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1

Donnerstag, 2. Februar 2012, 19:00

04 - Literatur (ernste)

Es mangelt nicht an Mozart darstellenden Büchern. Ich lese gerade z.B.: die Biographie vom amerikanischen Maynard Solomon:

die etwas psychologiesierende Annäherung ist zwar spannend, lässt mich aber immer fragen: war es wirklich so?

Welche Bücher kennt und empfiehlt ihr zum Thema "Mozart"

LG
Tamás
:wink:
Alle Wege führen zum Bach,
.................................... wo der kleine Biber lebt!


Ulli

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2

Donnerstag, 2. Februar 2012, 20:36

Hallo,

um die Literatur zu Mozart ist es inzwischen ähnlich bestellt, wie mit der Literatur zum deutschen Steuerrecht... es gibt gute Grundlagenwerke, die aber in vielen Teilen inzwischen einfach als veraltet gelten müssen. Bücher dieser Art, wie z.B. Einsteins großartige Monographie



oder auch Hildesheimer:



und leider unzählige andere ähnliche Werke werden zwar immer wieder gerne neu aufgelegt (was ich auch befürworte), sie werden allerdings leider nicht überarbeitet. Das heißt, der neueste Stand der Forschung bleibt unberücksichtigt und diesen muß man quasi durch Zusatzmaterial selbst ergänzen. Ein gutes Kompendium, daß alle Forschungsergebnisse vereint, gibt es leider nicht... vielleicht vermag hier der neue Köchel Hilfestellung leisten. Ich selbst benutzte auch in der Regel den "aktuellen" Köchel (von 1968), der jeweils handschriftlich von mir ergänzt wurde - auch für biografische Fragen. Der Köchel ist nämlich imo kein reines und schmuckloses Werkeverzeichnis...

Nichtsdestotrotz möchte ich den Einstein gerne empfehlen, allein wegen des Autors bissiger Sprache 8-)

Ansonsten empfehle ich, natürlich neben allerlei sehr spezifischer Fachliteratur, u.a. die halbjährlich erscheinenden acta mozartiana (zu beziehen über die Deutsche Mozartgesellschaft in Augsburg) sowie den Essayband der 2006er Mozart-Ausstellung "Experiment Aufklärung", der günstig zu haben ist:



Dieser Klotz enthält wahrlich unendlich viele hochinteressante und diskutierbare Essays - rund um Mozart und seine Zeit.

:wink:
Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.
W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

Ulli

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3

Samstag, 12. April 2014, 09:37

Recht frisch auf dem Markt: ein neuer Christoph Wolff



Wegen dem Bezug zu meiner aktuellen Signatur gleich mal geordert...

Wolffs Ausführungen zu Mozarts Requiem sind hier übersichtlich und kompromisslos dargestellt:



Ergänzend und finalisierend kann lediglich der Essay von Thomas Leibnitz (Mozarts Requiem: Legenden, Spekulationen, Hintergründe, S. 823ff.) aus des bereits w.o. erwähnten "Experiment Aufklärung"-Kompendium genannt werden.
Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.
W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

Ulli

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4

Samstag, 10. Mai 2014, 11:26

Wolffs "Pforte des Glückes"...

...ist ein überaus verständlich geschriebenes Buch; es wurde von Matthias Müller aus dem Amerikanischen in Wolffs Muttersprache quasi zurückübersetzt, wobei ich meine, daß Wolff selbst hier nicht ganz unbeteiligt gewesen ist.

Das Buch reflektiert auf 187 Seiten Mozarts Ideen, Arbeitsweisen und mögliche Kompositionsursachen im Dienste des Kaisers, besonders fokussiert auf die Kammermusik. Es gibt einige interessante Aspekte, die latent vorhanden (gewesen) zu sein scheinen und zum Verständnis der Kompositionen der letzten Lebensjahre Mozarts durchaus beitragen können. Wirklich Neues ist nicht in Erfahrung zu bringen, aber die von Wolff herausgestellten Zusammenhänge können durchaus Aufschluss geben und eine neue oder präzisere Sichtweise bieten. Besonderes Augenmerk legte Wollf auf die kammermusikalischen Fragmente - etwa 30 Seiten (Kapitel 6) befassen sich mit der Analyse unvollendet gebliebener kammermusikalischer Arbeiten Mozarts... dabei geht Wolff nicht so sehr auf Musikalisch-Fachliches ein, sondern bietet einen nüchternen Überblick, der für jedermann (also auch Nurhörer) durchaus verständlich ist.

Was mir persönlich sehr gut gefällt ist der Umstand, daß Wolff quasi den frühen Tod des Komponisten einfach ignoriert und seine Betrachtungen so darstellt, daß der Komponist unvorhersehbar und plötzlich aus dem Leben geschieden ist. Eben gerade dies eröffnet eine ganz andere und z.T. völlig neue Sichtweise auf die sogenannten Spätwerke:

Zitat

Denn nach vorherrschender Meinung geht in den Werken der letzten Lebensjahre Mozarts das unerschöpfliche Reservoir innovativen Erfindungsgeistes [...] mit einem mutmaßlichen Abschiednehmen einher.

Für eine solche Sichtweise auf Mozarts Schaffen sind freilich weder äußere Belege noch eine innere Logik zu erkennen. Daraus ergab sich für mich die Notwendigkeit, die letzten Jahre des Komponisten einer Neubewertung zu unterziehen, und zwar aus einer Warte, die die übliche Betonung auf seinen sich vorzeitig abzeichnenden Tod außer Betracht lässt.
Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.
W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

palestrina

Freispruch für Tosca - Jago soll hängen

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5

Montag, 20. Juni 2016, 21:11

Mal zwei Bücher als Anregung ...


Kierkegaard - DIE UNMITTELBAREREN EROTISCHEN STADIEN ODER DAS MUSIKALISCH - EROTISCHE

Kierkegaards Essay von 1842 ist eine philosophische Liebeserklärung an Mozarts „Don Giovanni“.

Nach vielen Seiten durch viele Stadien entfaltet der Autor „den Begriff sinnlich-erotischer Genialität“, der sich ihm in Mozarts Musik erfüllt und zieht, „der lebenstrotzenden Munterkeit“ seines Opernhelden zu Ehren, alle Register beredten Scharfsinns.
Sehr, sehr lesenswert!



Oft, sehr oft gelesen! Ich mag das Buch sehr!

Wer sich gerne mit Mozart beschäftigt, für den sind sie unentbehrlich!

LG palestrina
„ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
Oolong

palestrina

Freispruch für Tosca - Jago soll hängen

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6

Montag, 20. Juni 2016, 21:53

Ebenso auch diese beiden ...



Dieses Buch über Mozarts Don Giovanni, leider habe ich nicht die deutsche Übersetzung gefunden, die hier abgebildete ist in französisch, hat Jouve geschrieben, als er 1935 in Salzburg den Don Giovanni sah und hörte unter Bruno Walter, er war im innersten tief betroffen von diesem Meisterwerk Mozarts in jener kongenialen Aufführung!
Hier ist Szene für Szene beschrieben und das Werk wird zwischen Tönen und Worten erkundet!

Genau so beschreibt Urs Fässler den Figaro, noch dazu mit Notenbeispielen.
Z.B heißt die Überschrift zum Duettino am Anfang „die Exposition der Hauptfiguren“.



LG palestrina
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palestrina

Freispruch für Tosca - Jago soll hängen

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7

Freitag, 7. Oktober 2016, 12:54

Mladen Dolar, ‚‚ Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist ..." Mozart und die Philosophie in der Oper, 2001



Zitat


Der Verlag über das Buch
"Betritt die Philosophie die Oper, dann geht sie zugleich ein in den Raum von Mythos und Phantasma, in jenen Bereich also, den sie eben als Philosophie fortwährend hat loswerden wollen ... Sie muß versuchen, über etwas nachzudenken, was ihr erst die Psychoanalyse auf die Tagesordnung gesetzt hat: die Logik eines Phantasmas."
Mladen Dolar - Professor für Philosophie in Ljubljana und Mitbegründer der "Laibacher Lacan-Schule" - spürt den Phantasmen und ihren Verschiebungen in Mozarts Opern nach, deren paradigmatische Kraft sich der Berührung zweier Welten verdankt, der bürgerlichen und der des Absolutismus. "In Mozarts Opern scheinen beide Welten samt ihren Grundlagen eine utopische Versöhnung erzielt zu haben, deren Träger die Musik ist."


Leider im Moment nicht erhältlich, aber wenn es dem ein oder anderen mal in Hände fällt, zugreifen !
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8

Freitag, 7. Oktober 2016, 13:02

Hanns-Josef Ortheil, ‚‚ Mozart im Inneren seiner Sprachen ", Erstausgabe 1982



Zitat


Kurzbeschreibung
Hanns-Josef Ortheil hat Mozarts Briefe neu gelesen, und sein Essay ist nicht nur eine Studie über Mozarts Sprachkunst, sondern auch eine kunstvolle Erzählung, wie sich dieser unvergleichbare Komponist durchzusetzen lernte.


Zitat

"In diesem schönsten und gewiss unvergleichlichsten Mozart-Buch liest der Autor Mozarts Sprache wie eine Partitur und lässt uns dessen Musik auf neue Art hören."
Frankfurter Rundschau


Hanns-Josef Ortheils Bücher sind immer ein Genuss für mich !
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Yorick

gewesener reuß.-plaw. Rath und Landgeist(l)icher

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9

Sonntag, 13. November 2016, 19:25

Mozarts Opern

Gibt es außer den hier bereits erwähnten noch Bücher zu Mozarts Opern; am Liebsten eine Monographie als Gesamtschau,
"Alas, poor Yorick! I knew him, Horatio; a fellow of infinite jest, of most excellent fancy; he hath borne me on his back a thousand times; and now, how abhorred in my imagination it is! My gorge rises at it. Here hung those lips that I have kissed I know not how oft. Where be your gibes now? Your gambols? Your songs? Your flashes of merriment, that were wont to set the table on a roar?"

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10

Sonntag, 13. November 2016, 19:36

Mein Erstzugang:

Rosmarie Mann: Wolfgang Amadeus Mozart. Triumph und frühes Ende. Biografie


Später wie billig:

Wolfgang Hldesheimer: Mozart


Beide Bücher sind total zerlesen; wie ich eben feststellte ...
"Alas, poor Yorick! I knew him, Horatio; a fellow of infinite jest, of most excellent fancy; he hath borne me on his back a thousand times; and now, how abhorred in my imagination it is! My gorge rises at it. Here hung those lips that I have kissed I know not how oft. Where be your gibes now? Your gambols? Your songs? Your flashes of merriment, that were wont to set the table on a roar?"

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Sonntag, 13. November 2016, 19:50

Mozarts Opern

Mozarts Opern

Ich fühle mich angesprochen, kann Dich aber leider nicht wirklich beratschlagen; ich habe derlei Bücher nie gelesen (und die gibt es sicher zu Hauf), weil ich das Erklären von Werken nicht mag - Kunst widerlegt sich selbst, wenn sie erklärt werden muss. Mein „Wissen“ basiert auf Erfahrungen durch Opernbesuche, Opernhören, Libretti lesen, das ein oder andere im biographischen Kontext natürlich gelesen (und erkannt), Bearbeitungen, Hommages, Reminiszenzen (Du bist ja bereits infiltriert). Wichtig waren mir immer die aspektbezogenen Essays in den acta mozartiana (erhältlich bei der Deutschen Mozartgesellschaft DMG) und der Schlüssel zum „Verständnis“ war ganz früh Goldonis Servitore di due padroni, den Mozart vertonen wollte, wozu es leider nie kam. Ich liebe das Stück, da es so gut wie alle Grundcharaktere enthält; ich empfehle die zweisprachige (orangefarbene) Reclamausgabe, weil man hier das venezische Italienisch mit der sehr gelungenen Übersetzung simultan lesen kann. Man muß Italienisch nicht in Perfektion können, auch ich bin davon weit entfernt, aber der Klang des Gelesenen ist schon bedeutungsschwanger genug:




„Ich schreibe itzt eine teutsche opera für mich: - ich habe die Comödie vom Goldoni - Il servitore di due Padroni - dazu gewählt - und der Erst ackt ist schon ganz übersetzt - der übersetzer ist Baron Binder - es ist aber alles noch ein geheimnüss, bis alles fertig ist ...“ (05. Februar 1783).

Leider ist der übersetzte Text verloren gegangen resp. bis dato nicht wieder aufgetaucht; ohnehin wäre es wohl auch nur der erste Akt gewesen, so daß nichtmal ich das Werk hätte nachschieben können, was stets mein allerhöchstes Anliegen war. N. h. M. - allerdings ungesichert - gilt KV 433 (416c) „Männer suchen stets zu naschen“ als eine für dieses „Geheimnüss“ komponierte Arie; zumindest in zeitlicher Nähe zu dem Brief zu verorten (dito Musik zu einer Pantomime KV 446). Vielleicht auch „Müßt’ ich doch durch tausend Drachen“ KV 435 (416c).

Ich schaue mir das Stück auch überaus gerne an und mein inneres Ohr hört stets mozartsche Musik dazu :)
Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.
W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

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Sonntag, 13. November 2016, 20:14

Stefan Kunze ist sehr ausführlich in der Darstellung der einzelnen Opern.
Die frühen Opern sind zusammenfasst.


Hier bei Willaschek fehlen die frühen, fängt erst ab Idomeneo an.


LG palestrina
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Sonntag, 5. März 2017, 15:45



Franz Forster
Mozart & Salieri: Ein Roman in Tatsachen

Der Stil des Autors gefällt mir ehrlich gesagt nicht; zuviele vergleichende Einwürfe, wenn er beschriebt, wie er nach historischen Personen googelt und dann auf Fußballer gleichen Namens etc. stößt; das nervt so bei einer selbst durchgeführten Recherche schon genug, daß es nicht noch beschrieben werden muß. Ich liebe ja den Gebrauch der drei Punkte ... aber in solch einem halb-/speudo-wissenschaftlichen Buch sollte man damit sparsam(er) umgehen. Forster subsummiert Altbekanntes, wirft neue Fragen auf, ohne sie jedoch beantworten zu können, was den Gebrauch der drei Punkte deutlich erhöht.

Faierer Weise muß ich gestehen, daß der Autor beide im Rampenlicht stehende Komponisten durchaus kritisch beäugt, manches aber geht mir zu weit:

Zitat

  • Mozart war kein Neuerer. Er übernahm, was andere bereits entwickelt hatten. Er war ein guter Aneigner und Verwerter.
  • Mozarts Erfindungsgabe ist nicht überragend. Seine Themen sind oft allerweltshaft [...]. Prägnante Einfälle bleiben eher selten.
  • Bei der Behandlung des Orchesters waren ihm Haydn, Vanhal, Hofmann und Salieri sicherlich überlegen.
  • Duschek, Vanhal, Hofmann und Salieri haben mehr Sinn für Klangfarben.

Ich kann das nachvollziehen, aber sind typische - relativ langanhaltende - Ersteindrücke, wenn man begonnen hat, die Komponisten der heutigen „zweiten Reihe“ zu erkunden; bei mir ist das bereits einige Jahrzehnte her und allmählich relativiert sich das. Mozart muß im Konztext seiner Kollegen genossen und gewürdigt werden, darunter findet sich unzweifelhaft (auch bezogen auf die genannten Komponisten) herausragendes. Mozart konnte gut kopieren, aneignen und „etwas daraus machen“, auch das steht - ähnlich wie bei Händel - außer Zweifel; es war aber nicht sein Hauptwirkungsfeld.

Die Frage nach Mozarts Tod, Grablegung und Verbleib des Leichnahms bleibt - das weiß ich bereits jetzt - auch durch dieses Buch ungeklärt. Nachwievor sehe allerdings auch ich ein großes Fragezeichen, trotz aller möglichen mehr oder weniger plausiblen Erklärungsversuche ... Mozart starb nicht verarmt, es waren zahlreiche Gönner, Freunde etc. da, die ein angemessenes Grab hätten organisieren können, es aber nicht taten. Constanze bleibt außen vor, kümmert sich einen Scheiß darum und behauptet bald zwei Jahrzenhnte später, sich an nichts mehr zu erinnern (wie übrige befragte Zeitgenossen, die kontroverse Aussagen machen, ebenfalls), als sie sich notgedrungen auf die „Suche“ nach dem Grab begibt. Das alles klingt tatsächlich so, als sollte Mozarts Leiche verschwinden und unauffindbar bleiben, was durchaus gelungen ist - während Gräber seiner Kollegen vorhanden sind (oder zumindest waren), selbst heute unbedeutende Zeitgenossen wie die erste Pamina (Anna Gottlieb) und der Totengräber selbst erhielten auf dem St. Marxer Friedhof (der aus verschiedenen Gründen nicht unbedingt als Mozarts Ruhestätte gelten muss, aber dennoch als einziger heute erhaltener Biedermeierfriedhof unbedingt begehenswert ist!) ein eigenes Grab mit Stein und Schrift ... der Grund dafür mag einfach - oder kompliziert sein. Eine plausible Lösung konnte bislang niemand bieten (und ich leider auch nicht); eines aber sollte klar sein: ganz mit rechten Dingen ging das nicht zu (man muß nicht gleich an Giftmord denken): die Leiche jedenfalls mußte, aus welchen Gründen auch immer, für immer verschwinden. Mit Erfolg.

So will auch ich mit den drei Punkten hier enden ...
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Yorick

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14

Donnerstag, 12. Oktober 2017, 14:07

Peter Gülke: Triumph der neuen Tonkunst: Mozarts späte Sinfonien und ihr Umfeld// Im Zyklus eine Welt: Mozarts letzte Sinfonien



Kenne ich leider nicht.
"Alas, poor Yorick! I knew him, Horatio; a fellow of infinite jest, of most excellent fancy; he hath borne me on his back a thousand times; and now, how abhorred in my imagination it is! My gorge rises at it. Here hung those lips that I have kissed I know not how oft. Where be your gibes now? Your gambols? Your songs? Your flashes of merriment, that were wont to set the table on a roar?"

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Donnerstag, 12. Oktober 2017, 14:29

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