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Ulli

Ritter vom goldenen Spott

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Montag, 4. Juli 2011, 15:54

Authentic Quartet (opi)

2002 gründete Zsolt Kalló das Authentic Quartet:

Zsolt Kalló, Violine
Balász Bozzai, Violine
Gábor Rác, Viola
Csilla Vályi, Violoncello

Das Ensemble spielt auf historischen Instrumenten (leider konnte ich dazu auch im Booklet keine detaillierten Angaben finden). Das Authentic Quartet spielt nicht so luftig-sorglos wie das Quatuor Mosaïques, sonden eher erdverbunden wie die landsmännischen Kollegen, das Quatuor festetics. Wie auch dereinst bei den festetics, erscheinen erstmals Aufnahmen zumeist nur dem Namen nach bekannter Komponisten beim heimischen Label Hungaroton:



Mikulas Zmeskáll (1759-1833)
Streichquartette g-moll & D-Dur



Johann Georg Albrechtsberger (1736-1809)
6 Streichquartette op. 16



Johann Georg Albrechtsberger (1736-1809)
Streichquartette op. 7 Nr. 4-6



Johann Georg Lickl (1769-1843)
Streichquartette Nr. 1-3



Friedrich Ernst Fesca (1789-1826)
Streichquartette op. 1 Nr. 1-3



Joseph Wölfl (1773-1812)
Streichquartette op. 4 Nr. 1-3



Carl Stamitz (1745-1801)
Clarinettenquartette op. 14 Nr. 3 & 6
Clarinettenquartette op. 19 Nr. 1-3
Lajos Rozman, Clarinette



Johann Baptist Vanhal (1739-1813)
Klavierquintette op. 12
Miklos Spanyi, Fortepiano



Franz Krommer (1759-1831)
Streichquartette op. 7 Nr. 1-3

Ich kenne bisher (leider) nur die beiden Quartette von Nikolaus Zmeskáll, der mit Beethoven freundschaftlich verbunden war. Diese Einspielung beweist einmal mehr die blühende Streichquartettkultur im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert: Musik und Interpretation sind einfach hervorragend aufeinander abgestimmt.

Langfristig werde ich sie mir sicherlich alle zulegen, die Priorität liegt aber ganz sicher bei den Clarinettenquartetten von Stamitz, den Clavierquintetten von Vanhal und den Quartetten von Lickl.

Hörproben sind auch auf deren Homepage erhältlich.

Die CDs sind leider nicht sonderlich preiswert: bei jpc zahlt man durchweg 19,99 € - bei den Amazonen neu bis zu 31,99 €, gebraucht gelegentlich um die 10 €.
Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.
W. A. Mozart an Michael Puchberg, Wien Anfang April 1790

Ulli

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Mittwoch, 7. September 2011, 22:34

STAMITZ: Klarinetten-Quartette



Zwischenzeitlich habe ich die Quartette Lickls und die Clarinettenquartette von Stamitz erhalten. Gegen die Authentics ist da absolut nichts zu sagen: eine tolle Alternative zu den Festetics und doch sehr eigen. Bei den Werken für Clarinette und Streichtrio von Stamitz hat der Solist Lajos Rozmán sich zu einem Experiment hinreißen lassen und auf einer modernen Klarinette (L. Rossi F 537) gespielt, was man doch - leider - sehr deutlich am Quäken und beinahe jazzigen Quietschen des Instrumentes hört. Sehr schade, denn die Werke von Stamitz sind sehr hörenswert, wenn auch nicht vergleichbar mit Mozartschen Clarinettenwerken. Offenbar hat Mozart hier aus dem Quartett op. 19 Nr. 2 (Andante poco moderato) eine Anleihe genommen - interessanter Weise tat Mozart dies bereits bei Stamitz' Orchesterquartett G-Dur, aus welchem er das Rondo-Thema für sein KV 485 destillierte, welches er auch im Klavierquartett KV 478 eingeflochten hat. Ich erkenne daraus, daß Mozart Stamitz' Werke wohl recht gut gekannt und auch geschätzt hat.

:wink:
Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.
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3

Donnerstag, 8. September 2011, 20:18

LICKL: Streichquartette



Die hier eingespielten drei Streichquartette Georg Lickls stellen seinen öffentlichen Erstauftritt in den Printmedien dar: die Werke erschienen als sein Opus 1 bei André in Offenbach als III grands Quatuors concertans, vermutlich 1797, komponiert (ebenso vermutlich) kurz nach Mozarts Tod. Während das erste - sehr furiose - Quartett in d-moll noch deutlich Sturm-und-Drang-Anklänge hat, erinnert mich das zweite in G-Dur an die Quartette Joseph Martin Kraus' - das dritte könnte schon beinahe eines aus Beethovens op. 18 sein und steht in c-moll. Im Menuett glaubt man zunächst Arriaga zu hören: dessen Menuett aus seinem Es-Dur-Quartett steht ebenfalls in c-moll und hat ein sehr ähnliches Thema, allerdings auftaktig.



Dabei dürfte das Thema des Menuetts als Vorgriff auf das Finale-Thema zu verstehen sein. Lickl nimmt hier im Finale des dritten Quartetts zudem überdeutlich Bezug auf das Finale des ersten Haydn gewidmeten Quartetts G-Dur KV 387 von W. A. Mozart:



Wegen der stilistischen Differenzen hege ich Zweifel, daß alle drei Quartette aus der selben Schaffensperiode Lickls stammen - vermutlich hat er (wie Kraus) einfach aus gegebenem Anlass ältere Werke zu einem üblichen Zyklus zusammengestellt und ggfs. das letzte in c-moll, welches mir als das reifste der drei erscheint, ergänzt.

In jedem Fall eine sehr schöne Ergänzung für Liebhaber des Streichquartetts während des Übergangs vom 18. zum 19. Jahrhundert. Die Quartette sind für den Hörer nicht zu leicht und nicht zu schwer, sind also weder nur beiläufig zu hören, noch fordern sie konzentrierteste Zuhörerschaft. Es gibt einige sehr rührende Passagen, Anklänge an Mozarts Jupiter-Sinfonie (Andante un poco Adagio aus dem ersten Quartett), Linzer Sinfonie (Andantino des G-Dur-Quartetts) und vieles mehr. Dabei wird jedes Instrument solistisch tätig - die Werke sind also alles andere als starr.

Das Authentic Quartet spielt dosiert mit leichtem Vibrato, besonders die verwendete Bratsche hat einen markant nasalen Ton.

:wink:
Nun stehe ich vor der Pforte meines Glückes – verliere es auf ewig, wenn ich diesmal nicht Gebrauch davon machen kann.
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Freitag, 2. Dezember 2011, 14:29

Auch hier geht die Reihe weiter:



Emanuel Aloys Förster (1748-1823)
Streichquartette op. 21 Nr. 1-3
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5

Sonntag, 4. Dezember 2011, 17:31



Gregor Joseph Werner: 6 Fugen a 4 (bearbeitet für Streichquartett von Joseph Haydn)
Johann Georg Albrechtsberger: 6 Quartette op. 16; Sonata in C (pro festo Paschalis)

Die CD enthält eine besondere Gattung der klassischen Epoche, die nur wenig beachtet wird: hier sind Streichquartette zu hören, die sämtlich aus einer langsamen Einleitungssatz und einer Allegro-Fuge bestehen. Der erste Teil der Aufnahme widmet sich Stücken, die noch zur Epoche gehören, wo man gewöhnt ist, die Gattung "Preludium und Fuge" vorzutreffen: die "6 Fugen" von Gregor Werner sind noch dem Spätbarock (oder dem sog. "Vorklassik") zuzurechnen. Entstanden sind sie noch vor 1750; - erschienen sind sie aber erst 1804 in der Bearbeitung von Joseph Haydn. Es mag überraschen, aber in der häuslichen Kammermusik spielte man gerne Fugen, die für das damalige Medium, für das Streichqartett komponiert - oder gesetzt waren (man denke nur an die Bach-Bearbeitungen von Mozart). Mehr darüber hier.

Das Erbe von Johann Joseph Fux war in Wien noch sehr lebendig: ein Pfleger davon war ein "Komponisten-Star" der damaligen Zeit, guter Freund von Haydn und Mozart, für kurze zeit sogar Lehrer von Beethoven, den die ganze damalige Musikszene hoch verehrt hat: Johann Georg Albrechtberger. Seine Quartette - vom Stil her eigentlich von der von Fux - und seine Generation - reformierte österreichische Kirchensonate abstammend, aber eindeutig für den Kammer gedacht (wer denkt da nicht auf die Sonaten "sacro-profanum", also sowohl für die Kirche als für den kammer geeigneten Weke eines Schmelzers oder Bibers?). Das führt bei diesen Stücken dazu, dass sie zwei Gesichter haben: die Einleitungen sind im Stil der zeit gefasst (und Albrechtsberger wartet da mit verzaubernden Melodien und gelehrt-galanter Kontrapunktik auf), während die Fugen schon stärker einem stile antico verpflichtet sind. Doch gerade darin liegt der Reiz dieser Stücke: nicht weltbewegendes, aber doch fantastische, bewegte Musik.

Die Aufführung ist sehr gut, die Musiker spielen mit nicht zu überhörender Begeisterung und mit hoher Spielkultur. Sie versuchen, die Stücke nicht "überzuinterpretieren", aber so zu zeigen, wie sie sind: ein äußerst ehrlicher Ansatz. Gefällt mir sehr gut: ich empfehle die CD ohne Einschränkung.

LG
Tamás
:wink:
Alle Wege führen zum Bach,
.................................... wo der kleine Biber lebt!


6

Donnerstag, 18. Dezember 2014, 00:04

Inzwischen ebenfalls erhätlich:



Streichquartet F-Dur
Streichquartett g-moll
Streichquartett F-Dur


Dieses Mal also drei modernere Werke von János Végh (1845-1918), einem Freund von Franz Liszt.
"erhaben, schön, alles was sie wollen – allein – zu übertrieben schwülstig für meine feinen ohren"
W. A. Mozart (28.12.1782)

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7

Donnerstag, 18. Dezember 2014, 06:47

Wow, ist von mir ganz unbemerkt geblieben, danke! Und hier auch schon die neueste:



LG
Tamás
*castor*
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Samstag, 14. Februar 2015, 20:34

Schade, daß sie das Label gewechselt haben; die Hungaroton-Cover haben mir hier stets gut gefallen - aber digital ist das sowieso egal.

Ich habe mir die von Tamás angezeigte CD heute im virtuellen Format erklickt - und hier darüber berichtet.

:wink:
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9

Montag, 18. September 2017, 21:15

Für meine Merk-/Wunschliste:



Ignaz Joseph Pleyel (1757-1831)

Streichquartette opp. 41/42 Nos. 1 & 2

Zitat von »Wolfang Amadé Mozart«

Sie sind sehr gut geschrieben, und sehr angenehm; Sie werden auch gleich seinen Meister [Haydn] herauskennen. Gut – und glücklich für die Musik, wenn Pleyel seiner Zeit im Stande ist, uns Haydn zu remplacieren!
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