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Melina

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Samstag, 5. April 2014, 18:40

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort...


Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.


Rainer Maria Rilke (1875-1926)

"Wenn du von allem dem, was diese Blätter füllt,
Mein Leser, nichts des Dankes wert gefunden:
So sei mir wenigstens für das verbunden,
Was ich zurück behielt."
(Lessing)

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102

Samstag, 25. April 2015, 13:08

Herbst im Fluß


Der Strom trug das ins Wasser gestreute
Laub der Bäume fort. -
Ich dachte an alte Leute,
Die auswandern ohne ein Klagewort.

Die Blätter treiben und trudeln,
Gewendet von Winden und Strudeln
Gefügig, und sinken dann still. - -

Wie jeder, der Großes erlebte,
Als er an Größerem bebte,
Schließlich tief ausruhen will.

Joachim Ringelnatz (1883-1934)


in Erinnerung an Frank-Georg Bechyna
er möge seine Ruhe finden.

"Wenn du von allem dem, was diese Blätter füllt,
Mein Leser, nichts des Dankes wert gefunden:
So sei mir wenigstens für das verbunden,
Was ich zurück behielt."
(Lessing)

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103

Dienstag, 21. März 2017, 20:44

Die Hochfliegenden


Schwebt immer auf im Adlerflug,
Ihr Geister, stark und hehr!
Mir ist mein stilles Thal genug:
Ich wünsche mir nicht mehr.

Ihr kreiset schwindelnd durch die Luft
Und schaut herunter stolz;
Das Thal erscheint vor euch als Kluft,
Der Wald als Häuflein Holz.

Die schönen Blumen seht ihr nicht;
Der Strom, so voll und reich,
Der silbern sich durch Auen flicht,
Bedünkt ein Streiflein euch!

Der Vöglein recht aufs Menschenherz
Berechnete Gesang,
Wird, eh er steiget wolkenwärts,
Ein dumpfverworrner Klang.

Was frommt's euch, daß ihr Nachbarn seid
Dem Früh- und Abendroth?
Schweigt unter euch doch, tief und weit,
Das Leben gleich dem Tod!

Da lob' ich mir mein stilles Thal,
In dem der Friede liegt,
In dem sich Alles allzumal
So traulich an mich schmiegt.

Dort hab' ich, was man haben kann,
In kleinem Raum verwebt;
Dort steht die Welt mich freundlich an,
Und was mich ansieht — lebt!


Johann Gabriel Seidl (1804-1875)

"Wenn du von allem dem, was diese Blätter füllt,
Mein Leser, nichts des Dankes wert gefunden:
So sei mir wenigstens für das verbunden,
Was ich zurück behielt."
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Dienstag, 10. Oktober 2017, 13:41

Für Musik


Nun die Schatten dunkeln,
Stern an Stern erwacht:
Welch ein Hauch der Sehnsucht
Flutet in der Nacht!

Durch das Meer der Träume
Steuert ohne Ruh,
Steuert meine Seele
Deiner Seele zu.

Die sich dir ergeben,
Nimm sie ganz dahin!
Ach, du weißt, daß nimmer
Ich mein eigen bin.


Emanuel Geibel (1815-1884)

"Wenn du von allem dem, was diese Blätter füllt,
Mein Leser, nichts des Dankes wert gefunden:
So sei mir wenigstens für das verbunden,
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105

Mittwoch, 11. Oktober 2017, 12:58

An das Herz


Willst du nicht dich schließen,
Herz, du offnes Haus!
Worin Freund' und Feinde
Gehen ein und aus?

Schau, wie sie verletzen
Dir das Hausrecht stets!
Fühllos auf und nieder,
Polternd, lärmend geht's.

Keiner putzt die Schuhe,
Keiner sieht sich um,
Staubig brechen alle
Dir ins Heiligtum;

Trinken aus den goldnen
Kelchen des Altars,
Schänden Müh' und Segen
Dir des ganzen Jahrs:

Werfen die Penaten
Wild vom Herde dir,
Pflanzen drauf mit Prahlen
Ihr entfärbt Panier.

Und wenn zu verwüsten
Nichts sie finden mehr,
Lassen sie im Scheiden
Dich, mein Herz, so leer!

Nein! und wenn nun alles
Still und tot in dir,
O, noch halt dich offen,
Offen für und für!

Laß die Sonne scheinen
Heiß in dich hinein,
Stürme dich durchfahren
Und den Wetterschein!

Wenn durch deine Kammern
So die Windsbraut zieht,
Laß dein Glöcklein stürmen,
Schallen Lied um Lied!

Denn noch kann's geschehen,
Daß auf irrer Flucht
Eine treue Seele
Bei dir Obdach sucht!


Gottfried Keller (1819-1890)

( an Z.)

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Sonntag, 15. Oktober 2017, 16:54

Hab mich lieb!


Jetzt bist du da, dann bist du dort,
Jetzt bist du nah, dann bist du fort,
Kannst du´s fassen? Und über eine Zeit
gehen wir beide in die Ewigkeit
dahin - dorthin. Und was blieb?
Komm, schließ die Augen und hab mich lieb.


Christian Morgenstern (1871-1914)

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107

Dienstag, 24. Oktober 2017, 14:45

Im Nebel


Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.


Hermann Hesse (1877-1962)

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Montag, 30. Oktober 2017, 11:36

Oktoberlied


Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!

Und geht es draußen noch so toll,
Unchristlich oder christlich,
Ist doch die Welt, die schöne Welt,
So gänzlich unverwüstlich!

Und wimmert auch einmal das Herz, -
Stoß an und lass es klingen!
Wir wissen's doch, ein rechtes Herz
Ist gar nicht umzubringen.

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenkt ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!

Wohl ist es Herbst; doch warte nur,
Doch warte nur ein Weilchen!
Der Frühling kommt, der Himmel lacht,
Es steht die Welt in Veilchen.

Die blauen Tage brechen an,
Und ehe sie verfließen,
Wir wollen sie, mein wackrer Freund,
Genießen, ja genießen.


Hans Theodor Woldsen Storm (1817-1888)

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109

Sonntag, 5. November 2017, 21:21

Wer wird auch am Tage


Wer wird auch am Tage
Goldenes Sterngefunkel,
Und die Blumen des Feldes
Suchen im Abenddunkel?

Wer wird seiner Liebsten
Im Traum viel Holdes sagen,
Und tagüber sie nimmer
Anzureden wagen?


Richard Leander (1830-1889)

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Dienstag, 7. November 2017, 13:06

Gruß aus der Fremde


Du liebes frommes Wesen,
An dem dies Herz genas,
Das ich mir nicht erlesen,
Das mir mein Gott erlas.

Du Holde, Schöne, Süße,
Du meines Lebens Stern,
Ich grüße dich, ich grüße
Aus weiter, weiter Fern.

Zwei Jahre sind verronnen,
Seit uns Ein Name nennt;
Wer zählet ihre Wonnen,
Wer mißt das Firmament?

Sind wir auch fern geschieden,
Die Lieb' hat süßen Brauch,
Ich fühle deinen Frieden
Und athme deinen Hauch.

Ein Schatz wohnt mir im Innern,
Ein Himmel in der Brust,
Ein seliges Erinnern
Vergangner Liebeslust.

Die Zukunft auch liegt offen
Vor meinem frommen Blick,
Da spielt ein weites Hoffen,
Ein unbegrenztes Glück.

In solchen Liebsgedanken
Verliert er sich so süß;
Einst brechen alle Schranken,
Wir ziehn ins Paradies.

Dann sollst du ganz erkennen
Mein Glück und meinen Schmerz;
Wie werd' ich dann dich nennen,
Mein Schatz, mein Licht, mein Herz.


Max von Schenkendorf (1783-1817)

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Mittwoch, 8. November 2017, 13:06

Herbststimmung


Blätter fallen von den Bäumen,
Durch die herbstlich frische Luft
Schaukeln sie. Ein Heller Duft
Zittert in den Waldesräumen.
Abends, wenn aus Wolkenballen
Sonne glüht auf Strauch und Baum,
Ist’s, als ob der Waldessaum
Lodernd flamme in den Strahlen.
Herrlich so versinkt die Sonne.
Einsam nur ein Vogel schreit
Und man ahnt der Ruhezeit
Unaussprechlich süße Wonne.
Du auch, Herz, wirst ruhig werden,
Wirst vergessen alles Leid,
Wirst entsagen aller Freud; —
Aber nicht auf dieser Erden!


Franz Th. Bayer

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112

Mittwoch, 8. November 2017, 13:54

An eine Freundin


Du saßest oft an dem Klavier,
Ich hielt die Geige in der Hand
Und niemals konnt’ ich’s sagen dir,
Wie sich mein Herz zu deinem fand.

Doch wenn die Töne klangen dann
In hehrer, edler, Konsonanz,
Wenn unser leises Lied erklang,
Da fühlt’ ich’s: Du verstehst mich ganz.


Franz Th. Bayer

für Yorick, die Ausnahme - zweites Gedicht am selben Tag. Aber wenn es so gut gefällt..

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113

Donnerstag, 9. November 2017, 13:32

Hab Sonne im Herzen...


Hab Sonne im Herzen,
ob's stürmt oder schneit,
ob der Himmel voll Wolken,
die Erde voll Streit -
hab Sonne im Herzen,
dann komme, was mag,
das leuchtet voll Licht dir
den dunkelsten Tag!

Hab ein Lied auf den Lippen
mit fröhlichem Klang,
und macht auch des Alltags
Gedränge dich bang -
hab ein Lied auf den Lippen,
dann komme, was mag,
das hilft dir verwinden
den einsamsten Tag!

Hab ein Wort auch für andre
in Sorg und in Pein
und sag, was dich selber
so frohgemut läßt sein:
Hab ein Lied auf den Lippen,
verlier nie den Mut,
hab Sonne im Herzen,
und alles wird gut!


Cäsar Otto Hugo Flaischlen (1864-1920)

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Freitag, 10. November 2017, 11:42

Schlaflied für Mirjam


Schlaf mein Kind - schlaf, es ist spät!
Sieh wie die Sonne zur Ruhe dort geht,
Hinter den Bergen stirbt sie in Rot.
Du - weißt nichts von Sonne und Tod,
Wendest die Augen zum Licht und zum Schein -
Schlaf, es sind so viel Sonnen noch dein,
Schlaf mein Kind - mein Kind schlaf ein!

Schlaf mein Kind - der Abendwind weht.
Weiß man, woher er kommt, wohin er geht?
Dunkel, verborgen die Wege hier sind,
Dir, und auch mir, und uns allen, mein Kind!
Blinde - so gehn wir und gehen allein,
Keiner kann Keinem Gefährte hier sein -
Schlaf mein Kind - mein Kind schlaf ein!

Schlaf mein Kind, und horch nicht auf mich!
Sinn hats für mich nur, und Schall ists für dich.
Schall nur, wie Windeswehn, Wassergerinn,
Worte - vielleicht eines Lebens Gewinn!
Was ich gewonnen, gräbt mit mir man ein.
Keiner kann Keinem ein Erbe hier sein -
Schlaf mein Kind - mein Kind schlaf ein!

Schläfst du, Mirjam? - Mirjam, mein Kind,
Ufer nur sind wir, und tief in uns rinnt
Blut von Gewesenen - zu Kommenden rollts,
Blut unsrer Väter, voll Unruh und Stolz.
In uns sind Alle. Wer fühlt sich allein?
Du bist ihr Leben - ihr Leben ist dein - -
Mirjam, mein Leben, mein Kind - schlaf ein.


Richard Beer-Hofmann (1866-1945)

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Freitag, 8. Dezember 2017, 19:20

Morgen, Kinder, wird’s nichts geben


Morgen, Kinder, wird’s nichts geben
Nur wer hat, kriegt noch geschenkt.
Mutter schenkte euch das Leben.
Das genügt wenn man`s bedenkt.
Einmal kommt auch eure Zeit.
Morgen ist`s noch nicht so weit.

Doch ihr dürft nicht traurig werden.
Reiche haben Armut gern.
Gänsebraten macht Beschwerden.
Puppen sind nicht mehr modern.
Morgen kommt der Weihnachtsmann.
Allerdings nur nebenan.

Lauft ein bisschen durch die Straßen!
Dort gibt`s Weihnachtsfest genug.
Christentum vom Turm geblasen,
macht die kleinsten Kinder klug.
Kopf gut schütteln vor Gebrauch!
Ohne Christbaum geht es auch.

Tannengrün mit Osrambirnen –
Lernt drauf pfeifen! Werdet stolz!
Reißt die Bretter von den Stirnen,
denn im Ofen fehlt`s an Holz!
Stille Nacht und heil`ge Nacht –
Weint, wenn`s geht, nicht! Sondern lacht!

Morgen, Kinder wird`s nichts geben!
Wer nichts kriegt, der kriegt Geduld!
Morgen Kinder lernt für`s Leben!
Gott ist nicht allein dran schuld.
Gottes Güte reicht soweit…
Ach, du liebe Weihnachtszeit!


Erich Kästner (1899-1974)

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