimmte Ausschnitte, nicht? Das halte ich immer noch für einen prinzipiellen Fehler solcher Sendungen (hatten wir schon mal bei Bruckner 7 durchgesprochen). Das wird auch nicht durch solche Begründungen besser, auch wenn mir klar ist, daß man sowas sofort erfassen kann, wenn man in der Materie drin ist.
man mühte sich redlich um angemessene Urteile.
Das ist nicht unbedingt ein Widerspruch zu der Sache, die ich mit "klangästhetisch" meinte.
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Yorick

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167

Dienstag, 23. Januar 2018, 13:37

Und man sollte schon die Sendung gehört haben, bevor man urteilt.
Aber was haben sie an den Einspielungen denn gehört? Bestimmte Ausschnitte, nicht? Das halte ich immer noch für einen prinzipiellen Fehler solcher Sendungen (hatten wir schon mal bei Bruckner 7 durchgesprochen)
Jo, das hatten wir schon; aber das müssen wir nicht verfolgen. Ich fand es gut und bei einem so kurzen Konzert sind drei bis vier längere Ausschnitte schon aussagekräftig genug; zumal wie gesagt die Juroren absolute Profis sind.
man mühte sich redlich um angemessene Urteile.
Das ist nicht unbedingt ein Widerspruch zu der Sache, die ich mit "klangästhetisch" meinte.
Klar, um Klangästhetik geht es immer; aber ich habe es der Leopold hoch angerechnet, dass sie über ihren Schatten gesprungen ist.
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168

Dienstag, 23. Januar 2018, 16:14


Zitat

Bei letzterem ist die kammermusikalische Besetzung des Orchesters zwar klanglich reizvoll und historisch korrekt – Mozarts Konzerte wurden nicht nur im Konzertsaal, sondern auch im häuslichen Kreis aufgeführt – aber sie sei nicht das, was sich Mozart für sein farbig orchestriertes Konzert gewünscht habe, so die beiden Gäste.

Ach sooo; ich wusste ja nicht, daß beide in direktem Kontakt stehen. Wo genau steht das nochmal?
Ohne mich in diese angeregte Unterhaltung groß einmischen zu wollen, ist mir doch gerade diese Passage sofort aufgefallen.

No 1: "zwar klanglich reizvoll und historisch korrekt" wird gegenübergestellt mit "nicht das, was sich Mozart für sein farbig orchestriertes Konzert gewünscht habe"
Wo ist da die Logik? Ich finde Schoonderwoerds Einspielung auch "klanglich reizvoll" weil die farbige Orchestrierung voll erlebbar wird.
No 2: Was Ulli geschrieben hat. Ich weiß, dass es so gespielt wurde. Es ist historisch korrekt. Woraus schließe ich, dass es Mozart nicht so haben wollte? Hat Mozart ein modernes oder ein romantisches Orchester und Klavier im Sinn gehabt oder eines aus der Beethovenzeit? Oder hat er seine Mittel so eingesetzt, dass er für die Hörer seiner Zeit ein perfektes Ergebnis erzielen konnte.

Da wird Objektives so mit Subjektivem gemischt, dass es als plausibel durchgehen kann, so lange man nicht darüber nachdenkt. ?(

Ulli

Ritter vom goldenen Spott

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169

Dienstag, 23. Januar 2018, 17:36

wie ein auf welche Art auch immer berechtigter oder unberechtigter Dogmatismus einem die Petersilie verhageln kann und somit die Freude an der Musik und am unbefangenen, vorurteilsfreien Hören.

Das war natürlich nicht beabsichtigt, liebes Bruderherz von der höheren Hüfte der Deutschlandtaille; aber das weißt Du wohl auch. Trotzdem: Entschuldigung, falls ich Dich getroffen habe und/oder Dir den Spaß verdorben (was ich aber angesichts Deiner Postingflut gerade eher nicht vermute).

Nochmals: für mich war das vorhersehnbar und zwar ziemlich Punktgenau: mir war klar, daß für Ottonormalhörer Brautigram klar vor Schoonderwoerd liegt (ich kann das auch nachvollziehen) und daß Uchida mit ihrem Spiel beglückt (kann ich ebenfalls nachvollziehen; schade, daß sie nicht mal ein richtiges Instrument hernimmt). Es war also klar, daß nur diese beiden um den ersten Platz rangeln und Schoonderwoerd (nachwievor der einzige mit den korrekten Vorschlägen und einem unbelederten Instrument, also im Sinne des Originalklanges) abkacken wird. Das wurde nie (nie? 8| ) so gespielt, das will keiner, das klingt ungewohnt und falsch. Okay. Mir egal. Ich will eben genau DAS hören. Die Mitte ist ja egal ... Mir erschließt sich nicht der Sinn solcher Veranstaltungen* - aber inzwischen durchaus; nicht wenige werden die vorgestellten Einspielungen erworben haben.

Chapeau!

*salut*

*Ich würde das anders machen: einfach verschiedene Einspielungen vorstellen, auf deren Besonderheiten hinweisen und gar nicht bewerten (ein mitunter subjektiver Tonfall wird wohl nie ganz ausbleiben).
Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.
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Yorick

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170

Dienstag, 23. Januar 2018, 18:32

Nochmals: für mich war das vorhersehnbar und zwar ziemlich Punktgenau: mir war klar, daß für Ottonormalhörer Brautigram klar vor Schoonderwoerd liegt (ich kann das auch nachvollziehen) und daß Uchida mit ihrem Spiel beglückt (kann ich ebenfalls nachvollziehen; schade, daß sie nicht mal ein richtiges Instrument hernimmt). Es war also klar, daß nur diese beiden um den ersten Platz rangeln und Schoonderwoerd (nachwievor der einzige mit den korrekten Vorschlägen und einem unbelederten Instrument, also im Sinne des Originalklanges) abkacken wird.
Das verstehe ich schon und mir ist auch klar, wie deine Prognose ohne Hören der Sendung zustande kam. :) Vielleichst magst du an geeigneterer Stelle noch mal schreiben, warum Brautigam unseren Ohren "besser" klingt. Und ja, wir sollten Uchida mal schreiben; dass sie wenigstens einmal ein Konzert und eine Sonate von Mozart opi aufnimmt. Das Ergebnis stelle ich mir atemberaubend vor.
Mir erschließt sich nicht der Sinn solcher Veranstaltungen* - aber inzwischen durchaus; nicht wenige werden die vorgestellten Einspielungen erworben haben.
Eben, diese Sendungen sind ja nicht für Freaks wie uns; obwohl ja auch Radiohörer mit Klassikambitionen schon eine seltene Spezies darstellen. Aber wenn nur jeder 100. Hörer die hipe Aufnahme kauft, ist schon viel gewonnen.

wie ein auf welche Art auch immer berechtigter oder unberechtigter Dogmatismus einem die Petersilie verhageln kann und somit die Freude an der Musik und am unbefangenen, vorurteilsfreien Hören.
Das war natürlich nicht beabsichtigt, liebes Bruderherz von der höheren Hüfte der Deutschlandtaille; aber das weißt Du wohl auch. Trotzdem: Entschuldigung, falls ich Dich getroffen habe und/oder Dir den Spaß verdorben (was ich aber angesichts Deiner Postingflut gerade eher nicht vermute).
Ich meinte zwar eher deinen Spaß; aber egal; ich hatte welchen und ich liebe dich nach wie vor. :D

*Ich würde das anders machen: einfach verschiedene Einspielungen vorstellen, auf deren Besonderheiten hinweisen und gar nicht bewerten (ein mitunter subjektiver Tonfall wird wohl nie ganz ausbleiben).
Es gibt ja verschiedene Formate inzwischen, die dem nahekommen:

Vgl.: Blindtests - die Hohe Schule der Auseinandersetzung mit klassischer Musik und vorurteilsfreien Wertens

Dort verwiesen auf die Sendungen:

Diskothek des Radio SRF 2 Kultur
Blindverkostung bei rbb kulturradio
SWR2 ""Das musikalische Quartett"
BR Klassik Interpretationen im Vergleich


Besonders letztere ist gründlich. Die ständigen Vorbehalte gegen die Formate halte ich für unbegründet. Sie erfüllen einen Zweck, belehren, unterhalten und geben Kaufentscheidungen. Dass es schwierig ist, auf Grund von Ausschnitten zu urteilen; versteht sich; dass es keine wirklichen Sieger und Verlierer geben kann, ebenfalls; das macht auch JEDE Sendung deutlich. Es wäre kleinlich, hier nicht mehr Chancen als Grenzen zu sehen.
"Alas, poor Yorick! I knew him, Horatio; a fellow of infinite jest, of most excellent fancy; he hath borne me on his back a thousand times; and now, how abhorred in my imagination it is! My gorge rises at it. Here hung those lips that I have kissed I know not how oft. Where be your gibes now? Your gambols? Your songs? Your flashes of merriment, that were wont to set the table on a roar?"

171

Dienstag, 23. Januar 2018, 18:41

Dort verwiesen auf die Sendungen:
Diskothek des Radio SRF 2 Kultur
Blindverkostung bei rbb kulturradio
BR Klassik Interpretationen im Vergleich


Auf die Schnelle ergänzend - Interpretationen, sonntags ab 15:05 Uhr bis 17:00 Uhr, Dlf Kultur.

Nächste Sendung:

Zitat

28.01.2018
Die Kunst des Kanons
Johann Sebastian Bachs "Musikalisches Opfer"
Gast: Horst Weber, Musikwissenschaftler
Moderation: Michael Dasche

172

Montag, 5. Februar 2018, 17:55

Wann reden, wann schweigen

Ein Besuch bei Ruth und Kurt Elias in Beth Jitzchak, Deutschlandfunk - nachhörbar & nachlesbar hier.

Zitat

Nach dem deutschen Einmarsch in ihre mährische Heimat wird Ruth Huppert nach Theresienstadt deportiert. Dort heiratet sie, um dem nächsten Osttransport zu entgehen, ihren Freund Gorni, kommt nach Auschwitz, wo sie ein Kind von ihm zur Welt bringt. Bevor es der KZ-Arzt Mengele für seine Experimente nutzen kann, gibt ihr eine Ärztin Morphium.


Siehe auch hier: Claude Lanzmann im Gespräch mit Ruth Elias, Vier Schwestern - Teil 1 (Der Hippokratische Eid)

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